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Konzerne haben das Internet zum Wilden Westen gemacht. Jetzt schickt die EU den Sheriff

Nach Jahren des Goldrauschs sollen die Nuggets bald fair aufgeteilt werden.

11. Juli 2018  7 Minuten

Man muss nur mal »Motorradtour USA« bei Google eingeben, um einen Eindruck von der grenzenlosen amerikanischen Freiheit zu gewinnen: endlose Landstraßen, gesäumt von Kakteen oder den pittoresken Felsen des Monument Valley, und auf jedem Foto schwere Motorräder auf ihrem Weg zum Horizont.

Da kann den Biker schon mal das Fernweh packen – wie gut, dass die Suchergebnisse direkt zu Reiseveranstaltern führen, die einem sofort in den Sattel helfen. 6 der 16 Suchergebnisse auf der ersten Seite Da Suchergebnisse bei Google häufig personalisiert sind, kann die Trefferliste bei dir anders aussehen. In meinem Fall waren die obersten 4 sowie die untersten beiden Links auf der Seite bezahlte Links. sind mit dem Wort »Anzeige« markiert. Das heißt, auch wenn eine Bikerin am Ende gar keine Reise bucht, schickt sie schon mit dem Klick auf die Anzeige ein bisschen Geld in die USA.

Bei Google Ads werden zwischen onmedia-Werbeagentur über die Kosten für Google AdWords (2017) 40 Cent und 2 Euro pro Klick fällig. Um in der Facebook-Timeline Dass Dirk Walbrühl Facebook den Rücken gekehrt hat, hängt auch mit Anzeigen zusammen, die nur bestimmten Nutzern gezeigt werden bestimmter User aufzutauchen, zahlt ein Inserent im Schnitt 1 Euro pro Klick, manchmal liegen die Kosten aber nur bei Blog-Artikel über die Werbepreise bei Facebook (2017) ein paar Cents.

650 Millionen Suchanfragen täglich Peanuts also, die sich bei EU-Pressemitteilung zu Digitalsteuern inklusive der Aufstellung, wie intensiv EU-Bürger das Internet jeden Tag nutzen (englisch, 2018) 650 Millionen Suchanfragen aus der EU täglich jedoch summieren – und die Google, Facebook und Co. fast komplett als Gewinn verbuchen können. Im Internet verdiente die Werbebranche in der EU im Jahr 2015 gut 33,3 Milliarden Euro – erstmals mehr als im Fernsehen Bericht der EU-Kommission zu Online-Werbung (englisch, 2016, PDF) (30,7 Milliarden Euro). Dieser Kuchen wächst schnell, in diesem Jahr soll allein mit den 15 ertragreichsten Ländern die Schätzung des Statista Digital Market Outlook zu den Online-Werbeerlösen in ausgewählten EU-Ländern (englisch, 2018) 40-Milliarden-Marke geknackt werden, – und der Löwenanteil kommt ausgerechnet auf die Teller der großen Digitalkonzerne aus den USA.


Quellen: EU-Kommission/InternetLiveStats.com

Und ja, richtig, der Präsident eben dieser Vereinigten Staaten beklagt gerade, dass die Europäer 130 Milliarden Euro weniger in den USA ausgeben als umgekehrt. Donald Trump hat deswegen einen regelrechten Handelskrieg ausgerufen, weil er glaubt (oder zumindest verspricht), so die Jobs der heimischen Stahlarbeiter bewahren zu können. Doch ihr Schwert ist stumpf gegen eine Waffe, die Europa schmieden könnte: die Digitalsteuer.

Titelbild: - CC0

von David Ehl 

Wenn Zugvögel im Schwarm fliegen, beeinflusst jedes einzelne Tier die Richtung aller - das hat David bei einer Recherche gelernt. Sonst berichtet er eher über Menschen, stellt sich dabei aber eine ganz ähnliche Frage: Welche Rolle spielt der einzelne Wähler und Verbraucher, welchen Einfluss hat jeder von uns auf die Gesellschaft? David recherchiert gerne unterwegs, studiert hat er Musikmanagement, Englisch und Journalismus.

Themen:  USA   Internet   EU-Politik  

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