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Wie Macht auch dich zum Schurken macht

Kriminell, egoistisch und hemmungslos: Macht kehrt das Schlechte in uns heraus. Da hilft nur eines.

18. August 2017  9 Minuten

In den letzten 12 Monaten hat knapp jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland aus demselben Grund darüber nachgedacht, seinen Job zu kündigen: wegen des eigenen Chefs. Das zeigen die Ergebnisse des jährlichen Engagement Index (Paywall) der US-Beratung Gallup. Die Ergebnisse einer Umfrage mit 1.000 Deutschen der Unternehmensberatung Rochus Mummert zeigen, woran das liegt: Nur 37% der Arbeitnehmer finden ihren Chef fachlich geeignet und ca. jeder Dritte hält ihn für charakterlich qualifiziert. Denn: »Der versteht mich einfach nicht!« Es klafft eine Lücke zwischen Führungspersonal und Basis.

Und in der Politik? Hier untersucht Frederik v. Paepcke die »Baustelle Demokratie« »Die da oben hören schon lange nicht mehr zu und verstehen uns sowieso nicht!« Der oft gehörte Vorwurf gegenüber Regierungsvertretern macht vor keiner Ländergrenze halt. Er ist nicht nur an Parlamentarier gerichtet, sondern generell an alle Menschen, die Macht haben.

»Seltsamerweise musste ich sofort mit einem unguten Gefühl an Trump daran denken, wie gefährlich Macht in den falschen Händen ist und dass diese Macht mir Sorgen macht.«

Wie schnell wir in Gruppen denken, erklären Han Langeslag und ich hier Das Gefühl von »mir hier unten« und »denen da oben« ist allerdings Hier schreibt Dirk Walbrühl über das Potenzial von Universalübersetzern mehr als ein Problem der Kommunikation oder des unterschiedlichen Alltags. Es lässt sich auch nicht mit dem gern verschrienen »System« begründen, sondern mit etwas viel Banalerem: unserer Biologie.

Denn Macht verändert unser Gehirn und Verhalten ganz automatisch. Das Deutsche Übersetzung vom »Power Paradox«: Das Macht-Paradox – Wie wir Einfluss gewinnen – oder verlieren von Dacher Keltner (2016) »Macht-Paradox« ist am Werk: Wenn wir Macht bekommen, verlieren wir genau das gewisse Etwas, das uns zur Macht verholfen hat. Ja, auch dir würde es so ergehen oder es ist dir vielleicht sogar schon so ergangen. Nur wenn wir das erkennen und akzeptieren, können wir erfolgreich etwas dagegen tun. Und dafür brauchen wir die Anderen.

Macht: Die Energie der Gesellschaft

Aber was genau ist »Macht«?

Macht ist die Fähigkeit, andere Menschen zu beeinflussen; sie entsteht mit der Kontrolle über wertvolle Ressourcen und der Fähigkeit, zu belohnen und zu bestrafen.

Diese wissenschaftliche Definition von Macht Häufig wird Macht mit verwandten Konzepten wie Status, Kontrolle oder sozialer Klasse durcheinander gebracht. Status meint die Anerkennung, die andere Menschen einem innerhalb des sozialen Umfeldes entgegenbringen. Status und Macht treten häufig, aber nicht immer zusammen auf. Kontrolle beschreibt die Kapazität, die Ergebnisse des eigenen Lebens zu bestimmen. Auch wenn jemand die vollständige Kontrolle über sein Leben hat, bedeutet das nicht automatisch, dass er Macht hat. Der Einsiedler ist ein gutes Beispiel für einen solchen Fall. Die soziale Klasse wird durch eine Kombination aus (Familien-)Reichtum, Bildung und beruflichem Prestige bestimmt. Eine zweite Interpretation der sozialen Klasse ist die eigene Wahrnehmung derselben: hoch, mittel oder niedrig. Beide Interpretationen stehen für eine Form sozialer Macht. zeigt, dass wir ständig und überall von Machtfragen umgeben sind. Sie bestimmen jeden sozialen Austausch. Vom Säugling in der Gebärmutter, der ernährt werden will und um Ressourcen »kämpft«, zum Kleinkind, das lieber Schokolade statt Gemüse essen will, hin zur Partnerschaft und der Frage, wer das Abendprogramm bestimmt. Der britische Philosoph und Mathematiker Bertrand Russell Es ist schwierig, ihn mit nur 2 Bezeichnungen zu beschreiben. Bertrand Russell war auch Logiker, Historiker, Autor, Sozialkritiker, politischer Aktivist und Nobelpreisträger (Literatur). Letzterer wurde ihm im Jahr 1950 »in Anerkennung für seine vielfältigen und herausragenden Schriften, in denen er menschliche Ideale und Gedankenfreiheit verfechtet«, verliehen. Nachdem er beide Weltkriege durchlebt hatte, starb Bertrand Russell im Alter von 97 Jahren an einer Grippe. hat das bereits im Jahr 1938 mit einer Metapher auf den Punkt gebracht:

