So kann das Baltikum verhindern, die zweite Krim zu werden

Knapp eine Million Russen leben in Estland, Lettland und Litauen. Viele ohne Pass und kaum integriert. Dass sich das ändert, liegt im Interesse ganz Europas.

7. Dezember 2017  9 Minuten

Estland, Lettland und Litauen haben die Seiten gewechselt: Bis 1990 Teil der Sowjetunion, gehören die Staaten heute zur EU und zur NATO. Aber seit der Krim-Annexion geht die Angst um, dass Russland wieder nach ihnen greifen könnte.

Denn wie auf der Krim gibt es auch in den ehemaligen Sowjetrepubliken Estland, Lettland und Litauen Minderheiten, die als Vorwand einer russischen Invasion dienen könnten. Um solche Pläne Russlands bereits im Keim zu ersticken, entsendet die NATO nun rund 1.000 Soldaten in die 3 baltischen Bündnisstaaten, darunter auch 500 deutsche Soldaten, die in Die Bundeszentrale der politischen Bildung über die »Enhanced Forward Presence« der NATO im Baltikum und Polen Litauen stationiert sind.

Selbstverständlich könnte solch bescheidende Präsenz eine Attacke der übermächtigen Russen nicht verhindern – sie ist eher symbolisch gemeint. Dennoch, oder gerade deshalb, hat die NATO-Präsenz an der »Ostflanke« die Beziehung zwischen Russland und dem Westen belastet.

Bewaffnete Muskelspiele Alle 4 Jahre hält Russland in seinem westlichen Militärbezirk – »Sapad« bedeutet Westen – ein großes Militärmanöver ab. »Sapad 2017« löste große Unruhe bei westlichen Beobachtern aus, da Russland das vorherige »Sapad«-Manöver im Jahr 2013 als Vorübung für die Annexion der Krim genutzt hatte. Kontroverse gab es um die Größe der beteiligten Truppen. Russland gab an, 12.700 Soldaten an der Übung teilnehmen zu lassen, wobei nach internationalem Recht ab 13.000 Teilnehmenden externe Beobachter der OSZE zugelassen werden müssen. Auch nach dem Manöver gibt es noch Unsicherheit über das tatsächliche Ausmaß der Übung. Laut NATO beteiligten sich »mehrere 10.000«. werden im Baltikum nicht viel ausrichten können. Allerdings können sich die 3 EU-Staaten mit ganz anderen Mitteln vor dem großen östlichen Nachbarn schützen: Indem sie den russischen Minderheiten im Baltikum dabei helfen, Wurzeln zu schlagen und zu vollwertigen Esten, Letten und Litauern zu werden.

Titelbild: wikicommons / kremlin.ru - CC BY-SA

von Veronika Prokhorova 

Veronika Prokhorova arbeitet als freie Journalistin unter anderem für Snob.ru. Früher schrieb sie für Deutsche Welle Russisch und Russkaja Germania. Geboren wurde Veronika in der Nähe von Sankt Petersburg, wo sie Internationale Journalistik studierte. Vor Kurzem hat sie an der TU Dortmund ihren Journalismus-Master mit dem Schwerpunkt Terrorismusforschung abgeschlossen.

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