PD Daily 

Diese 4 Suchmaschinen können mehr als Google

Sie schützen deine Daten sowie die Umwelt und spucken sogar klügere Ergebnisse aus.

30. Juli 2019  3 Minuten

Wenn das Internet eine Königin hätte, dann hieße sie wohl Google. Denn wer heute im Netz etwas sucht, der »googlet« es einfach – so sehr hat sich die Marke bereits in unseren Sprachgebrauch eingeprägt. Tatsächlich ist Google Anlaufstelle Nummer 1 für Suchanfragen – in Deutschland mit fast 96% Marktanteil.

Doch hinter der Suchmaschine mit den sympathisch-bunten Buchstaben steht Alphabet, ein US-amerikanischer Superkonzern, der sein Beinahe-Monopol weltweit mit allen Mitteln ausbaut. Und gegen den die Europäische Kommission vergangenes Jahr eine Die Geldbuße der Europäischen Kommission (2018) Geldbuße von 4,54 Milliarden Euro wegen »illegaler Praktiken« verhängte. Weil der Konzern Herstellern von Android-Geräten und Betreibern von Mobilfunknetzen seit 2011 rechtswidrige Einschränkungen auferlegte, um seine Marktmacht zu stärken.

Kein Entkommen: Auch Youtube gehört seit 2006 zu Google.

Und auch gegenüber den Nutzern verhält sich Königin Google alles andere als entspannt, sondern eher wie ein bester Freund mit Kontrollwahn. Sie merkt sich alles, was er gefragt wurde, ganz genau, notiert akribisch alle Tätigkeiten des Nutzers mit Zeitpunkt und Ort und analysiert seine Vorlieben und Interessen. Daraus erstellt sie ein umfassendes Profil für personalisierte Werbung – Datenkrake statt Monarchin.

Kein Wunder, dass sich immer mehr Nutzer nach Alternativen umschauen. Doch hinter den Suchfenstern von GMX, Web.de oder T-Online verbirgt sich – man ahnt es schon – nur wieder Google.

Geht wirklich kein Weg an Google vorbei? Doch! Hier sind 4 echte Alternativen.

Für Besserwisser: DuckDuckGo

Die Suchmaschine DuckDuckGo DuckDuckGo setzt auf viele Pferde gleichzeitig: Die Technik dazu bezeichnet man als Metasuchmaschine, doch DuckDuckGo setzt parallel dazu auf einen eigenen Webcrawler und ist damit eher ein Hybrid. Eine Alternative dazu wäre MetaGer, eine Hybrid-Suchmaschine aus Deutschland, die deutschem Datenschutzrecht unterliegt. Der US-Konzern aus Pennsylvania leitet die Suchanfragen der Nutzer an 400 Quellen weiter – darunter Wikipedia, einen eigenen Webcrawler, Google und dessen Konkurrent Bing (Microsoft). Dann erstellt DuckDuckGo eine ausgewogene Mischung aus den besten Ergebnissen und kleine Infokästen mit Kurzzusammenfassungen und verwandten Begriffen. Besonders interessant: Die Metasuche ignoriert sogenannte »Content Farms«, also Webseiten, die durch eine Flut von speziell optimierten Postings pro Tag versuchen, Suchmaschinen zu manipulieren und höher angezeigt zu werden.

Zwar kommt auch DuckDuckGo nicht ohne Werbung aus, speichert die Daten der Nutzer aber nicht: Alle bekommen also – anders als bei Google – dieselben Ergebnisse und Werbungen angezeigt.