Übersetzung aus »Power: A New Social Analysis« (englisch, 1938) Das grundlegende Konzept der Sozialwissenschaften ist Macht. So wie das grundlegende Konzept der Physik Energie ist. […] Die Gesetze sozialer Dynamiken sind Gesetze, die nur mit Bezug auf Macht ausgedrückt werden können. – Bertrand Russell (1872–1970)

Bertrand Russell, hier 1938, gilt auch als einer der Begründer der analytischen Philosophie. – Quelle: Wikimedia Commons public domain

Ob wir also wollen oder nicht: Die Frage der Macht – wer hat hier gerade Einfluss auf wen? – schwingt immer mit, wenn mindestens 2 Menschen in Austausch treten. Das macht das Thema omnipräsent, aber auch schwer greifbar. Um die vielfältigen Sichtweisen auf Macht zu zeigen, habe ich meine Kollegen im Büro gefragt, welche Assoziationen der Begriff »Macht« in ihnen auslöst. Einige der Antworten habe ich als Zitate im Text eingebaut.

»Bei Macht muss ich direkt an ältere Männer denken, die diese unbedingt haben wollen.«

Um unser Verständnis von Macht zu verbessern, untersuchen Wissenschaftler wie der amerikanische Psychologieprofessor Dacher Keltner, Der Psychologe arbeitet neben seiner Tätigkeit als Wissenschaftler an der Universität Berkeley in Kalifornien auch als Berater für Unternehmen wie Facebook und bestätigt einen Wandel innerhalb der letzten 4–5 Jahrzehnte zu einem stärker kollaborativ orientierten Verständnis von Macht. Dacher Keltner ist außerdem einer der Gründer und Direktor des »Greater Good Science Center« (englisch) an der Universität Berkeley. wie Macht Menschen verändert. In den letzten 2 Jahrzehnten haben sie dabei so einiges herausgefunden.

Macht verändert Frau und Mann gleichermaßen. 2 prominente Leinwand-Beispiele sind die Chefredakteurin der Frauenzeitschrift Runway Miranda Priestly (gespielt von Meryl Streep) im Kinofilm »Der Teufel trägt Prada« (2006) und der Werbefachmann und Frauenheld Don Draper (gespielt von Jon Hamm) aus der TV-Serie »Mad Men« (2007–2015). – Quelle: Fig. 1 by University of California copyright

Beschwipst von der eigenen Macht

Dabei geht es nicht immer um das Verhalten von Firmenbossen, Präsidenten oder Diktatoren, sondern ganz allgemein um Menschen, die sich in alltäglichen Situationen entweder mächtig oder machtlos fühlen. Um Versuchsteilnehmer in eine dieser Gefühlslagen zu versetzen, hilft ein einfacher Trick: Sie müssen sich nur an eine Situation erinnern, in der sie sich entweder mächtig oder machtlos gefühlt haben. Diese sogenannte »Macht-Priming-Prozedur« wurde bereits erfolgreich bei zahlreichen Studien genutzt, um 2 experimentelle Gruppen zu erhalten: Eine mit Probanden, die sich mächtig fühlen, und eine mit Versuchsteilnehmern, die sich machtlos fühlen. Die entsprechende Erinnerung, die das jeweilige Gefühl auslöst, wird dabei zu Beginn aufgeschrieben. Das reicht aus, um das Gefühl wieder auszulösen, und verändert das eigene Verhalten.

