Warum Nora Tschirner Perspective Daily unterstützt / Interview

17. Januar 2016
17. Januar 2016

»Und plötzlich stehen da lauter eben noch wildfremde Menschen zusammen und basteln eine Gehirnpuppe« Nora Tschirner, bekannt als Film-Schauspielerin und Tatort-Kommissarin, ist überzeugtes Team-Mitglied von Perspective Daily. Im Interview erzählt sie uns, wie es dazu kam, welches Verhältnis sie zu Werbung hat und warum es bereichernd ist, sich mit kreativen Köpfen zu umgeben.

Nora, Du unterstützt das konstruktive Online-Medium Perspective Daily. Warum ist dir das persönlich wichtig?

Nora: Ich glaube, dass dieses Projekt eine realistische und vielleicht die einzige Chance ist, das Ruder der Politikverdrossenheit herumzureißen. Die Art, in der die Leute eigenverantwortlich für Perspective Daily und ihre eigene Zukunft eintreten müssen und können, ist vielleicht die einzige Möglichkeit, in eine wirkliche gesellschaftliche und politische Aktivität zurückzufinden. Diese Verdrossenheit kenne ich aus meinem Umfeld und auch von mir selber. Das Konzept von Perspective Daily leuchtet mir sehr ein und ich finde es absolut schlüssig und motivierend.

Kannst du uns das genauer erklären?

Nora: Ich habe mich privat sehr viel mit neurowissenschaftlichen Aspekten beschäftigt und darüber gelesen. Oft arbeiten Spitzenneurowissenschaftler an wirtschaftlichen Themen. Es wird versucht, den Werbedschungel noch stärker zu durchdringen mit Werbebotschaften, um immer neue Produkte loszuwerden. Ich fand das frustrierend, denn ich hatte das Gefühl, die salopp gesagt »Obersten in der Nahrungskette«, also die Leute, die so schlau sind, dass sie sogar das menschliche Gehirn erforschen können, haben nichts Besseres zu tun, als eine sehr problematische Spirale voranzutreiben. Dann auf das Prinzip des Konstruktiven Journalismus zu stoßen, bei dem neurowissenschaftliche und psychologische Expertise gewinnbringend für eine bessere Welt eingesetzt werden soll, war für mich ein absoluter Lichtblick.

Wir haben viele Denkfehler im System, die mit fehlender Eigenverantwortung zu tun haben. Perspective Daily ist ein Projekt, das bei uns anfängt und davon ausgeht, dass nicht irgendwelche Leute in irgendwelchen Eliten dafür verantwortlich sind, dass irgendwas irgendwie besser wird. Gemeinsam haben wir die Möglichkeit, diese Mechanismen aufzubrechen. Das finde ich wahnsinnig inspirierend und es gibt mir Hoffnung. In diesen finsteren Zeiten ziehe ich daraus eine Riesenkraft, weiter an sozialen Projekten zu arbeiten.

Wie kam der Kontakt zustande?

Nora: Meine Agentur hat mir eine E-Mail weitergeleitet, in der die 3 Gründer kurz zusammenfasst haben, was Perspective Daily für ein Projekt ist. Sie haben mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, sie z.B. auf Facebook zu unterstützen, als Multiplikatorin quasi. Allerdings bin ich eine recht lausige Facebookerin. Ich meine, ich habe 40.000 Leute da, aber im Vergleich zu anderen großen Namen der Filmbranche ist das ja nüscht. Deswegen habe ich beschlossen, dass ich mich – für den Fall, dass das mit der Multiplikation nicht so gut klappen sollte –, wenigstens schon mal in das Team »addiere«.

Das Thema hat mich unmittelbar gepackt, so dass ich noch am Tatort-Set stehend in der Drehpause zig Leute angerufen habe, um ihnen mit Schnappatmung davon zu berichten. In mir hat es etwas ausgelöst, das deutlich größer war als das, was eigentlich in dieser Mail stand. 2 Tage später habe ich den Bernhard angerufen und ihn beim Braten in der Küche erwischt. Ich glaube, er hat bis zum Ende des Gesprächs nicht gerafft, dass ich das bin. Ich war ganz aufgeregt und habe laufend Leute vorgeschlagen. Gewissermaßen entstand es also aus einer Übergriffigkeit von mir, dass ich jetzt so involviert bin.

Ist dir zuvor denn schon mal der Begriff des Konstruktiven Journalismus begegnet?