Für Datenschützer: Startpage

Die selbsternannte Die niederländische Suchmaschine Startpage »diskreteste Suchmaschine der Welt« setzt Google die Hörner auf. Denn die Suchanfragen der Nutzer leitet das niederländische Unternehmen zwar an Google weiter, jedoch nur in anonymisierter Form. Die IP-Adressen der Nutzer werden dabei nicht erfasst und auch Cookie-Dateien zur Identifizierung der Nutzer geblockt. Mit der Option »anonyme Ansicht« erweitert Startpage diesen Schutz sogar auf die Seiten, auf die die Suche den Nutzer weiterleitet und lässt ihn dort anonym surfen. Startpage über den Sieg bei Stiftung Warentest 2019 Für so viel Datenschutz gab es 2019 den Sieg bei Stiftung Warentest.

Ganz ohne Google geht es dann aber doch nicht. Der Zusammenhang von Google und Startpage (2019) Denn die Niederländer bezahlen die US-Amerikaner dafür, deren Suchergebnisse anzubieten – wohl auch aus Angst, dass der Superkonzern gegen sie vorgeht.

Für Umweltbewusste und Sinnstifter: Ecosia

Die Suchmaschine Ecosia Die grüne Alternative zu Google kommt aus Berlin. Sie unterliegt mit dem Standort dem strengeren deutschem Datenschutzrecht und greift auf die Ergebnisse von Google-Konkurrent Bing von Microsoft zu – und sendet dafür Daten an den US-Konzern. Mit denen wollen die Berliner aber etwas Gutes tun: Denn für jede geklickte Werbung erhält Ecosia einen Anteil am Umsatz und steckt 80% des Gewinns in gemeinnützige Naturschutzprojekte. Ein Zähler auf der Seite zeigt dabei an, wie viele Bäume durch Ecosia schon gepflanzt wurden Ecosia pflanzt nach eigenen Angaben Bäume in Burkina Faso, Madagaskar, Peru, Marokko, Brasilien, Nicaragua, Äthiopien und Tansania. – aktuell 63 Millionen, etwa einen Setzling pro 45 Anfragen.

Das Unternehmen macht auch intern vieles anders und unterstützt die Purpose Stiftung für Die Purpose Stiftung »sinnorientiertes Wirtschaften«. So bleiben etwa alle Entscheidungen bei den Mitarbeitern und dem Gründer Christian Kroll. Letzterer verdient übrigens genauso viel wie seine Kollegen.

Für echte Nerds: WolframAlpha

Die meisten Suchmaschinen spucken Links zu Webseiten aus – diese geht einen anderen Weg. WolframAlphas Anspruch lautet »Intelligente Antworten finden«. Dazu vergleicht das Unternehmen aus Großbritannien die Sucheingabe mit Algorithmen und einer umfangreichen Datenbank, die von einem Team aus Wissenschaftlern gepflegt und überprüft wird. Die Daten stammen auch von akademischen Webseiten und offiziellen Behörden. Als Ergebnisse spuckt die Suchmaschine keine Links, sondern Fakten in Form von Zahlen, Daten und Diagrammen mit Quellenverweisen aus. Beispiel: Statt einem Link zu »Perspective Daily« gibt WolframAlpha eine sprachliche Analyse zu unserem Namen aus.

Das ist zugegeben gewöhnungsbedürftig, aber eine interessante Alternative zum Ansatz von Google: Wissen durch Fakten schaffen. Besonders gut funktioniert das bei Fragen aus den Bereichen Chemie, Astronomie, Mathematik oder Physik und bei Biografien von berühmten Personen. WolframAlpha ist damit eine Schnittstelle zur Welt der Wissenschaft – auch wenn die Suchanfragen dafür schon mal ein paar Sekunden länger dauern können.

Hier findest du die beiden anderen aktuellen Dailies:

Titelbild: mostafa meraji - CC0

von Dirk Walbrühl 

Dirk ist ein Internetbewohner der ersten Generation. Ihn faszinieren die Möglichkeiten und die noch junge Kultur der digitalen Welt, mit all ihren Fallstricken. Als Germanist ist er sich sicher: Was wir heute posten und chatten, formt das, was wir morgen sein werden. Die Schnittstellen zu unserer Zukunft sind online.

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