Warum uns die Mehrwertsteuer nicht Wurst sein sollte

Currywurst im Sitzen: 19%. Currywurst im Stehen: 7%. Wer soll das noch verstehen, fragen Kritiker zum 50. Geburtstag der Mehrwertsteuer. Doch manchmal lohnt ein zweiter Blick.

2. Mai 2017  6 Minuten

Liebe Mehrwertsteuer,

nun bist du schon 50 Jahre alt und noch kein bisschen unumstrittener. Das beginnt schon mit deiner Abgrenzung zur Umsatzsteuer. In 3 Sätzen: Umsatzsteuer ist der Oberbegriff für eine Steuer, die auf den Umsatz von Waren und Dienstleistungen fällig wird. Die Mehrwertsteuer ist ein Prinzip, nach dem diese Besteuerung erfolgt und bei dem beispielsweise verrechnet wird, was der Verkäufer eines Produktes selbst für den Einkauf bezahlt hat (»Vorsteuerabzugs-Berechtigung«). Zum Beispiel letzte Woche, ausgerechnet an deinem Geburtstag: Während der Gastgeber Bayern München im Halbfinale des DFB-Pokals zur Halbzeit noch 2:1 gegen den BVB führte, Die Tagesthemen-Ausgabe inklusive des hier besprochenen Videos übersendete dir die Tagesthemen-Redaktion zur besten Sendezeit ironische Geburtstagsgrüße (im Video ab Zeitpunkt 4:55):


7 Mal seist du schon erhöht worden, bringst dem Staat jährlich über 100 Milliarden Euro, du Goldesel des Finanzministers. Im Kreuzfeuer der Kritik: wieder mal deine 2 unterschiedlichen Sätze. »Leitungswasser, Äpfel und frische Pilze kosten 7%, Mineralwasser, Apfelsaft und Pilze im Glas 19%.« Bei der Currywurst hänge der Steuersatz davon ab, ob sie im Stehen oder im Sitzen gegessen wird. »Wer soll das noch verstehen?«, mit dieser rhetorischen Frage wirst du vorgeführt.

Titelbild: Wiki Commons / Superbass - CC BY-SA

von Frederik v. Paepcke 

Frederik interessiert sich für etwas, das zunächst sperrig klingt: Systeme. Welchen Einfluss haben scheinbar unsichtbare Strukturen auf unseren Lebens-Alltag? Als Anwalt, Unternehmensberater, Gründer und Diplomat hat Frederik unterschiedlichste Perspektiven kennengelernt und ist überzeugt: Vom kleinen Startup bis hin zum großen Völkerrecht sollten wir weniger an das Gewissen des Einzelnen appellieren und stattdessen mehr an systematischen Veränderungen arbeiten.

Frederik war bis Juli 2017 Stammautor bei Perspective Daily und ist seitdem Gastautor.

Themen:  Geld   Politik  

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