Nora: Wenn dann am ehesten als unbestimmter Wunsch. Mir sind die ganzen Fragen, die damit im Zusammenhang stehen, durch den Kopf geschossen. Ich glaube sehr an den ganzheitlichen Zusammenhang von Sachen. Es braucht eine neue Betrachtungsweise, ohne Schuldzuweisungen und mit mehr Eigenverantwortung. Auf das Konzept des Konstruktiven Journalismus zu treffen, war eine richtige Offenbarung. Perspective Daily vermittelt eine neue Form von Optimismus, der ein realistischer Optimismus ist.

In unserem Crowdfunding-Video spielst du eine entscheidende Rolle. In sonstiger Werbung sieht man dein Gesicht üblicherweise nicht. Woran liegt das?

Nora: Das hat viel damit zu tun, dass ich 8 Jahre lang ohne Werbung aufgewachsen bin. In meiner Kindheit war Werbung verpönt. Wir müssen jetzt hier nicht die Diskussion über das sozialistische System aufmachen, aber Fakt ist: Ich bin überhaupt nicht geprägt durch Werbung und bin dann durch die Branche, in der ich arbeite, umso mehr damit in Kontakt gekommen.

Das unwohle Gefühl blieb und ich begann mich immer bewusster damit auseinanderzusetzen. Bis mir klar wurde, dass es einfach wirklich nie mein Ding sein wird. Werbung in ihrer aktuellen Form ist mir suspekt, weil sie für mich etwas mit einer Unwahrheit zu tun hat und mit einer Beschönigung von Sachen. Ich möchte nicht etwas um mich haben, das so wenig für sich spricht, dass es total aufgehübscht werden muss, damit es mir einleuchtet. Das interessiert mich nicht. Die Werbeindustrie an sich habe ich daher immer aus einer relativ ironischen Distanz betrachtet.

Und was genau ist diesmal anders?

Nora: Alles. Hier geht es nicht um Werbung im klassischen Sinne. Also: Eine Firma arbeitet nach dem Prinzip der Profitmaximierung und mit solchen Überschüssen, dass sie sich einen so massiven Werbeetat erlauben kann, dass es für eine bekannte Persönlichkeit überhaupt erst attraktiv wird, ihr Gesicht und ihre »Glaubwürdigkeit« herzugeben. Stattdessen ist es das Bekenntnis zu einer Idee. Eine Idee, die mir so sinnvoll erscheint, dass ich kein Geld brauche, um überzeugt zu werden und zu überzeugen. Es ist von Beginn an eine Überzeugungstäterschaft, eine Idee, die so gut ist, dass sie mich direkt verleitet, all meine Freunde und Familienmitglieder anzurufen und ihnen davon zu erzählen. Im Kern ist es Mundpropaganda, die einzige Form der Werbung, die ich ernst nehmen kann.

Hinzu kommt: Schlussendlich wird eine Sache, die meinen Ansprüchen so sehr gerecht wird, dass ich dafür einstehen werde, nie ein großes Werbebudget haben. Aus dem einfachen Grund, weil das Geld bereits in wichtigere Sachen investiert wurde als mich. Wie zum Beispiel Qualität, faire Produktion, Nachhaltigkeit, Ökologie. Zusammengefasst: Es wurde in eine Welt investiert, die besser ist als die jetzige und in der ich lieber leben möchte. Das muss Lohn genug für mich sein. Für mich heißt das im Umkehrschluss: Wenn es sich eine Firma leisten kann, mir 600.000 Euro zu bezahlen, dann kann da was nicht stimmen.

Du engagierst dich auch für verschiedene soziale Zwecke. Welches Projekt unterstützt du aktuell?

Nora: Die Aktion Tagwerk. Das ist ein Projekt, in dem Schüler in Deutschland in allen Altersgruppen, also wirklich von den ganz kleinen bis hin zu den Abiturienten, einen Tag lang arbeiten gehen, um mit dem erarbeiteten Geld Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen in verschiedenen afrikanischen Ländern zu unterstützen. Die Kleinen backen zum Beispiel einen Kuchen und verkaufen den oder sie helfen im Garten mit. Die größeren Kinder und Jugendlichen machen ein Praktikum für einen Tag. In der Vorbereitung lernen sie innerhalb von Workshops etwas über die Kulturen der Länder, die sie unterstützen. Ich finde, das ist eine stimmige Idee.

Bei Perspective Daily bist du quasi Teil des Teams.

Nora: Ja. Wir spinnen gemeinsam Strategien und ich bin mittlerweile so tief in der Materie, dass es komisch wäre, etwas anderes zu behaupten. Ich fühle mich auf jeden Fall sehr zugehörig. Wenn eine Idee gut ist, zieht sie automatisch Leute an, die für sie brennen. Das kriegt dann eine Gruppendynamik, die so von Teamgeist und Inspiration getragen wird, dass man sich wirklich glücklich schätzen kann, so ein Erlebnis zu haben. Das ist also im Kern eine ganz egoistische Sache.

