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Interview 

Ist die »Klima-Kanzlerin« nicht grün genug, Herr Hofreiter?

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen spricht über Laborfleisch, die Öko-Bilanz der Kanzlerin – und die ersten 3 Taten, die er als Agrarminister durchsetzen würde.

15. September 2017  10 Minuten

Pünktlich auf die Minute klingelt das Telefon: »Ja, guten Tag, hier ist Toni Hofreiter, ich sollte jetzt anrufen.« Der Fraktionsvorsitzende der Grünen ist gerade in Bayern unterwegs, wo er am 24. September gewählt werden möchte: Dass er die CSU-Dominanz in seinem Wahlkreis München-Land brechen könnte, ist kaum zu erwarten, aber mit Platz 2 Hinter Claudia Roth. auf der Hier die komplette Landesliste der Grünen in Bayern Landesliste kann der 47-jährige Biologe mit seinem Wiedereinzug in den Bundestag rechnen.

Im Gespräch redet Hofreiter nicht lange um den heißen Brei herum, sondern peilt zielstrebig seine Kernthemen an: Landwirtschafts- und Verkehrswende. Was essen wir morgen? Wo kommt in Zukunft unser Schnitzel her? Und wie kommen wir zum Supermarkt? Fragen, auf die Hofreiter völlig andere Antworten findet als Angela Merkel. Und dass er von Merkel nicht besonders viel hält, wird spätestens klar, wenn er sogar CSU-Ikone Franz Josef Strauß attestiert, ehrlicher zu sein als die Bundeskanzlerin.

Fleisch kommt nicht aus dem Silicon Valley

Wer eine wirklich grüne Partei will, der sollte den Grünen in dieser Wahl einen Denkzettel verpassen und die Partei im Anschluss von innen neu aufbauen helfen – mit diesem Rat ist derzeit der Philosoph Richard David Precht unterwegs. Was antworten Sie ihm?
Anton Hofreiter: Dass er offensichtlich nur sehr geringe Informationen darüber hat, was wir machen, was wir vorhaben und wie Politik funktioniert. Das ist der klassische Denkfehler: Wenn jemand etwas nicht radikal von heute auf morgen durchsetzt, ist das schlecht. Aber so funktioniert die Welt nicht – und so hat sie noch nie funktioniert.