Weniger arbeiten will doch jeder. Bekommen wir schon bald die Chance dazu?

Immer mehr Menschen hinterfragen die 40-Stunden-Woche – nicht nur in hippen Start-ups. Um mit weniger Arbeit trotzdem erfolgreich zu sein, kommt es vor allem auf eine Sache an.

4. Dezember 2018  9 Minuten

Vor einem Jahr machte Lasse Rheingans seinen Mitarbeitern einen ungewöhnlichen Vorschlag. Der Chef einer Bielefelder Digitalagentur wollte die 25-Stunden-Woche einführen. Arbeitszeit: 8–13 Uhr, ohne Mittagspause. Lasse Rheingans erklärte seinem 13-köpfigen Team, dass er dafür keine Erreichbarkeitsregeln nach Feierabend einführen würde, keine Gehälter kürzen und auch keine Urlaubstage streichen würde. Denn er teilt die Überzeugung seines Vorbildes, des US-amerikanischen Firmengründers Stephan Aarstol: Der US-Amerikaner Stephan Aarstol ist Gründer des Start-up-Unternehmens Tower Paddle Boards. Im Jahr 2015 führte er in seiner Firma den 5-Stunden-Arbeitstag ein. Sein Buch darüber, The Five-Hour Workday: Live Differently, Unlock Productivity, and Find Happiness, überzeugte Lasse Rheingans, das Modell ebenfalls zu testen. »Wenn wir nur auf das Ergebnis schauen, dann müssten die Stunden egal sein.«

Die Mitarbeiter ließen sich auf den Versuch ein. Und die Agentur wurde so über Nacht zum Pionier in Deutschland.

Lasse Rheingans hat in seiner Firma den 5-Stunden-Arbeitstag eingeführt. – Quelle: Margarete Klenner copyright

In den folgenden Wochen erlebte der jetzt 38-Jährige einen ungeahnten Medienansturm. Alle wollten sie über sein radikales Zeitmodell berichten und mit ihm sprechen. Sogar Wissenschaftler wollten sein »Experiment« begleiten. Das Spektakuläre an seinem 60%- Arbeitszeitmodell: Es funktionierte ausgezeichnet. Genau genommen sind es 62,5%, wenn 40 Stunden einer 100%-Stelle entsprechen.

Klar ist auch: Spätestens seit dem Riesenerfolg des Bestsellers Die 4-Stunden-Woche des US-amerikanischen Gründers Timothy Timothy Ferriss: Die 4-Stunden-Woche Ferriss, ist das Thema verkürzte Arbeitszeiten in aller Munde und irgendwie angesagt. IW-Studie über Produktivität und Vertrauenskultur (2018) Regelmäßig erscheinen neue Studien, die die überdurchschnittliche Produktivität von Teilzeitkräften zu belegen scheinen.

Titelbild: Alex Blajan - CC0

von Stefan Boes 

Kennst du auch das Gefühl, 1.000 Dinge tun zu wollen – oder zu müssen? Wie nutzt du die Zeit, die du hast? Stefan geht aus soziologischer Perspektive der Frage nach, wie eine neue Zeitkultur aussehen kann – und wie wir Zeit gestalten können, ohne immer nur hinterherzurennen. Dazu gehört auch die Frage, wie die Vereinbarkeit von Arbeit, Familie und Privatleben gelingen kann.

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