Du bist als Künstlerin sehr vielseitig. Du arbeitest als Schauspielerin, machst Musik und führst Regie. Was kommt als nächstes?

Nora: Alles, was ich mache, ist vereint unter dem Dach des Gerne-kreativ-seins mit anderen Leuten. Bin ich ausgebildeter Musiker? Nö. Fühle ich mich mit Musik total verbunden? Ja. Letztendlich war auch der Auftritt in der Band Prag einfach ein Projekt mit 2 Leuten, die mir menschlich und künstlerisch sehr am Herzen lagen.

Wenn ich Leute treffe, die mich inspirieren und die auch eine Idee haben, die mir weltanschauungsmäßig oder anderweitig einleuchtet, dann hab ich meist Lust auf kreative Teamarbeit. Auch beim Schauspiel ging mein Ansatz immer eher über das Projekt und über die Zusammenarbeit in einem Team.

Im Dezember letzten Jahres hatte der englische Spielfilm »Everyone's going to die« Deutschlandpremiere, in dem du eine Hauptrolle spielst. Worum geht es in dem Film genau?

Nora: Es geht um 2 Leute, die in ihrem Leben in Stagnationssituationen angekommen sind und beide an einer Wegkreuzung stehen. Sie haben die Eigenverantwortung für ihr Dasein verloren und wissen nicht, wie es weitergehen kann. Zufällig treffen sie sich in einer englischen Küstenstadt. Ray ist 50 und hat einen kruden Job. Man weiß nicht so genau, ob er jetzt ein Gangster ist oder nicht. Die Deutsche Melanie ist gestrandet, weil ihr Verlobter ein Engländer ist, sie aber keinen Job dort hat und keinen Fuß auf den Boden kriegt. Als sie sich treffen, ist für beide der Auslöser, ihr Leben noch mal neu zu betrachten.

Es handelt sich um einen Independent-Film, den du 2011 in England gedreht hast. Wo war er in Deutschland zu sehen?

Nora: In England war der Film in den Kinos, in vielen anderen Ländern auch. In Deutschland steht er auf allen bekannten On-Demand-Plattformen im Internet zum Download bereit.

Für das Crowdfunding-Video von Perspective Daily, bei dem du Regie geführt und das du selbst produziert hast, hast du den Regisseur Max Barron für eine Mitarbeit gewinnen können. Wie kam es dazu, dass jemand aus England sich für dieses Projekt interessiert?

Nora: Max ist seit unserer Zusammenarbeit einer meiner besten Freunde. Wir haben einen sehr ähnlichen Geschmack und sind von Sachen, die der andere gut findet, meist schnell co-infiziert. Das war auch in diesem Fall so. Und dann war er eben hier in Deutschland zur Premiere und hat im Anschluss direkt 5 Tage mit uns verbracht, um am Projekt mitzuarbeiten. Wie übrigens auch Verena, die ich als Set-Aufnahmeleiterin bei meinem letzten Dreh kennengelernt hatte. Sie hatte gerade ein anstrengendes Drehjahr hinter sich, ein Knochenjob. Sie kommt nicht aus Berlin und freute sich eigentlich nur noch auf zuhause. Ich hatte ihr aber von dem Projekt erzählt und davon, dass ich eine Gehirnpuppe in dem Film haben möchte und dass ich darüber nachdenke, so eine zu basteln. Plötzlich wurde das zu unserem gemeinsamen Ding.

Es endete damit, dass wir bei jemandem zuhause standen mit diesen ganzen Neurowissenschaftlern von Perspective Daily und Verena, die Tag für Tag ihre Abreise verschob, weil dieses Brainy-Kostüm nicht fertig wurde und sie sich emotional nicht lösen konnte. Sie war vollkommen gefangen von der Sache, es war herrlich. Und so finden sich plötzlich lauter eben noch wildfremde Menschen zusammen und basteln eine Gehirnpuppe mit Damenstrumpfhosen und Füllwolle. Wie grandios ist das? Ich finde das sehr bezeichnend.

Wirst du dich auch nach der Crowdfunding-Kampagne für Perspective Daily einsetzen?

Nora: Absolut. Eine solche Idee, an die du einmal glaubst und die dir sinnvoll erscheint für dein Leben, die lässt dich nicht mehr los. Ich freue mich jetzt schon wahnsinnig darauf!

Titelbild: ZDF - copyright

 

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