PD Team

Das passiert bei Perspective Daily wirklich!

5. Mai 2017

Unsere Artikel entstehen auf ganz eigene Weise. Heute zeigen wir dir, wie.

Mit einem Cappuccino in der Hand, den Laptop aufgeklappt, im Café sitzend. Irgendwo zwischen Berlin-Kreuzberg und Prenzlauer Berg. Oder im stillen Kämmerlein allein zu Haus zu später Stunde auf die Eingebung wartend, vor einem weißen Blatt Digitalpapier.

Wenn wir mit Menschen über unsere tägliche Arbeit bei Perspective Daily sprechen, begegnen uns die unterschiedlichsten Vorstellungen zu unserem Arbeitsalltag. Die beiden Szenen sind 2 Beispiele dafür, haben mit der Realität aber wenig zu tun. Denn in der Regel sitzen wir weder in Berliner Cafés noch allein zu Hause, Unser Büro liegt (nicht besonders hip) in einem Industriegebiet von Münster in Westfalen, was häufig zu Verwirrung führt. sondern verbringen unseren Arbeitsalltag gemeinsam im Büro mit Autoren, Designern, Programmierern und vielen anderen Menschen, die dafür sorgen, dass jeden Tag ein neuer Artikel erscheint. Beim Pitch gilt es, alle Anderen von der eigenen Idee zu überzeugen. Heute wollen wir euch einen ehrlichen Einblick in die Abläufe geben, die jeden Tag bei uns parallel passieren. Wir selbst sind gerade auf dem Weg aufs Land, um für knapp 2 Tage gemeinsam die nächsten Schritte für Perspective Daily zu planen.

0. Der Redaktionsplan und die Idee

Bevor es eine Idee als Text in gewohnter Manier auf die Website schafft, muss sie am kritischen Feedback eines Teams aus Autoren vorbei und insgesamt 7 Phasen durchlaufen, die im Redaktionsplan festgehalten werden. Der ist das zentrale Dokument unserer Redaktion, Er kann digital von allen eingesehen und bearbeitet werden. er hält alles fest. Jeder Beitrag ist hier mit allen Beteiligten und dem aktuellen Status vermerkt. Jede der 7 Phasen kommt in einer eigenen Farbe daher, sodass der Redaktionsplan ein wenig einem Regenbogen gleicht. Ziel ist es, immer mindestens 3 Wochen im Voraus zu planen – natürlich ohne Garantie auf dauerhafte Gültigkeit. Aktuelle Ereignisse, ein kranker Autor oder eine länger dauernde Recherche können zum Beispiel für Änderungen sorgen.

Alle Autoren beschäftigen sich fortwährend mit ihrem jeweiligen Fachgebiet Alle Autoren bei uns bringen einen fachlichen, wissenschaftlichen Hintergrund mit: vom Physiker zur Politikwissenschaftlerin. Statt in Ressorts arbeiten wir in inhaltlichen Schwerpunkten, um den Dialog zu einem Thema zu erleichtern. – so stoßen sie ständig auf Geschichten, die wir erzählen könnten, oder Fragen, denen wir hinterher recherchieren. Genau wie bei den Kollegen in anderen Redaktionen wird nicht aus jedem Thema auch ein Text. Schreiben ist ein kreativer Prozess, und so beginnt jeder Text bei der Idee: Die kommt vielleicht beim Sport, beim Lesen, beim Schauen einer Dokumentation, reift vielleicht seit langem im Kopf und wird durch ein aktuelles Ereignis freigesetzt, kommt einem Autoren allein oder in der Diskussion mit Kollegen oder anderen Menschen. Eins ist klar: Sie hat Relevanz und will aufs (digitale) Papier gebracht werden.

1. Der Pitch

Ist die Idee am Haken, muss sie ausgenommen werden. Die ausführlichere Vorrecherche beginnt. Hier geht es also um klassische journalistische Fragen wie: Mit wem will ich sprechen? An welche aktuellen Entwicklungen knüpft der Text an? Welche Kooperationen kann ich mir vorstellen? Vielleicht hat der Autor bereits eine Idee für Struktur, Form Dazu gehören neben gängigen Formaten wie dem Interview auch eigene wie unsere Mehr-Varianten-Funktion, bei der zwischen 2 oder mehreren Textvarianten gewählt werden kann. oder Bebilderung. Für viele Texte arbeiten wir zum Beispiel mit externen Illustratoren zusammen. Die benötigen mehr Zeit als eine einfache Bildrecherche.

