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Ist man krank, nur weil man »anders« im Kopf ist?

Für die meisten Menschen sind ADHS und Autismus Krankheiten. Höchste Zeit, das zu überdenken – und Neurodiversität zu begrüßen, statt sie abzulehnen.

7. Mai 2020  10 Minuten

Diesmal war sie gut vorbereitet, sie musste einfach bestehen – da war sich Ayda Grossmann sicher! Sie hatte schließlich viel gelernt und auch die depressiven Phasen, die sie früher oft vom Lernen abgehalten hatten, waren seltener geworden. Früher in der Schule und jetzt im Studium hatte sie manchmal Schwierigkeiten, Prüfungen gut oder überhaupt zu bestehen. »Ich dachte: Top! Ohne die Depression ist mein Weg mit Gold gepflastert. Alles wird besser!«, erinnert sich die 32-Jährige. Umso härter traf es die Lehramtsstudentin, als sie – mitten im Urlaub – erfuhr, dass sie die Klausur nicht bestanden hatte.

Die Depression konnte nun nicht mehr der Grund für ihre Lernschwierigkeiten sein – doch was war es dann?

Eine Ärztin half ihr schließlich dabei, dem Problem auf die Spur zu kommen. »Das werde ich nie vergessen!«, sagt Ayda über den Moment, als sie erfuhr, was der Grund für ihre Schwierigkeiten war: Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) lautete die Diagnose.

Aber es sollte noch eine Weile dauern, bis Ayda ihr Anderssein nicht als ein persönliches Defizit, sondern einfach als andere, aber ebenbürtige Ausprägung des Gehirns verstehen konnte.

ADHS: »Der Regler ist immer auf voller Lautstärke«

Nach ihrer Diagnose versuchte sie zu begreifen, was ADS eigentlich ist. Mithilfe von Internet und Büchern fand sie heraus, dass es sich dabei um eine Unterform des Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndroms (ADHS) ADHS zählt zu den neurologischen Entwicklungsstörungen; sie ist eine der häufigsten Störungen im Kindes- und Jugendalter. Es wird davon ausgegangen, dass 3–5% der Kinder in einer Population, beispielsweise der deutschen Bevölkerung, ADHS haben. Die Krankheitswahrscheinlichkeit bei Erwachsenen wird auf 2,5% geschätzt. Aber diese Angaben schwanken, je nachdem, welcher Katalog für die Diagnose eingesetzt wird. In Deutschland wird vor allem die Klassifikation »ICD-10« der »Weltgesundheitsorganisation« (WHO) verwendet. In diesem Diagnosekatalog sowie im »DSM-5«, das vorwiegend in den USA benutzt wird, lauten die Kernsymptome für ADHS: Unaufmerksamkeit, Impulsivität und/oder motorische Unruhe. Zum Beispiel können ADHSler:innen Details beim Arbeiten übersehen oder sie können routinierte Abläufe nur mit hohem geistigem Aufwand durchführen. Es wird vermutet, dass ADHS vererbbar ist. Hat ein direkter Verwandter ADHS, dann steigt die Krankheitswahrscheinlichkeit auf das 5–9-Fache. handelt, Die Universitätsklinik Köln betreibt ein umfangreiches Informationsportal zu ADHS, worauf auch das »Bundesgesundheitsministerium« verweist die sich weniger durch Hyperaktivität auszeichnet.