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Reportage 

Wie heute einer jüdischen Gemeinde der Alltag gelingt

Nicht erst seit dem Anschlag in Halle nimmt Antisemitismus in Deutschland wieder zu. Patentrezepte dagegen gibt es nicht – aber in einem Kölner Begegnungszentrum hat man Wege gefunden, mit dem Hass umzugehen.

27. Januar 2020  10 Minuten

Wir sind schon eine ganze Weile im Gespräch – aber erst, als es um einen Bericht der »Jüdischen Allgemeinen« zum verbalen Angriff auf den Kölner Rabbiner (April 2019) verbalen Angriff gegen den Rabbiner seiner Kölner Gemeinde in der Straßenbahn geht, Dany Meyer sagt, der Rabbiner seiner Kölner Gemeinde sei in der Straßenbahn »dumm angemacht« worden. Die »Jüdische Allgemeine« (in diesem Textabschnitt separat verlinkt) schildert den Vorfall vom April 2019, der Angreifer habe Rabbiner Yechiel Brukner den Tod gewünscht. Seitdem nutzt Brukner einen Dienstwagen. fällt Dany Meyer auf, dass er noch seine Kippa trägt. Vor unserem Treffen im jüdischen Begegnungszentrum hat er noch am Morgengebet teilgenommen, das hier 2-mal wöchentlich stattfindet. Er löst die Haarklammer und nimmt die gehäkelte, beige Kippa vom Kopf. Dann faltet er sie sorgfältig zusammen und steckt sie in die rechte Hosentasche. Über die Leute, die Juden in der Öffentlichkeit beleidigen oder anspucken, sagt der 65-Jährige: »Die meisten haben noch nie jüdische Menschen persönlich kennengelernt.« Dany Meyer ist ehrenamtlich im Beirat der Gemeinde aktiv, neben seinem Beruf als Goldschmied und Juwelier. Auf der Straße trägt er keine Kippa – wohl eher, weil er seine Religion nicht zu sehr zur Schau stellen will.

Die Kölner Synagogengemeinde ist mit ihren 4 Standorten und 4.100 Mitgliedern nicht nur die älteste, Bericht des »Kölner Stadtanzeigers« über die Mitgliederzahl der jüdischen Gemeinden in NRW (2019) sondern auch eine der größten in Deutschland. Rund 800 von ihnen gehen seit 2009 im Begegnungszentrum im Stadtteil Chorweiler ein und aus. Wie trotzen die Jüdinnen und Juden dort dem Antisemitismus im Alltag?