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Eine Ostquote im Jahr 2020? Warum das sinnvoller wäre, als du denkst

Wie viele Ostdeutsche arbeiten in Spitzenpositionen auf Bundesebene? Die Antwort darauf ist ein Armutszeugnis – 30 Jahre nach der Wiedervereinigung. Ein Plädoyer für eine Ostquote

14. Juli 2020  4 Minuten

Brauchen wir 30 Jahre nach der Wiedervereinigung eine Ostquote? Wer sich noch nie mit diesem Thema auseinandergesetzt hat, dem wird das erst mal komisch vorkommen. Schließlich wird Deutschland von einer ostdeutschen Frau regiert, bis vor Kurzem war ein Ostdeutscher Bundespräsident. Warum sollte es bitte so etwas wie eine Quote brauchen? Doch der Schein trügt. Ebenso wenig wie Merkel die Chancengleichheit von Frauen verkörpert, kann ihre Wahl als Gleichstellung von Ost und West gewertet werden. Denn sie ist immer noch die Ausnahme von der Regel.

3 Fragen zur Gleichstellung von Ostdeutschen (Die Lösungen erfährst du am Ende des Quiz)

Eine Studie der Universität Leipzig im Auftrag des MDR ergab im Jahr 2016, dass nur Hier könnt ihr euch die Studie »Wer beherrscht den Osten?« herunterladen (2016, PDF) 1,7% der Spitzenpositionen auf Bundesebene von Ostdeutschen besetzt werden. Eine angemessene Repräsentation ist das nicht. Der Bevölkerungsanteil der Ostdeutschen in Deutschland ist rund 10-mal so hoch. Selbst in den neuen Bundesländern ist die Repräsentation gering. Nur 1/4 der Spitzenpositionen haben gebürtige Ostdeutsche inne – Eine Einschätzung des Kommissionsvorsitzenden Matthias Platzeck beim »Redaktionsnetzwerk Deutschland« (2020) bei einem Bevölkerungsanteil von 85%. Das zeigt eine Studie der Regierungskommission »30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit«, die dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vorliegt. Es gibt keine:n ostdeutschen Universitätsdirektor:in in Deutschland, nur 2% der DAX-Vorstände stammen aus Ostdeutschland und erst am Freitag, dem 3. Juli 2020, wurde zum ersten Mal ein Richter aus dem Osten an das Bundesverfassungsgericht berufen.

Mit Illustrationen von Doğu Kaya für Perspective Daily

von Tobias Zuttmann 
Tobias Zuttmann ist in Jena geboren, in Naumburg aufgewachsen und studierte Journalismus in Ansbach und Hamburg. Jetzt arbeitet er als freier Journalist. Am liebsten berichtet er konstruktiv statt destruktiv und über Menschen, die versuchen, die Welt ein bisschen besser zu machen.
Themen:  Gesellschaft   Deutschland  

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