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So nutzt du deine innere Uhr, um fitter, gesünder und zufriedener zu werden!

Warum wir aufhören dürfen, uns für unsere Müdigkeit zu schämen. Der erste Schritt: Finde jetzt deinen Schlaftypen heraus!

15. Mai 2018  8 Minuten

»Schaue mal, der nickt gleich ein – wie unverschämt!«

Hand aufs Herz – wie oft hast du dich schon über einen müden Kollegen oder gähnenden Mitmenschen empört? Oder vielleicht sogar geschämt, weil du deine Augen bei einer wichtigen Besprechung selbst kaum noch offen halten konntest? Verglichen damit wirken die beiden folgenden Aussagen eher befremdlich: »Wie respektlos, dass er Plattfüße hat!«, »Was glaubt sie, wer sie ist, mit ihren braunen Augen!«

Uns wird eingetrichtert, dass Müdigkeit selbst verschuldet ist.

Dabei ist unser natürliches Schlafverhalten genauso biologisch bestimmt wie die Form unserer Füße oder unsere Augenfarbe. Mal abgesehen von Faktoren wie schlafraubendem Nachwuchs. Das Problem dabei ist: Unsere biologischen Eigenschaften lassen sich kaum verbiegen. Wer leicht friert, zieht sich eine zusätzliche Schicht Kleidung an, bleibt aber jemand, der leicht friert.

Genauso verhält es sich mit unserem Schlafbedürfnis: Wir können nicht an der inneren Uhr drehen – weder an der eigenen noch an der anderer. Stattdessen können wir sie aber für uns nutzen und so effizienter, motivierter und gesünder arbeiten und leben.

Dafür musst du nur eins herausfinden: deinen Chronotypen.

Unsere innere Uhr sitzt in jedem Organ und in jeder Zelle. – Quelle: Samuel Zeller CC0

Welcher Chronotyp bist du?

Hinter dem sperrigen Begriff des Chronotypen verbirgt sich dein über den Tag verteiltes Schlafbedürfnis, also dein Rhythmus von Wachheit und Müdigkeit. Übrigens folgen alle Körperfunktionen dem durch den Chronotypen vorgegebenen zeitlichen Rhythmus, zum Beispiel wird so auch deine Verdauung gesteuert. Grob unterscheiden Biologen dabei zwischen Spättypen und Frühtypen – oder »Eulen« und »Lerchen«:

  • Der Spättyp (»Eule«) ist später am Tag fit und wird erst spät abends oder nachts müde. Er kann zwar trainieren, früh aufzustehen, wenn Familie und Job es verlangen, bleibt aber eine »Eule«.
  • Der Frühtyp (»Lerche«) geht früh ins Bett und ist bereits früh morgens putzmunter. Auch ein Frühtyp kann ab und zu die Nacht zum Tag machen, bleibt aber eine »Lerche«.

Die meisten Menschen liegen irgendwo zwischen den beiden Extremen und sind dann zum Beispiel ein »moderater Spättyp«. Es gibt aber auch sehr frühe und sehr späte Chronotypen, also sehr ausgeprägte »Lerchen« und »Eulen«. Übrigens gehen die meisten Deutschen bevorzugt nach Mitternacht ins Bett Chronotypen werden in Richtung der Pole etwas später. In höheren Breitengraden leben mehr Spättypen. Hier (2017) erfährst du Hintergründe über diesen Zusammenhang. und haben ihr Hier findest du die Leistungskurve im Verlauf eines Tages erstes Leistungshoch erst vormittags gegen 10–11 Uhr.

Titelbild: Tirachard Kumtan -

von Katharina Lüth 

Katharina Lüth studiert Cognitive Science (Kognitionswissenschaften) in Osnabrück und forscht zum Thema Schlaf und Traum. Von Mai bis August 2017 hat sie die Redaktion von Perspective Daily als Praktikantin unterstützt. Seither schreibt sie bei uns als Gastautorin über Schlaf und Schlafprobleme in unserer Gesellschaft.


von Maren Urner 

Maren hat in Neurowissenschaften promoviert, weil sie unser Denkapparat so fasziniert. Die schlechte Nachricht: Wir sind weit davon entfernt, unser Gehirn zu verstehen. Die gute Nachricht: Unser Gehirn ist veränderbar, und zwar ein Leben lang. Wahrnehmungen, Gewohnheiten und Entscheidungen sind also offen für unsere (Lern)-Erfahrungen. Und damit auch für die Erkenntnis: Ich habe mich getäuscht!

Themen:  Gesundheit   Gerechtigkeit   Arbeit  

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