Du möchtest weniger arbeiten, aber trotzdem Karriere machen? Mit diesem Modell könnte es klappen

Wer seine Arbeitszeit reduziert, verspielt damit oft auch berufliche Chancen. Doch dank einer alten Idee, die Unternehmen gerade wiederentdecken, könnte sich das ändern.

19. August 2019  8 Minuten

Thomas Angerstein, 52, und Christof Lieber, 36, sind Manager bei SAP. Beides Männer, die hausintern Karriere gemacht haben. Seit 2015 tragen sie Verantwortung für ein 30-köpfiges Team. »Head of Mission Critical Support« steht in ihren Jobprofilen. SAP ist einer der weltweit größten Softwarehersteller. Wenn bei einem Kunden technische Probleme auftauchen und ganze Produktionsketten in Gefahr geraten, sind die IT-Spezialisten aus dem Krisenteam zur Stelle. Ein Vollzeitjob, der hohen Einsatz und starke Nerven verlangt.

So weit, so normal. Und doch ist bei ihnen einiges anders. Denn mit dem Bild des Chefs, der allein die Fäden in der Hand hält und das am besten 80 Stunden in der Woche, können Thomas Angerstein und Christof Lieber wenig anfangen. Die beiden Manager, die sich lange kennen und gut verstehen, teilen sich eine Stelle. Vor 4 Jahren haben sie das erste Tandem bei SAP gebildet. Sie nennen das auch »Co-leadership«: ein Chefposten, aber 2 Menschen, die ihn ausfüllen.

Die beiden Manager betrachten sich als Counterparts. Allerdings nicht im Sinne konkurrierender Gegenspieler im Kampf um mehr Einfluss in ihrer Abteilung. Sie sehen sich als Partner auf Augenhöhe. »Tandems erfordern eine gute Abstimmung. Dass wir uns dafür jeden Tag 30 Minuten Zeit nehmen, ist aber kein Nachteil des Modells. Die Zeit ist extrem wertvoll«, sagt Christof Lieber, der erstmals eine Führungsposition übernommen hat. Thomas Angerstein kannte die Rolle des Chefs bereits. Eigentlich wollte er sie gar nicht mehr haben. Die Chance, ein Führungstandem zu bilden, habe ihn aber neu nachdenken lassen, erzählt er. »Es gibt mir die Gelegenheit, wieder stärker im Tagesgeschäft mitzuwirken. Das hat mir in meiner früheren Managerrolle gefehlt.«

Mit Illustrationen von Mirella Kahnert für Perspective Daily

von Stefan Boes 

Kennst du auch das Gefühl, 1.000 Dinge tun zu wollen – oder zu müssen? Wie nutzt du die Zeit, die du hast? Stefan geht aus soziologischer Perspektive der Frage nach, wie eine neue Zeitkultur aussehen kann – und wie wir Zeit gestalten können, ohne immer nur hinterherzurennen. Dazu gehört auch die Frage, wie die Vereinbarkeit von Arbeit, Familie und Privatleben gelingen kann.

Themen:  Arbeit  

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