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Interview 

Kalte Deutsche, laute Araber

Ein Araber fragt uns nach dem Weg. Wir sagen: »Tut mir leid, kenne ich nicht«, und drehen uns um. Für ihn ist es ein Affront. Wie kann das sein? Ein Interview mit Gabi Kratochwil über die kulturellen Unterschiede der Körpersprache.

19. September 2016  8 Minuten

Jemand Fremdes spricht uns an. Schnell müssen wir die Situation bewerten: Erscheint er uns freundlich? Ist er aufrichtig? Das ist Diese Studie der Oxford Universität zeigt, wie Körpersprache unsere Einschätzung prägt (englisch, 1971) gar nicht so einfach.

In einer solchen Situation verlassen wir uns stark auf nonverbale Zeichen und kommunizieren (auch) mit unseren Händen, unserer Haltung und den Gesichtsmuskeln, mit einem Lächeln oder Stirnrunzeln – das Schlüsselwort: Körpersprache.

Ein Problem dabei: Unterschiedliche Kulturen haben hier eigene Codes und die führen mitunter zu Missverständnissen. Vor 2 Monaten haben wir gefragt: In diesem Text erklärt Bernhard Eickenberg, wie wir unsere Kommunikation mit anderen Kulturen verbessern können »Sprechen Sie Körper«? Nun wollten wir von einer »Körpersprecherin« mehr über die Körpersprachen fremder Länder wissen. Gabi Kratochwil ist promovierte Islamwissenschaftlerin und berät deutsche Unternehmen, Institutionen und Verbände bei Geschäftsbeziehungen mit arabischen Ländern.

Wann ist Ihnen zum ersten Mal klargeworden, wie unterschiedlich Körpersprache im interkulturellen Kontext sein kann?
Gabi Kratochwil: Ich habe Orientalistik an der Uni Bonn studiert und bin 1989/90 im Rahmen eines Auslandsjahrs nach Ägypten gefahren. Dieses laute Durcheinanderreden, dieses sehr Emotionale, sehr Gestenreiche, das ist mir damals direkt aufgefallen. Auch waren im gleichgeschlechtlichen Kontext – also Frau-Frau, Mann-Mann – die Körperdistanzen zueinander deutlich näher. Man rückt sich sprichwörtlich auf die Pelle. Ich fand das … am Anfang zunächst gewöhnungsbedürftig.