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Konfrontation und vielleicht ein paar Pillen: Was hilft gegen Angst?

Kannst du dir ein Leben ohne Angst vorstellen? Es gibt sie, die furchtlose Frau – weil ihr Gehirn keine Angst kennt. Was können wir von unserer Neurobiologie über Furcht und Angst lernen?

11. August 2016  13 Minuten

Sie ist auf dem Weg nach Hause. Im Park fordert ein Mann sie auf, sich neben ihn zu setzen. Als sie Platz nimmt, zückt er ein Messer und hält es ihr an die Kehle. Ihr Puls bleibt ruhig, ihre Gesichtszüge entspannt. Hat sie keine Angst?

»Ich hatte keine Angst. Warum auch immer, ließ er mich laufen. Und ich ging nach Hause.«Sie sagt, sie habe Angst vor Schlangen und Spinnen. In der Zoohandlung drängt sie aber darauf, eine giftige Tarantel anzufassen – und muss daran gehindert werden, mit hochgefährlichen Schlangen zu spielen.

Die Rede ist nicht etwa von einer Action-Heldin, sondern von einer gewöhnlichen Frau, die nur eine Sache von uns unterscheidet: Sie hat keine Angst. Weder vor Spinnen noch vor bewaffneten, fremden Männern. Nicht, weil sie besonders mutig ist, sondern weil sie an einer sehr seltenen Krankheit leidet. Dazu später mehr. Seit mehr als 20 Jahren wird die Frau von Wissenschaftlern erforscht. Die Ergebnisse haben unser Verständnis von Angst maßgeblich beeinflusst. Nur danken können wir ihr nicht, da sie der Welt nur als S.M. bekannt ist. Zu ihrem eigenen Schutz muss sie anonym bleiben. Die hier verwendeten orangenen Zitate stammen aus einem Interview aus einer Radiosendung beim National Public Radio. In der Aufnahme hat der Wissenschaftler Daniel Tranel S.M. vorab interviewt, da kein Journalist S.M. interviewen darf, geschweige denn ihren richtigen Namen kennt. Die vollständige Radiosendung kann hier nachgehört und nachgelesen werden.

Mit Illustrationen von Ronja Schweer für Perspective Daily

von Maren Urner 

Maren hat in Neurowissenschaften promoviert, weil sie unser Denkapparat so fasziniert. Die schlechte Nachricht: Wir sind weit davon entfernt, unser Gehirn zu verstehen. Die gute Nachricht: Unser Gehirn ist veränderbar, und zwar ein Leben lang. Wahrnehmungen, Gewohnheiten und Entscheidungen sind also offen für unsere (Lern)-Erfahrungen. Und damit auch für die Erkenntnis: Ich habe mich getäuscht!

Themen:  Psychologie   Gesundheit  

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