Mit diesen 3 Apps wirst du zum Umwelthelden
Zahllose Apps versprechen heute, die Welt zu retten. Das können sie wirklich.
Du willst etwas gegen den Klimawandel tun und CO2 einsparen? Du würdest gern nachhaltiger einkaufen, am besten regional und Bio, aber weißt nicht wie?
Dein Smartphone will dein bester Verbündeter sein. Zahllose Öko-Apps versprechen den Deutschen ein nachhaltigeres Leben. Was können die Programme wirklich bewegen? Ich habe sie getestet.
Gegen Lebensmittelverschwendung in der Gastronomie: »Too Good To Go«
Deutschland produziert Essen für den Müll: 1/3 aller Lebensmittel wird hierzulande weggeworfen.
Gut gemeint, aber schlecht gepflegt
Regional einkaufen mit dem Smartphone und damit lange Fahrtstrecken und CO2 einsparen? Eine gute Idee, die die RegioApp umzusetzen versucht. Sie zeigt dem Nutzer lokale Geschäfte, Wochenmärkte und Bauernhöfe in der Umgebung. Leider werden die Datensätze nicht gepflegt, weswegen die App nicht aktuell ist – und damit für viele Nutzer kaum zu gebrauchen. Schade. Eine Regional-App, die tatsächlich funktioniert, ist Fodahoo, sie listet aber nur Bauernhöfe und Unverpacktläden.
Dieser Verschwendung hat die App
Dass gerettete Lebensmittel nicht einfach verschenkt werden, ist Teil des Konzepts: 1 Euro der Kaufsumme geht an Too Good To Go, wovon sich die App finanziert. Der Rest geht an den Verkäufer selbst. So haben die Programmierer genug Einnahmen, die App aktuell zu halten, und die Läden einen Grund, sich zu beteiligen.
Mein Praxistest: Selbst in einem kleinen Vorort von Münster finden sich ein Dutzend Angebote im Umkreis von 15 Kilometern. Unter den Verkäufern waren neben Restaurants auch Supermärkte, Tankstellen, Bäckereien, Cafés, Biomärkte und Ketten wie Nordsee. Manche stellen Überraschungskörbe zusammen, andere lassen selbst auswählen. Ich war überrascht, wie viel Essen für rund 3 Euro am Ende wirklich rumkommt – etwa eine große Portion vegetarisches Sushi für 2 Personen. Alles Essen war frisch und die App übersichtlich und bequem zu bedienen. Für Lebensmittelretter eine klare Empfehlung.
Schädliche Inhaltsstoffe vermeiden mit »Codecheck«
Die größten Umweltsünder heutzutage sind – ohne Frage – Großkonzerne.
Schämen statt ermuntern?
Es ist sinnvoll, den eigenen Umweltfußabdruck zu kennen. Dabei helfen CO2-Rechner wie die App Klima Kompass. Per Regler lässt sich hier das eigene Verhalten einstellen, von Reisen bis zu den Essgewohnheiten. Am Ende berechnet die App den CO2-Verbrauch pro Jahr – und vergleicht ihn mit dem deutschen Durchschnittswert. Das Problem: Auch der ist zu hoch und wer noch drüber liegt, wird von der App frustriert alleingelassen. Hier fehlt eine detaillierte Aufschlüsselung und Weiterleitung zu Maßnahmen. CO2-Rechner mit praktischen Tipps, die motivieren, gibt es aber auch, etwa ForGood.
Eine App, die dabei hilft, ist Codecheck – und zwar so: Die App nutzt die Kamera des Smartphones, um den Barcode eines Produktes zu scannen, und sucht aus der Codecheck-Datenbank eine Bewertung heraus. Eine farbliche Einstufung gibt einen schnellen Überblick über die Unbedenklichkeit,
Mein Praxistest: Für die meisten Supermarkt-Produkte funktionierte die App einwandfrei und warnte vor Palmöl, Mikroplastik, Aluminium oder anderen Schadstoffen. Der große Minuspunkt: Codecheck scheint Unternehmen gegenüber kaum kritisch zu sein. So wertete sie eine vegane Burgermarke etwa als »unbedenklich« und zeigte Nutzerrezensionen mit »Lecker!« an,

Einen nachhaltigen Alltag lernen mit Umwelt-Herausforderung
Ja, es kann mühsam sein, umweltbewusst zu leben. Dabei will die App Umwelt-Herausforderung helfen – und zwar so: Der Nutzer wählt sich aus einer Liste von Zielen eine Handvoll aus und gibt sie sich selbst als Aufgabe über einen gewissen Zeitraum. Darunter sind niedrigschwellige Handlungen wie »Bring eine Tasche beim Einkaufen mit«, um Plastiktüten zu sparen, bis zu echten Herausforderungen wie »Reduziere den Stromverbrauch um 20%«. Jede Aufgabe zeigt dabei an, wie viel CO2 und Müll dadurch eingespart wurde.
Zu viel des Guten
Manche Gewohnheits-Apps wollen das ganze Leben umkrempeln, wie etwa Changers CO2 Fit. Hier reichen die Aufgaben von Arbeitsschutz über Prostatavorsorge bis Morgenmeditation – der Sinn für die Umwelt erschließt sich da kaum und die Breite der Angebote wirkt verwirrend und beliebig. Sinnvoll ist die App dann, wenn das eigene Unternehmen oder eine Gemeinde darüber eine »Challenge« ausruft – was aber monatliche Lizenzgebühren kostet.
Bei Erfolg wird die gesamte eingesparte Menge gespeichert; regelmäßig gibt es dafür Level, wie kleine Auszeichnungen, was zusätzlich motiviert. Dazu zeigt die App Nachrichten und besondere Aktionstage an und bietet einen Überblick über die Luftqualität der Region in Echtzeit. Die App finanziert sich per Spende an die Entwickler.
Mein Praxistest: Die App wurde nur ins Deutsche übersetzt und das merkt man an einigen umständlichen Formulierungen. Doch der eigentlichen Funktionalität tut das keinen Abbruch. Denn die Herausforderungen motivieren einfach, etwas zu tun. Gamification heißt das Prinzip dahinter und hilft auf spielerische Weise, Aufgaben anzugehen und neue Gewohnheiten zu etablieren. Anders gesagt: Es macht einfach Spaß, etwas abzuhaken und ein Level aufzusteigen. Nur die Zahlen des eingesparten CO2 sind nicht transparent genug – hier fehlen Informationen und Rechenwege. Ärgerlich für Datenschützer: Es ist es kaum möglich, Informationen über das hinter der App stehende Entwicklerteam zu finden – so ist unklar, wohin die Daten gehen.
Hier findest du die beiden anderen aktuellen Dailys:
Mit Illustrationen von Doğu Kaya für Perspective Daily