Bald merken alle, dass ich gar nichts kann!

Viele Menschen zweifeln an ihren Fähigkeiten – obwohl es gar keinen Grund dafür gibt. So stellst du dich deinen Hochstapler-Gefühlen.

2. Oktober 2019  10 Minuten

Der erste Tag im neuen Job. Es ist normal, dass ich da etwas aufgeregt bin. Ein paar Arbeitstage vergehen. Ich schreibe an meinem ersten Artikel und zögere die Abgabe heraus – so würde ich es jedenfalls bezeichnen: Beim Redigieren des Artikels merkt meine Kollegin Juliane an dieser Stelle an: »Ich finde hier das Verb auf inhaltlicher Ebene sehr bezeichnend für das Imposter-Phänomen. ›Herauszögern‹ klingt nach Selbstanschuldigung, du hättest ja auch für dich argumentieren können, dass der Artikel in der Recherche mehr Zeit gebraucht hat oder dass du im neuen Job erst einmal ›ankommen‹ musst.« Was, wenn jetzt meinen neuen Kollegen auffällt, dass sie sich in mir getäuscht haben? Gedanken wie diese haben wohl die meisten schon einmal erlebt.

Wir haben im Text einige Grafiken verteilt, in denen sich Menschen mit Imposter-Gefühlen wiedererkennen könnten. Die Idee zu den Grafiken kam von Buzzfeed

Was in schwacher Ausprägung normal ist, kann in extremer Form fatale Folgen haben. Wie bei Sophie M.: Sie arbeitete jahrelang als wissenschaftliche Hilfskraft an ihrer Universität, bestand ihren Psychologie-Master mit der Note »sehr gut«. Obwohl sie eigentlich Wissenschaftlerin werden wollte, lehnte sie das Angebot ab, an ihrem Lehrstuhl zu promovieren – aus Angst, als Hochstaplerin aufzufliegen, wie sie ihrem Lehrstuhlleiter Jahre später gestand.

Diese diffuse Angst, als Betrüger entlarvt zu werden, hat seit den 80er-Jahren einen Namen:

Mit Illustrationen von Mirella Kahnert für Perspective Daily

von Lara Malberger 

Das Netz ist voller Tipps und Ratschläge – und Menschen, die damit ihre Probleme lösen wollen. Doch meistens gibt es nicht »die eine, richtige« Lösung. Aber was ist sinnvoll? Und was kann weg? Um so nah wie möglich an eine Antwort heranzukommen, hat Lara Wissenschaftsjournalismus mit Schwerpunkt Biowissenschaften und Medizin in Dortmund und Digital Journalism in Hamburg studiert.

Themen:  Gesundheit   Psychologie  

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