»Mann, Gewalt, Unterdrückung, Herrschaft, Putin, König, Diktator.«

Wie also verändert Macht unser Verhalten? Ein Blick auf die Studienergebnisse offenbart die dunklen Seiten des menschlichen Charakters. Macht macht Menschen:

Summa summarum trifft diese Beschreibung ziemlich genau auch auf manische Psychopathen Dass Menschen in mächtigen Positionen in Unternehmen und klinisch diagnostizierte Psychopathen häufig Verhaltensweisen und Charaktereigenschaften teilen, ist eine gut belegte Erkenntnis und führt immer wieder zu Diskussionen zur Unternehmenskultur und Belohnungsmechanismen innerhalb dieser. Eine gute Übersicht über das Thema liefert die englische Wikipedia-Seite »Psychopathy in the Workplace«. oder Patienten mit bestimmten traumatischen Hirnverletzungen zu: Sie stellen ihre eigenen Interessen in den Mittelpunkt, verlassen sich ausschließlich auf die eigene Intuition und zeigen kein Mitgefühl. Auch die Ergebnisse Studie zu den Auswirkungen von Macht auf unser Gehirn (englisch, 2013) erster neurowissenschaftlicher Studien zeigen, dass die Unterschiede zwischen Machthabenden und Machtlosen im Gehirn messbar sind. Zum Beispiel durch eine veränderte Aktivität in Hirnarealen, die aktiv sind, wenn wir andere Menschen bei bestimmten Handlungen beobachten. Sie liefern die neurologische Basis des Macht-Paradoxes, das darin besteht, dass wir nach dem Erreichen einer Machtposition einige der Fähigkeiten verlieren, die uns zu ihr verholfen haben.

Wer bekommt Macht?

Es ist viel sicherer, gefürchtet als geliebt zu sein. – Niccolò Machiavelli (1469–1527), italienischer Diplomat und Philosoph

Der italienische Diplomat, Politiker und Philosoph Niccolò di Bernardo dei Machiavelli wird oft auch als Vater moderner Politikwissenschaften bezeichnet. – Quelle: Santi di Tito gemeinfrei

Denn auch wenn vielerorts die machiavellistische Idee Die politische Theorie geht auf das genannte Zitat aus dem Hauptwerk Machiavellis »Der Fürst« zurück und beruht darauf, dass zur Erlangung oder Erhaltung politischer Macht unabhängig von Recht und Moral jedes Mittel zulässig ist. vorherrscht, dass Macht vor allem etwas mit Angst, Einschüchterung und Unterwerfung zu tun habe, zeigen Langzeituntersuchungen erfolgreicher Machthaber ein anderes Bild. Menschen erhalten Macht, Wer Macht erhält, lässt sich bereits in unseren Vorfahren, die als Jäger und Sammler gelebt haben, untersuchen. Auch vor 200.000 Jahren spielten dabei soziale Kollektive eine wichtige Rolle. Wer fair war und sich großzügig zeigte, bekam Macht. wenn sie:

  • empathisch sind: Die besseren Zuhörer sind auch langfristig die erfolgreicheren Machthaber. Wer Fragen stellt und sich des Gegenübers annimmt, erhält nicht nur Macht, sondern Das zeigt beispielsweise diese Studie mit Basketball-Spielerinnen der Profiliga NBA (englisch, 2010) spornt auch »die da unten« zu höheren Leistungen an.

  • Werte vertreten: Studie zum Erfolg von US-Senatoren (englisch, 2016) Beim Vergleich von 151 US-Senatoren sind die tugendhaften erfolgreicher Gemessen an erledigten Aufgaben und damit verbundenen langfristigen, positiven gesellschaftlichen Veränderungen. als die, die sich besonders häufig danebenbenehmen und soziopathische Tendenzen an den Tag legen, indem sie zum Beispiel das Leid anderer ignorieren. Auch wenn es darum geht, neue Gesetze einzuführen, überzeugen die Reden derjenigen Senatoren stärker, die sich auf Werte wie Gerechtigkeit und Mitgefühl beziehen.

  • aufgeschlossen sind: Offenheit und Neugier für neue Ideen sorgen dafür, dass Menschen nach »oben« klettern.

»Ich denke, Liebe kann mächtig sein, weil sie Loyalität bedingt.«

Mit anderen Worten: Wer das öffentliche Wohl erweitert, erhält Macht. Das erscheint aus evolutionstheoretischer Sicht durchaus sinnvoll. Denn es ist die Aufgabe der Mächtigen, das Überleben und Wohl aller sicherzustellen. Auch das lässt sich wiederum auf neurologischer Ebene beobachten. Studie zu den positiven Auswirkungen auf unser Gehirn, wenn wir anderen helfen (englisch, 2016, Paywall) Unser Belohnungssystem im Gehirn ist aktiv, wenn wir anderen etwas Gutes tun.

