PD Daily 

3 Gründe, warum Arbeitskräfte gesucht werden, auch wenn die Wirtschaft schwächelt

Auch in Zukunft müssen Arbeitnehmer nicht um ihre Jobs bangen – wie aktuelle Erkenntnisse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigen.

28. Mai 2019  2 Minuten

Vor knapp einem Jahr drangen die ersten besorgten Meldungen durch: Das Wirtschaftswachstum verlangsame sich in Deutschland. Im vorletzten Quartal 2018 ging es sogar leicht ins Tagesschau-Meldung zur wirtschaftlichen Entwicklung (2018) Minus – normalerweise kein gutes Omen für die Arbeitswelt. Doch die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften fiel nicht, ganz im Gegenteil, vom Arbeitsmarkt kamen beständig gute Übersicht der monatlichen Arbeitsmarktmeldungen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales Nachrichten.

Diskussions-Papier des IAB (englisch, 2019, PDF) Ein aktuelles Diskussionspapier des Instituts für Arbeitsmarkts- und Berufsforschung (IAB) erklärt, woher das vermeintliche Beschäftigungswunder der vergangenen Jahre kam und warum Arbeitnehmer auch in Zukunft nicht um ihren Job bangen müssen, selbst wenn die Wirtschaft zwischenzeitlich einmal schwächelt.

Hier findest du das IAB-Papier in einer deutschen Kurzzusammenfassung.

Bis zur Wirtschaftskrise, die im Jahr 2009 begann, Das Platzen der Immobilienblase in den USA mit einhergehender Banken- und Finanzkrise zog im Jahr 2009 eine weltweite Wirtschaftskrise nach sich. hing die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt noch viel stärker mit dem Wirtschaftswachstum zusammen. In den vergangenen Jahren wurde diese Verbindung aber unwichtiger.

Dafür gibt es 3 Gründe:

  1. Viele Dienstleistungsjobs sind weniger konjunkturabhängig

    Die IAB-Wissenschaftler machen dafür eine Chris Vielhaus über den Pflegenotstand in Deutschland stärkere Nachfrage nach Dienstleistungen sowie nach Pflege- und Erziehungsarbeit verantwortlich. Diese Bereiche sind weniger abhängig von der Wirtschaftslage als Industriejobs. Außerdem gibt es insgesamt immer weniger Menschen in Deutschland, die noch Arbeit suchen.
  2. Es wird weniger entlassen

    Neue Mitarbeiterinnen zu finden, fällt vielen Unternehmen schwerer. Deswegen kündigen Unternehmen ihnen seltener oder erst deutlich später, um einen aufwendigen neuen Einstellungsprozess zu vermeiden. Wenn sie können, halten sie eine Art »Mitarbeiter-Reserve« vor. Es ist ein Zustand der Arbeitskräfteknappheit entstanden, der sich selbst weiter verstärkt.
  3. Der demografische Wandel

    »Über die 2020er-Jahre wird die Babyboomergeneration in Rente gehen«, sagt Arbeitsmarktforscher Enzo Weber vom IAB, der das Papier mitverfasst hat. »Dann wird die Zahl der Arbeitskräfte massiv sinken, wenn man nicht gegensteuert, um etliche Millionen.«
    Dieser Arbeiter muss aufpassen, dass er nicht die Balance verliert. Um seinen Job muss er sich derzeit eher weniger Sorgen machen. – Quelle: Josue Isai Ramos Figueroa CC0

Klingt so, als hätten Arbeitnehmer erst einmal gute Karten. Eines Tages könnte die Nachfrage an Arbeitnehmern das Angebot sogar übersteigen, es also einen echten Arbeitskräftemangel geben. Das wäre schlecht für die Unternehmen, nicht alle könnten das überleben, sagt Enzo Weber. Seine Lösungsvorschläge im aktuellen Wirtschaftssystem sind unter anderem: Zuwanderung, stärkerer Verbleib von Älteren im Job – und schließlich eine höhere Geburtenrate.

Titelbild: David Siglin - CC0

von Benjamin Fuchs 

Jeder weiß: Unsere Arbeitswelt verändert sich radikal und rasend schnell. Nicht nur bei uns vor der Haustür, sondern auch anderorts. Wie können wir diese Veränderungen positiv gestalten und welche Anreize braucht es dafür? Genau darum geht es Benjamin, der erst Philosophie und Politikwissenschaft studiert hat, dann mehr als 5 Jahre als Journalist in Brasilien lebte und 2018 zurück nach Deutschland gekommen ist. Es gibt viel zu tun – also: An die Arbeit!

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