Unsere 5 guten Nachrichten der Woche
Dieses Mal dabei: Estland erlaubt Ehe für alle, Neuseeland verbietet Plastikbeutel für Obst und Gemüse und japanische Firma könnte den »Heiligen Gral« des E-Autos gefunden haben.
Nicht immer schaffen es die Themen, über die wir Woche für Woche stolpern, direkt in einen eigenen Artikel. Vorenthalten wollen wir euch diese Entwicklungen, Geschichten und Ereignisse aber auch nicht. Deshalb berichten wir hier sonntags kurz und knapp über 5 Themen, die uns als Redaktion beschäftigt haben.
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Estland ermöglicht Ehe für alle – als erstes postsowjetisches Land
von Katharina WiegmannIn Estland hat die Mehrheit des Parlaments für die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren gestimmt. 2024 soll das Gesetz in Kraft treten.
»Ich bin stolz auf mein Land. Wir bauen eine Gesellschaft auf, in der die Rechte aller respektiert werden und die Menschen frei lieben können«,
Eine eingetragene Lebenspartnerschaft für queere Paare ist in Estland bereits seit 2016 möglich, das neue Gesetz beseitigt alle rechtlichen Unterschiede, die noch zwischen Ehe und Lebenspartnerschaft bestanden. So können auch gleichgeschlechtliche Paare ab 2024 Kinder adoptieren. In der Bevölkerung gibt es Rückhalt für diesen Wandel – laut einer aktuellen Umfrage des Estnischen Zentrums für Menschenrechte unterstützen 53% der estnischen Bevölkerung heute die Ehe für alle. Im Jahr 2012 waren es nur 34%. Vor allem bei der russischsprachigen Minderheit hätten sich Einstellungen zu LGBT-Rechten verändert,
Mit dem neuen Gesetz ist Estland das erste postsowjetische Land, das die Ehe für alle möglich macht.
Die Politikwissenschaftlerin und Autorin Emilia Roig würde die Ehe am liebsten komplett abschaffen – der Zugang für gleichgeschlechtliche Paare verlange von ihnen, sich an konservative Rollen- und Familienbilder anzupassen. Was sie stattdessen vorschlägt, kannst du in diesem Interview nachlesen:
Bemalte Hintern schützen Rinder vor Löwenangriffen
von Maryline Boudot2016 kamen Wissenschaftler:innen um Neil Jordan von der New South Wales Universität in Sydney auf die außergewöhnliche Idee,
Jetzt wird die Methode
Löwen pirschen sich in der Regel von hinten an ihr Opfer heran und greifen erst an, wenn sie nah genug an diesem dran sind. Denn Löwen sind zwar schnell, doch durch ihren massigen Körper können sie nur kurze Strecken zurücklegen. Werden sie von ihrer auserwählten Beute entdeckt, lassen sie also meist von ihr ab. Die Augen auf dem Hinterteil der Kühe enttarnen die heranpirschenden Raubtiere somit scheinbar.
Neu ist die Methode nicht. So haben zahlreiche Schmetterlingsarten augenähnliche Muster auf ihren Flügeln,
Da Rinder anders als Falter nicht mit lebensechten Imitationen von Augen auf ihrem Fell gesegnet sind, muss die Farbe alle 3 Wochen erneuert werden. Doch die Strategie ist kostengünstig und bewahrt nicht nur die Kühe vor dem Tod, sondern auch die Löwen. Denn reißen diese eine Kuh, werden sie von den Menschen gejagt und selbst erschossen. So profitieren alle von den bemalten Rinderhintern.
Erlangen führt kostenlosen ÖPNV ein – als zweite deutsche Großstadt
von Henrike Haggeney»Einfach einsteigen«, heißt es ab Januar nächsten Jahres in allen Innenstadtbussen in Erlangen. Nach Augsburg wird Erlangen die zweite Großstadt in Deutschland, die ihren innerstädtischen Nahverkehr komplett kostenlos anbietet. Der Stadtrat stimmte kürzlich für ein 3-jähriges Pilotprojekt. Auch der lokale Verkehrsverbund (VGN) hat bereits seine Unterstützung signalisiert. Im Laufe des Monats Juli ist zudem mit der Zustimmung aller Vertragspartner des VGN zu rechnen. Die durch ausbleibende Ticketverkäufe fehlenden Einnahmen (geschätzte 300.000 Euro pro Jahr) werden von der Stadt ausgeglichen.
