PD Daily 

Mit diesen 3 Apps wirst du zum Umwelthelden

Zahllose Apps versprechen heute, die Welt zu retten. Das können sie wirklich.

4. Oktober 2019  4 Minuten

Du willst etwas gegen den Klimawandel tun und CO2 einsparen? Du würdest gern nachhaltiger einkaufen, am besten regional und Bio, aber weißt nicht wie?

Dein Smartphone will dein bester Verbündeter sein. Zahllose Öko-Apps versprechen den Deutschen ein nachhaltigeres Leben. Was können die Programme wirklich bewegen? Ich habe sie getestet.

Gegen Lebensmittelverschwendung in der Gastronomie: »Too Good To Go«

Deutschland produziert Essen für den Müll: 1/3 aller Lebensmittel wird hierzulande weggeworfen. Die Verbraucherzentrale informiert über Lebensmittelverschwendung (2018) Das sind 11 Millionen Tonnen oder umgerechnet so viele Lebensmittel, wie in 122 Tagen in ganz Deutschland hergestellt werden.

Gut gemeint, aber schlecht gepflegt

Regional einkaufen mit dem Smartphone und damit lange Fahrtstrecken und CO2 einsparen? Eine gute Idee, die die RegioApp umzusetzen versucht. Sie zeigt dem Nutzer lokale Geschäfte, Wochenmärkte und Bauernhöfe in der Umgebung. Leider werden die Datensätze nicht gepflegt, weswegen die App nicht aktuell ist – und damit für viele Nutzer kaum zu gebrauchen. Schade. Eine Regional-App, die tatsächlich funktioniert, ist Fodahoo, sie listet aber nur Bauernhöfe und Unverpacktläden.

Dieser Verschwendung hat die App Die Website von »Too Good To Go« Too Good To Go den Kampf angesagt – und zwar so: Der Nutzer erhält Anzeigen vornehmlich von Restaurants und Bäckereien aus der Nähe, Eine E-Mail-Adresse, ein Name und ein Standort reichen für den Start. Letzterer geht sogar ohne Geodaten und einfach per Karte und Ortssuche. Warum die App aber auf die Kamera, WLAN-Verbindungsinformationen und Fotodaten des Smartphones zugreifen will, ist unklar – das wäre unnötig. die Speisen anbieten und Restbestände am Abend wegwerfen würden. Was es gibt, ist dann überraschend und wird grob mit »Backwaren« oder »Verschiedenes« angegeben. Per Klick in der App kauft der Nutzer die Lebensmittel zu einem stark reduzierten Preis Die App bietet verschiedene Bezahlmöglichkeiten an, von Paypal über Google Pay bis zur Sofortüberweisung. und erhält einen Kassenbon, mit dem er die Portion zu einer angegebenen Ladenschlusszeit abholen kann.

Dass gerettete Lebensmittel nicht einfach verschenkt werden, ist Teil des Konzepts: 1 Euro der Kaufsumme geht an Too Good To Go, wovon sich die App finanziert. Der Rest geht an den Verkäufer selbst. So haben die Programmierer genug Einnahmen, die App aktuell zu halten, und die Läden einen Grund, sich zu beteiligen.

Mein Praxistest: Selbst in einem kleinen Vorort von Münster finden sich ein Dutzend Angebote im Umkreis von 15 Kilometern. Unter den Verkäufern waren neben Restaurants auch Supermärkte, Tankstellen, Bäckereien, Cafés, Biomärkte und Ketten wie Nordsee. Manche stellen Überraschungskörbe zusammen, andere lassen selbst auswählen. Ich war überrascht, wie viel Essen für rund 3 Euro am Ende wirklich rumkommt – etwa eine große Portion vegetarisches Sushi für 2 Personen. Alles Essen war frisch und die App übersichtlich und bequem zu bedienen. Für Lebensmittelretter eine klare Empfehlung.

Schädliche Inhaltsstoffe vermeiden mit »Codecheck«

Die größten Umweltsünder heutzutage sind – ohne Frage – Großkonzerne. »The Guardian« über Nestlés gebrochene Versprechen beim Palmöl (englisch, 2017) Für maximalen Profit stellen sie Umweltsorgen meist hinten an. Zum Beispiel wird der Regenwald in Indonesien abgeholzt, um Platz für Palmölplantagen zu machen, weil Palmöl beliebte Schokoriegel günstig leckerer macht. Eine Übersicht des »Bundesinstituts für Risikobewertung« zu Palmöl (2016, PDF) Dabei enthält das Öl ungesunde, gesättigten Fettsäuren und steht sogar im Verdacht, krank zu machen. Wer das weiß, kann sich gegen den Kauf von Produkten entscheiden, die Palmöl enthalten.

Schämen statt ermuntern?

Es ist sinnvoll, den eigenen Umweltfußabdruck zu kennen. Dabei helfen CO2-Rechner wie die App Klima Kompass. Per Regler lässt sich hier das eigene Verhalten einstellen, von Reisen bis zu den Essgewohnheiten. Am Ende berechnet die App den CO2-Verbrauch pro Jahr – und vergleicht ihn mit dem deutschen Durchschnittswert. Das Problem: Auch der ist zu hoch und wer noch drüber liegt, wird von der App frustriert alleingelassen. Hier fehlt eine detaillierte Aufschlüsselung und Weiterleitung zu Maßnahmen. CO2-Rechner mit praktischen Tipps, die motivieren, gibt es aber auch, etwa ForGood.

