Fish’n’Ketchup

Wie ernähren wir die 9 Milliarden Menschen, die im Jahr 2050 auf der Erde leben? Mit Aquaponik. Der Berliner Zoologe Werner Kloas entwickelt schon heute das Essen von morgen.

15. September 2016  13 Minuten

Die Luft in dem Gewächshaus am Berliner Müggelsee riecht feucht und etwas modrig, die Innentemperatur beträgt knapp 26 Grad Celsius. Pumpen brummen, Wasser plätschert, Tomatenstauden ringeln sich in luftige Höhen. Dazwischen tummeln sich goldrote Fischschwärme in gewaltigen schwarzen Plastikfässern. Es sind Tilapien aus der Familie der Buntbarsche, zappelige Dinger, die jedem, der seine Nase zu neugierig in ihre Becken steckt, eine Dusche verpassen.

Werner Kloas ist einer der Erschaffer dieses Tomaten-Barsch-Hauses. Website des IGB Am Leibniz-Institut für Binnenfischerei und Gewässerökologie (IGB) leitet der Zoologe die Abteilung Ökophysiologie und Aquakultur. Aquakultur beschreibt die Zucht von Fischen in künstlichen Teichen oder abgegrenzten Bereichen in natürlichen Gewässern wie Seen oder im Meer. Auch Meeresfrüchte wie Muscheln, Krebse und Algen werden in Aquakultur gezüchtet. Ihn treibt eine große Frage um: Wie lassen sich im Jahr 2050 mehr als 9 Milliarden Menschen ausreichend und ausgewogen ernähren – und zwar ohne die häufigen Probleme der konventionellen Landwirtschaft Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Bei der Rodung von Wäldern für die landwirtschaftliche Nutzung wird sehr viel CO2 freigesetzt. Ohne das stützende Wurzelwerk der Bäume spült der nächste Starkregen viele Nährstoffe aus dem Boden, auch Erdrutsche und Überschwemmungen treten auf. Die massenhafte Viehhaltung setzt große Mengen Treibhausgase frei, der als Dünger auf den Feldern verteilte Viehdung wiederum belastet die Grundwässer. Viele gezüchtete Arten sind anfällig für Schädlinge, die mit Pestiziden bekämpft werden – welche aber auch Menschen und anderen Tieren schaden.

Titelbild: Josua Piorr - copyright

von Roy Fabian 

Roy Fabian hat Nachhaltigkeitsjournalismus in Lüneburg studiert. Am liebsten schreibt er über Artenschutz, Ernährung, Outdoor und Rock'n'Roll.

Themen:  Essen   Konsum  

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