Parallel untersuchen Wissenschaftler wie Dacher Keltner, welche Machthabenden langfristig »erfolgreich« sind und waren. Mit Blick auf das größte Vermächtnis führt dabei im Vergleich der amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln Der Jurist aus einfachem Hause war von März 1861 bis zum tödlichen Attentat auf ihn am 15. April 1865 der 16. US-Präsident. Seine Kritik an der Sklaverei ist zentraler Bestandteil der US-amerikanischen Geschichte. Buch zum Vermächtnis Abraham Lincolns (englisch, 2017) die Liste an. Thurlow Weed, amerikanischer Journalist und Politiker, Auszug aus dem Albany Evening Journal über Abraham Lincoln (englisch, 1860) beschreibt Lincolns Potenzial als Präsident folgendermaßen:

Sein Geist ist gleichzeitig philosophisch und pragmatisch. Er sieht jeden, der zu ihm kommt, hört alles, was man ihm zu sagen hat, spricht frei mit jedem, liest alles, was ihm geschrieben wird; aber denkt und handelt eigenständig und für sich selbst. – Thurlow Weed über Abraham Lincoln vor dessen Präsidentschaft

Aus dieser Einschätzung spricht vor allem eins: die Nähe zu den Menschen. Empathie.

Die Analysen zeigen auch: Die weniger kollaborativen Machthaber hinterlassen ein geringeres Vermächtnis oder sorgen dafür, dass im Nachgang Aufräumarbeiten stattfinden müssen, wie es bei der letzten Bush-Administration war und wahrscheinlich auch nach dem aktuellen US-Präsidenten der Fall sein wird. Gleiches gilt eine Ebene »tiefer« bei den untersuchten US-Senatoren.

Mit anderen Worten: Menschen wie Putin, Trump, Orban und Co. mögen hervorragend darin sein, kurzfristig Macht an sich zu reißen und auszuüben. Sie werden aber nicht in der Lage sein, die ihnen übertragenen Aufgaben zu erledigen Leider gibt es keine passende Übersetzung für das englische »to get shit done«, was hier eigentlich gemeint ist. und (nationale) Langzeitinteressen zu verfolgen. Hinzu kommt ein potenziell geschädigter Ruf auf internationalem Parkett.

Höchste Zeit also, die Machthabenden auf diese Erkenntnisse aufmerksam zu machen und jeden Bürger zu rekrutieren, um sie immer wieder dran zu erinnern.

So tricksen wir das Macht-Paradox aus

Macht korrumpiert, absolute Macht korrumpiert absolut. – Baron Acton, englischer Historiker und Publizist (1834–1902)

Der erste Baron Acton hieß eigentlich John Emerich Edward Dalberg-Acton und war ein englischer Historiker, Politiker und Autor. – Quelle: Allen & Co. public domain

Sämtliche Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Macht nicht immer verdirbt und korrumpiert. Die »Nebenwirkungen der Macht« wie die verringerte Fähigkeit, die Perspektive anderer einnehmen zu können, scheint keine bewusste Entscheidung zu sein, sondern automatisch zu passieren. Zum Teil geschieht das aus nachvollziehbaren Effizienzgründen; wir sind besser in der Lage, nebensächliche Informationen auszublenden. Das ist in vielerlei Hinsicht auch sinnvoll, denn der Bundestagsabgeordnete kann natürlich nicht mit jedem Bürger jeden Tag persönlich sprechen und der Chef, der 100 Mitarbeiter hat, sich um jedes Missverständnis kümmern. Die Gefahr besteht darin, den Moment zu verpassen, wenn aus gesteigerter Effizienz Gleichgültigkeit und Arroganz werden. Ein großer Teil der dunklen Kapitel in den Geschichtsbüchern handelt Die Kirche, der Holocaust und militärische Ausschreitungen liefern hinreichende Beispiele. schließlich von missbrauchter Macht und es gibt Individuen, die besonders anfällig dafür sind.