Deutschlands kleinste Großstadt (116.000 Einwohner:innen) arbeitet schon länger an einer sozial gerechteren und nachhaltigeren Mobilität. Bereits seit 2022 gibt es mit der »Kliniklinie« eine kostenlose Buslinie, die den Hauptbahnhof mit den Standorten der Universitätsklinik verbindet.
Europaweit wird kostenloser ÖPNV als sozial- und klimafreundlicher Beitrag zur Verkehrswende immer populärer:
In dieser Hinsicht scheint Erlangens Projekt vielversprechend: Denn zusätzlich
Neuseeland verbietet als erstes Land der Welt Plastikbeutel für Obst und Gemüse
von Leon HartmannNoch vor wenigen Jahren war es gang und gäbe, Obst und Gemüse aus der Frischeabteilung im Supermarkt in einzelne Plastiktüten zu stecken – Tomaten in den einen Beutel, Äpfel in einen anderen. Mittlerweile machen das Kund:innen in Deutschlands Supermärkten immer seltener. In Neuseeland hingegen ist das nun gar nicht mehr möglich.
Seit dem 1. Juli sind die Einweg-Plastikbeutel in den Obst- und Gemüseabteilungen vollständig verboten. Damit ist Neuseeland das erste Land der Welt, das diesen Schritt geht.
Es gibt Alternativen. Die Verwendung von wiederverwendbaren Einkaufstüten zum Beispiel ist ein Schritt, den wir alle unternehmen können, um die Menge an Plastik zu reduzieren.
Komplett wird Plastik aber nicht aus der Obst- und Gemüseabteilung verschwinden. So sind Vorverpackungen wie etwa von Salatköpfen oder Äpfeln explizit vom Verbot ausgeschlossen.
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Seit 2019 sind in Neuseeland bereits die robusteren Einkaufstüten verboten, die es im Supermarkt an der Kasse gab. Das neuseeländische Umweltministerium gibt an, dass dadurch in 4 Jahren rund eine Milliarde Plastiktüten weniger genutzt wurden. Mit dem neuen Verbot
Das Vorgehen ist Teil einer ganzen Welle an Verboten von Einwegplastik in Neuseeland: Ebenfalls verboten sind seit dem 1. Juli Besteck, Teller und Strohhalme aus Plastik sowie Plastikaufkleber auf Obst und Gemüse. Im Oktober 2022 hatte Neuseeland
Toyota findet den »Heiligen Gral« der E-Autos
von Felix AustenE-Autos haben in den letzten Jahren gewaltige Fortschritte gemacht: Auch dank der hohen Subventionen sind sie erschwinglicher geworden, viele Modelle fahren heute mit einer Batterieladung
Doch noch immer sind die Preise und die Reichweite die am häufigsten genannten Gründe für Kund:innen,
Die Fortschritte der letzten Jahre sind vor allem auf Verbesserungen der bewährten Lithium-Ionen-Akkus zurückzuführen, die auch in der Herstellung immer günstiger werden. Eine andere Batterietechnologie könnte das E-Auto bald sprunghaft auf das nächste Level heben und für noch mehr Menschen attraktiv machen: Der japanische Autobauer Toyota verkündete diese Woche einen Durchbruch bei der Festkörperbatterie. Laut einer Pressemitteilung habe der weltgrößte Autokonzern einen Weg gefunden, das Material für diese Festkörperbatterien deutlich günstiger herzustellen.
In Festkörperbatterien ist der Elektrolyt, also der Teil des Akkus, worin die Energie gespeichert ist, fest – anders als in Lithium-Ionen-Batterien, wo er als Flüssigkeit vorliegt. In die festen Alternativen passt nicht nur deutlich mehr Energie bei gleichzeitig niedrigerem Gewicht. Auch die Produktionskosten könnten deutlich fallen, vermeldete Toyota.
Schon ab 2025 will Toyota nun Elektroautos mit Festkörperbatterien verkaufen; sie sollen günstiger sein und zugleich deutlich höhere Reichweiten und ein niedrigeres Gewicht aufweisen als heutige E-Autos.
Redaktionelle Bearbeitung: Leon Hartmann
Titelbild: Foto: Neil Jordan/Taronga Western Plains Zoo/dpa - copyright