Darum unterrichten 180 Schulen neuerdings »Glück«
Immer mehr Schulen in Europa führen ein ungewöhnliches Unterrichtsfach ein: Glück. Der Erfinder des Konzepts, Fritz Schubert, erklärt, warum das so wichtig ist.
Einmal im Jahr veröffentlicht die Krankenkasse DAK den Kinder- und Jugendreport. Gute Nachrichten stehen selten darin. Denn Stress, chronische Krankheiten und psychische Störungen beginnen nicht erst mit dem Erwachsenenalter. In dem aktuellen bundesweiten DAK-Report aus dem Jahr 2018 gaben
Auch mir ging es damals so. Denke ich an meine Schulzeit, dann kommen mir viele unangenehme Situationen in den Sinn. Die Hausaufgaben, die ich nicht erledigt hatte. Die Angst, drangenommen zu werden, wenn ich keine Ahnung hatte. Die historischen Fakten, mathematischen Formeln und chemischen Elemente, die schon wieder nicht im Kopf geblieben waren.
Was mich damals viel stärker beschäftigte, hat mir die Schule nicht beigebracht. Fragen wie:
- Wie führe ich ein Leben, das zu mir passt?
- Wo liegen meine Stärken?
- Was hilft mir, glücklich zu sein?
Wie jede andere Jugendliche musste ich mir dieses Wissen selbst aneignen – samt Sinnkrisen und Selbstzweifeln. »Warum Schule keinen Sinn macht«, dieses Video von Rezo hat bei Youtube mehr als 3 Millionen Aufrufe. Und genau wie er frage ich mich: Bereitet Schule wirklich auf das Leben vor?
Die Youtuber Rezo und Joey besingen in diesem kritischen Lied, was ihnen im heutigen Schulsystem fehlt.
Es reicht nicht mehr, Fakten wiederzugeben
Dass Unterricht aber auch ganz anders geht als nur mit Stress und gepaukten Formeln, zeigen inzwischen 180 Schulen in Sie haben ein außergewöhnliches Unterrichtsfach in den Lehrplan aufgenommen und immer mehr Schulen folgen ihnen. Das Fach heißt An die Schulen gebracht hat es Fritz Schubert, ein Schulleiter aus Heidelberg. Im Jahr 2007 hatte er die Idee, an seinem Wirtschaftsgymnasium ein Unterrichtsfach einzuführen, das sich näher am Leben der Schülerinnen und Schüler
Kurz darauf gründete er das Im Gespräch erklärt er mir, was ihn dazu bewogen hat und was ihn an der Schule heute so stört:
Mit dem Reproduktionsgedanken sind wir in der Schule auf dem Holzweg. So haben wir nur noch Menschen, die darauf trainiert sind, Fakten wiederzugeben, die den Anforderungen der Zukunft aber nicht gewachsen sind.
Anders ausgedrückt: Wer nur Bücher büffelt und sich vorgekautes Wissen einprägt, hat in Zeiten des Klimawandels und gesellschaftlicher Umbrüche verloren. Schuberts Schulfach ist da in gewisser Weise ein Gegenentwurf. Denn Glück lässt sich nicht auswendig lernen. Im Glücksunterricht sollen Schülerinnen und Schüler stattdessen ihr und sich fragen:
- Wie kann ich persönlich wachsen?
- Wie kann ich meine Selbstachtung erhalten?
- Wie kann ich Herausforderungen begegnen?
Alles Fragen, auf die ich als Schülerin auch gerne eine gute Antwort gehabt hätte. Das Glücksfach bietet den Raum, diesen Fragen gezielt nachzugehen. Die Wirkung dieser Art des Unterrichts hat die Universität Mannheim bereits 2011 erforscht. Die Untersuchung belegt und auf die

Die Nachfrage von Schulen und Lehrern wächst
Und die Rolle der Lehrer dabei? Auch sie müssen umdenken und den Rotstift fallen lassen. Schubert erklärt, »mehr als Schatzsucher, denn als Fehlerfahnder« sollen sich Lehrkräfte Denn im Fach Glück sind die Kinder und Jugendlichen selbst die Experten für den Unterrichtsstoff.
Jährlich lernen 150–200 Lehrkräfte in deutschlandweit 9 Weiterbildungsstätten des Fritz-Schubert-Instituts, wie sie vom Fehlerfahnder zum schatzsuchenden Glückslehrer werden. Dass immer mehr Schulen das Konzept positiv annehmen, wundert den Ex-Rektor nicht: »Schülerinnen und Schüler sind auf der Sinnsuche.« »Unsere Aufgabe ist es, diese Generation dabei zu begleiten«.
Das Unterrichtsfach Glück trifft den Zeitgeist. Denn in einer Schulstunde Glück können Schulen Kompetenzen vermitteln, die in kein Unterrichtsfach wie Mathe, Deutsch und Geschichte mehr passen, auf die es aber mehr denn je ankommt.