Klar ist aber mittlerweile auch, dass Macht zunächst ein mentaler Zustand ist, in den sich jeder über eine einfache Manipulation versetzen lässt und der dann die entsprechenden Nebenwirkungen zeigt. Sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld kommen wir in Situationen, in denen wir Macht haben. Mit 3 Übungen können wir beginnen, uns dem Macht-Paradox zu entziehen:

  1. Paradox bewusstmachen: Der Begriff »Bewusstsein« ist in den Neurowissenschaften ein viel diskutierter Begriff und zentraler Forschungsgegenstand zugleich. Leider wird er im Alltag häufig ein wenig fahrlässig genutzt. Hier ist vor allem die Fähigkeit der Selbstreflektion gemeint, die mittlerweile auch im Deutschen häufig als »Mindfulness« bezeichnet wird. Auch wenn wir nicht verhindern können, was Macht mit unserem Gehirn macht, können wir uns bewusst dagegen entscheiden, uns mächtig zu fühlen – und so das Macht-Paradox durchbrechen. Gerade weil das manische Gefühl, unbesiegbar zu sein, Hier schreibe ich, warum fast alles, was wir über Abhängigkeit zu wissen glauben, falsch ist abhängig machen kann, besteht der erste Schritt darin, sich dieses Gefühls bewusst zu werden. Oft unterschätzen Menschen ihre Macht und den Einfluss, den sie auf andere haben. Wer sich gerade als »Master of the Universe« fühlt, kann sich sicher sein, dass es an der Zeit ist, einen Schritt zurückzutreten.

  2. Empathie trainieren: Empathisches Zuhören lässt sich trainieren. Wer aktiv zuhört, Rückfragen stellt und Anerkennung zeigt, wird schnell feststellen, dass sich Gesprächspartner anders verhalten, als wenn das Gespräch beiläufig und rüpelhaft geführt wird. Vorgesetzte, die empathisch mit ihren Mitarbeitern kommunizieren, können sich an einem weniger gestressten, innovativeren und seltener kranken Team erfreuen.

  3. Dankbarkeit zeigen: Wer dankbar für seine Rolle – und die damit verbundene Macht – ist und den Menschen um sich herum respektvoll begegnet, bleibt diesen stärker verbunden. Ein einfaches »Dankeschön!« des Vorgesetzten steigert die Produktivität der Mitarbeiter. Anerkennung sorgt nicht nur für mehr Sicherheit beim Gegenüber, sondern auch für innovativeres Verhalten.

Wollen wir das Macht-Paradox durchbrechen, müssen wir also die positiven Fähigkeiten, die die Macht uns entzieht, erhalten oder wiederherstellen. Um »die da oben« dabei zu unterstützen, müssen wir sie daran erinnern, was es bedeutet, empathisch und dankbar zu sein. Erfolgreiche Mächtige zeigen, wie das aussehen kann: Winston Churchill hatte dafür beispielsweise seine Frau Clementine. Sie schrieb ihm: Auszug aus den Briefen der Churchills (englisch, 1940) »Mein Schatz Winston, ich muss zugeben, dass ich eine Verschlechterung in deinem Benehmen festgestellt habe, und du bist nicht so liebenswürdig, wie du zuvor warst.« Indra Nooyi, CEO von Pepsi, bekommt dabei Hilfe von ihrer Mutter, die sie »erdet«. Am Tag der Berufung in den Aufsichtsrat schickte sie ihre mächtige Tochter zunächst zum Milchholen und The Atlantic erwähnt hier die Geschichte von Indra Nooyi und ihrer Mutter (englisch, 2017) empfing sie daraufhin mit den Worten: »Lass deine verdammte Krone in der Garage!«

Mehr davon? Dieser Text ist Teil unserer Reihe zum Kritischen Denken!

Mit Illustrationen von Robin Schüttert für Perspective Daily

von Maren Urner 

Maren hat in Neurowissenschaften promoviert, weil sie unser Denkapparat so fasziniert. Die schlechte Nachricht: Wir sind weit davon entfernt, unser Gehirn zu verstehen. Die gute Nachricht: Unser Gehirn ist veränderbar, und zwar ein Leben lang. Wahrnehmungen, Gewohnheiten und Entscheidungen sind also offen für unsere (Lern)-Erfahrungen. Und damit auch für die Erkenntnis: Ich habe mich getäuscht!

Themen:  Arbeit   Gesellschaft   Psychologie  

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