Mit einer groben Struktur – dem Skelett – schafft es die Idee als Pitch in die wöchentliche Redaktionskonferenz. Die dauert in der Regel 90 Minuten und gibt Raum für 4 Pitches. Zusätzlich findet alle 2 Wochen eine Themenkonferenz statt, und wir haben ein Freitagsmeeting, bei dem auch interne Themen diskutiert werden. Sobald der Moderator des Tages dem Autor das Wort erteilt, muss dieser seine Idee in 5–10 Minuten der restlichen Redaktion unterbreiten. Dabei gilt es, den konstruktiven Ansatz, den »Unique Selling Point«, Der USP – oder das Alleinstellungsmerkmal – kann zum Beispiel eine neue Herangehensweise an ein bekanntes Thema oder die Verbindung von 2 Themen sein, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben. und die Relevanz der Idee zu verdeutlichen. Verständnisfragen seitens der Redaktion sind erlaubt.

Beim Pitch gilt es, alle Anderen von der eigenen Idee zu überzeugen. – Quelle: Perspective Daily

Es folgt der Moment der Wahrheit: Alle Anwesenden Also alle Autoren und Praktikanten. schließen die Augen Warum wir das »blind« machen, hat einen einfachen Grund: So lässt sich niemand durch die Hand eines Anderen beeinflussen. und stimmen per Handzeichen über den Vorschlag ab.

Ist die Geschichte angenommen, Wird sie abgelehnt, wird das Thema nicht unbedingt grundsätzlich abgelehnt, sondern kann zum Beispiel in einer Folgekonferenz mit neuem Ansatz nochmals gepitcht werden. muss der Autor auf kritische Nachfragen, Anregungen und Vorschläge der Redaktion eingehen. Wer etwas zum Thema weiß, jemanden kennt oder vom Text die Antwort auf eine wichtige Frage erwartet – das ist der Moment, all das loszuwerden. Nach 20 Minuten ist Schluss, 3 Textbetreuer (»Pate«, »Paten-Präsident« und »Präsident« – dazu später mehr) werden festgelegt.

2. Die Skelettphase

Mit einem Haufen Notizen und Anregungen geht der Text in Phase 2: die Skelettphase. Das passiert nicht unbedingt direkt nach dem Pitch, da jeder Autor neben der Arbeit an eigenen Artikeln parallel immer auch zahlreiche andere Dinge zu erledigen hat. Neben der Redaktion leiten wir auch ein Unternehmen. Alle Mitarbeiter und Autoren sind also oft auch Personaler, Öffentlichkeitsmitarbeiter, Betriebswirte, Social-Media-Manager und Hausmeister.

Das Ziel der Skelett-Phase ist es, eine Struktur für den Artikel zu erstellen. Hier findet auch die meiste Recherche statt: Interviews werden geführt, Quellen gelesen, Daten jongliert, Orte besucht. Hier geht es also um die Kernaufgaben unserer journalistischen Arbeit – sie dauert nicht nur Stunden, sondern Tage. Ist die Recherche weit fortgeschritten, ordnet der Autor die Ergebnisse in das Textskelett Dafür gibt es eine spezielle Dokumentvorlage, die alle wichtigen Zutaten und Formatierungen enthält. ein und sortiert fleißig aus: Es gibt in Stichpunkten Form und Struktur des späteren Artikels wieder.

Ist es fertig, landet es im digitalen Ordner und der Autor gibt seinem Paten und Paten-Präsidenten Der Paten-Präsident nimmt, wie der Name bereits vermuten lässt, eine Doppelrolle ein: Er begleitet den Text in der Paten- und Präsidialphase. Bescheid. Gemeinsam gehen die 3 die Anmerkungen durch. Diese Arbeitsweise ähnelt der wissenschaftlichen sehr und adaptiert unter anderem den »Peer-Review«-Prozess von wissenschaftlichen Studien, bei dem Wissenschaftler von außen eine für die Veröffentlichung aufgeschriebene Studie beurteilen und so häufig mehrere Schleifen durchlaufen werden. Der Unterschied: Die Wissenschaftler sitzen nicht gemeinsam an einem Tisch, sondern schicken ihr Feedback zu, meist anonym und koordiniert durch einen Editor des entsprechenden wissenschaftlichen Magazins. Das kann auch dazu führen, dass einzelne Bauteile rausfliegen oder den Platz wechseln, sodass am Ende ein stabiles Skelett steht.

3. Die Schreibphase

Jetzt setzt das Skelett Fleisch an – es geht ans Schreiben. Vom Skelett zum Text braucht es durchschnittlich 55 Stunden. Die erste Version des Textes wandert wieder in den entsprechenden digitalen Ordner und wird redigiert. Dafür sind Paten-Präsident und Präsident verantwortlich.

Während der Text bei den Präsidenten seziert wird, spricht der Autor spätestens jetzt mit dem verantwortlichen Designer die Bebilderung ab. Es geht rüber ins Büro mit großem Monitor, vollgekritzelter Tafel und leeren Mate-Flaschen. Ins Zuhause der Designer und Programmierer.