Eine App, die dabei hilft, ist Codecheck – und zwar so: Die App nutzt die Kamera des Smartphones, um den Barcode eines Produktes zu scannen, und sucht aus der Codecheck-Datenbank eine Bewertung heraus. Eine farbliche Einstufung gibt einen schnellen Überblick über die Unbedenklichkeit, Chris Vielhaus fragt sich: Halb Europa feiert Erfolge mit der Lebensmittelampel. Warum nicht auch wir? eine Nährwert-Ampel hilft bei Lebensmitteln dabei, versteckte Zucker und ungesunde Fette zu meiden. Und unter Inhaltsstoffen weist die App auf Bedenkliches wie Palmöl hin, gibt Hintergrundinformationen und verlinkt auf weitere Umweltseiten mit mehr Details. Das Ganze funktioniert auch für Pflegeprodukte oder andere Konsumgüter. Finanziert wird Codecheck durch Werbung, die sich aber mit einer einmaligen Zahlung von 9 Euro abstellen lässt.

Mein Praxistest: Für die meisten Supermarkt-Produkte funktionierte die App einwandfrei und warnte vor Palmöl, Mikroplastik, Aluminium oder anderen Schadstoffen. Der große Minuspunkt: Codecheck scheint Unternehmen gegenüber kaum kritisch zu sein. So wertete sie eine vegane Burgermarke etwa als »unbedenklich« und zeigte Nutzerrezensionen mit »Lecker!« an, Der »Stern« fasst die Skandale der letzten Jahre von Nestlé zusammen (2015) obwohl der Nestlé-Konzern dahintersteckt, der immer wieder umweltschädlich auffällt. Die »Tageszeitung« testete die Barcode-App »Codecheck« mit gemischtem Ergebnis (2016) Die Quellen der App sind teilweise einfach veraltet – mehr Transparenz in Supermärkten ist sicher gut und Codecheck ein Anfang. Doch wer bestimme Unternehmen meiden will, kommt nicht drumherum, sich zusätzlich zu informieren.

Illustration: Doğu Kaya

Einen nachhaltigen Alltag lernen mit Umwelt-Herausforderung

Ja, es kann mühsam sein, umweltbewusst zu leben. Dabei will die App Umwelt-Herausforderung helfen – und zwar so: Der Nutzer wählt sich aus einer Liste von Zielen eine Handvoll aus und gibt sie sich selbst als Aufgabe über einen gewissen Zeitraum. Darunter sind niedrigschwellige Handlungen wie »Bring eine Tasche beim Einkaufen mit«, um Plastiktüten zu sparen, bis zu echten Herausforderungen wie »Reduziere den Stromverbrauch um 20%«. Jede Aufgabe zeigt dabei an, wie viel CO2 und Müll dadurch eingespart wurde.

Zu viel des Guten

Manche Gewohnheits-Apps wollen das ganze Leben umkrempeln, wie etwa Changers CO2 Fit. Hier reichen die Aufgaben von Arbeitsschutz über Prostatavorsorge bis Morgenmeditation – der Sinn für die Umwelt erschließt sich da kaum und die Breite der Angebote wirkt verwirrend und beliebig. Sinnvoll ist die App dann, wenn das eigene Unternehmen oder eine Gemeinde darüber eine »Challenge« ausruft – was aber monatliche Lizenzgebühren kostet.

Bei Erfolg wird die gesamte eingesparte Menge gespeichert; regelmäßig gibt es dafür Level, wie kleine Auszeichnungen, was zusätzlich motiviert. Dazu zeigt die App Nachrichten und besondere Aktionstage an und bietet einen Überblick über die Luftqualität der Region in Echtzeit. Die App finanziert sich per Spende an die Entwickler.

Mein Praxistest: Die App wurde nur ins Deutsche übersetzt und das merkt man an einigen umständlichen Formulierungen. Doch der eigentlichen Funktionalität tut das keinen Abbruch. Denn die Herausforderungen motivieren einfach, etwas zu tun. Gamification heißt das Prinzip dahinter und hilft auf spielerische Weise, Aufgaben anzugehen und neue Gewohnheiten zu etablieren. Anders gesagt: Es macht einfach Spaß, etwas abzuhaken und ein Level aufzusteigen. Nur die Zahlen des eingesparten CO2 sind nicht transparent genug – hier fehlen Informationen und Rechenwege. Ärgerlich für Datenschützer: Es ist es kaum möglich, Informationen über das hinter der App stehende Entwicklerteam zu finden – so ist unklar, wohin die Daten gehen.

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Mit Illustrationen von Doğu Kaya für Perspective Daily

von Dirk Walbrühl 

Dirk ist ein Internetbewohner der ersten Generation. Ihn faszinieren die Möglichkeiten und die noch junge Kultur der digitalen Welt, mit all ihren Fallstricken. Als Germanist ist er sich sicher: Was wir heute posten und chatten, formt das, was wir morgen sein werden. Die Schnittstellen zu unserer Zukunft sind online.

Themen:  Psychologie   Gesellschaft   Internet  

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