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Sehnst du dich auch nach mehr Natur? Dann ist dieser Text für dich

Diese 4 Schritte können dir (und unserer Gesellschaft) dabei helfen, die vernachlässigte Beziehung zu unseren Ursprüngen wieder zu beleben.

14. Dezember 2022  –  13 Minuten
Artikel anhören Gelesen von Rike Schuberty

Es ist schwül im Gewächshaus des Botanischen Gartens. Die Wärme, der unebene Boden und die großen Farne und Blätter, die auf den Pfad ragen, machen es schwer, sich zu konzentrieren. Von links flattert etwas vor die Handykamera; ein genervter Wink mit der Hand, es verschwindet. Na toll, jetzt ist das Video für Instagram versaut, die Follower:innen erwarten doch ein Update. »Vielleicht kann ich noch den Anfang mit den Blumen verwenden. Die waren ja echt schön … Moment, irgendetwas läuft hier schief …«

Die Person ist in einem tropischen Gewächshaus, umgeben von meterhohen grünen Gewächsen, Orchideen in allen Formen und Farben. Bunte Schmetterlinge und schillernde Libellen fliegen umher – eine Szenerie, wofür man sonst stundenlang in den Flieger steigen muss. Doch die Person nimmt nichts von dieser Schönheit wahr. Der Blick klebt stattdessen an der Mein Kollege Felix Austen schreibt hier, wie er sich aus dem Würgegriff der digitalen Technik befreit hatTechnik, das Interesse für den Bildschirm ist größer. Das Beispiel ist vielleicht etwas überspitzt, doch insgeheim spüren wir es alle: Unsere Gesellschaft hat sich von der Natur entfremdet.

Was ist »Natur«?

Das Wort »Natur« wird oft dafür verwendet, um von Menschen unberührte Landschaften zu beschreiben. Es kann aber auch auf die Wald- oder Küstenlandschaft von nebenan verweisen. Im Grunde ist Natur aber alles, was ohne das Zutun des Menschen existiert und sich entwickelt. Dazu zählt alles Lebende – Pflanzen, Bakterien, Tiere, auch der Mensch – und alles nicht Lebende, wie etwa Gestein oder der CO2-Kreislauf. Das Wort »Umwelt« hingegen, das manchmal als Synonym verwendet wird, beschreibt den Raum rund um den Menschen, der in diesem Fall der Referenzpunkt ist.

Daran ist jedoch nicht nur der Sog moderner Technologie schuld.

Es ist auch unsere Lebensweise im Globalen Norden, Diese Studie bei Springer kommt zu dem Schluss, dass die »westliche Abkopplung« von der Natur ein zentrales Element der ökologischen Krisen ist und in erster Linie ein Bewusstseinsproblem darstellt (englisch, 2014)in den Industrieländern, in einem Wirtschaftssystem, das Jedes Jahr schenkt sie uns Dienstleistungen im Wert von 111 Billionen Euro, schreibt Felix AustenNatur als Dienstleisterin sieht und schamlos ausbeutet, die dafür verantwortlich ist. Es sind ebenso die Erziehung und Werte, mit denen wir aufwachsen, die unsere Weltanschauung prägen. Angefangen bei den 2 dominantesten Weltreligionen Christentum und Islam (und fast alle ihre Glaubensrichtungen), die den Menschen in den Mittelpunkt der Erde stellt und jahrhundertelang vermittelt hat, Es gibt aber auch viele Bewegungen innerhalb der Religionen, die zu einem nachhaltigen Umdenken auffordern. Juliane Metzker schreibt hier über Muslime, die zum Öko-Dschihad aufrufendass er die Natur beherrschen soll. Und es ist die Art und Weise, wie wir Natur lernen. Unser Bildungssystem erklärt sie oft nur distanziert als Cocktail aus chemischen Stoffen und Zusammensetzungen, lässt wenig Platz für das Erleben und Begeistern und hält Kinder mit Hausaufgaben Nachmittage lang vom Naturerleben fern.

Diese Entfremdung lässt sich nicht nur spüren, sondern auch belegen: Hier findest du die Studie zur kulturellen Natur-Entfremdung (englisch, 2017, Paywall)2 Forscherinnen haben Hunderte populäre englischsprachige Bücher, Liedtexte und Filmhandlungen vom letzten Jahrhundert bis in die frühen 2000er-Jahre auf Naturverweise untersucht. Dabei haben sie festgestellt, dass die Natur ab den 50er-Jahren immer seltener in diesen kulturellen Gütern vorkommt – also immer weniger eine Rolle für den Menschen spielt.Grund dafür ist laut den Forscherinnen nicht die Verstädterung, sondern insbesondere die virtuellen und zunehmenden Indoor-Freizeitaktivitäten wie Fernsehen und Videospiele.

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