Spezielle Programmieraufgaben und aufwändige Grafiken sind zu diesem Zeitpunkt längst abgesprochen. Alles Weitere – vom möglichen Titelbild bis zur einfachen Infografik Hier geht es also um Fragen wie: Welche Fotosprache wählen wir? Welche Motive eignen sich? Welche Informationen können wir zum besseren Verständnis in Grafiken auslagern? Der Designer entwickelt die gemeinsamen Ideen dann weiter. – wird jetzt geklärt.

4. Die Präsidialphase

Haben die beiden Präsidenten den Text digital mit vielen Kommentaren und Umformulierungen versehen, landet er wieder in unserem digitalen Ordnersystem – und es geht in die nächste Besprechung zu dritt. Je nach Aufwand der Änderungen kann sich das, nachdem der Autor alles eingearbeitet hat, noch 1 oder 2 Mal wiederholen. Bei Gastautoren kann dies häufiger vorkommen: aktueller Rekord sind 14 Versionen eines Textes Bis sich das unbeschreiblich wohltuende Gefühl einstellt: Der Text hat Hand und Fuß, er ist fertig! Oder fast. Zeit für die Übergabe an unser Lektorat, um die letzten Fehler zu beseitigen.

5. Das Lektorat

In der Stille der Nacht korrigiert unsere Lektorin Als ausgewiesene Sprachpolizistin hat sie meist das letzte Wort. Hier haben wir allerdings ihre Korrektur »ausgesprochen attraktive Lektorin« in diesen Klapper ausgelagert :-) den Text. Das ist gerade bei den vielen PD-eigenen Schreibweisen, Zum Beispiel schreiben wir alle Zahlen als Ziffern und trennen Wörter ab 3 Nomen mit einem Bindestrich. Beides erhöht die Lesbarkeit. Quellenangaben und Zusatzinformationen, die zu diesem Zeitpunkt noch Fußnoten sind – nicht ganz einfach. Der geschliffene Beitrag landet im »Korrigiert«-Ordner und erwartet den Autor am nächsten Morgen.

Während der Text im Lektorat liegt, sprechen Autor und Designer letzte Details für die Grafiken ab: Wie werden die Daten beschriftet? Stimmen alle Zahlen?

6. Den Text »setzen«

Quelle: Perspective Daily

Nun sitzt der fertige Artikel in einem Textdokument, muss aber auf den Server von Perspective Daily, sodass er im Internet gelesen werden kann. Dafür muss der Text in die PD-eigene Programmiersprache übersetzt werden, unsere Syntax. Die Syntax beschreibt die Regeln, wie Text interpretiert wird, sodass er am Ende auf der Website wie gewünscht dargestellt wird. Dieser Klapper Quellenangaben an der Seite sind noch ein wenig komplizierter. zum Beispiel liest sich auf der »Rückseite« so: \ klapper{Dieser Klapper}{Quellenangaben an der Seite sind noch ein wenig komplizierter.}

Diesen Job übernehmen aktuell noch unsere Praktikanten Von Anfang an haben Praktikanten unser Team tatkräftig unterstützt, nicht nur in der Redaktion, sondern auch in allen anderen Bereichen. Mittlerweile haben wir immer mindestens 3 Praktikanten vor Ort. – soll aber in Zukunft automatisiert werden. Genau wie die Einspeisung des gesetzten Textes ins Backend. Im Backend werden alle Inhalte einer Website verwaltet, dabei hilft uns unser teilweise selbst programmiertes Content Management System (CMS). Das, was du siehst, wenn du die Website öffnest, ist das Frontend. Jetzt müssen im Text die Bilder arrangiert, Zitate positioniert und eine lange Checkliste durchgegangen werden.

Fehlen noch die Überschrift und der Vorspann – die Elemente, die mit dem Bild darüber entscheiden, ob ein Leser den Text anklickt. Der Autor schnappt sich mindestens 2 Kollegen und los geht’s. Das kann zwischen 2 Minuten und bis zu 1 Stunde dauern – Kreativität spielt dabei eine wichtige Rolle.

7. Veröffentlicht

Am Abend vor der Veröffentlichung überprüft unser Schlusslektor noch einmal den final gesetzten Text. Pünktlich um 4 Uhr morgens wird der Artikel für Frühaufsteher veröffentlicht.


Diese Abläufe sind in einem Jahr Perspective Daily gewachsen und entwickeln sich fortlaufend weiter. Vor allem deshalb sind wir heute nicht im Büro, sondern mit allen festen Mitarbeitern für knapp 2 Tage aufs Land gefahren. Um etwas Abstand zu gewinnen und uns zu fragen: Was läuft gut? Und was muss besser werden?
Aber keine Sorge: Am Montag steht wieder der nächste Artikel bereit.



PS: Wie viele Menschen an einem Text beteiligt sein können, zeigt dieser Artikel. An ihm haben mitgearbeitet: Felix Austen, Maren Urner, David Ehl, Han Langeslag, Robin Schüttert, Magdalena Banning, Henrike Holzinger, Johann Jakob Preuß, Maria Müller.

 

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