Wie laut darf man über Hautfarben lachen?

So laut, dass ich als Europäerin zusammenzucke. Und merke: Wir können einiges von der Comedyszene in Südafrika lernen.

24. Mai 2017  10 Minuten

Wer pflichtbewusst das Apartheid-Museum am Rande Johannesburgs besucht, dem fallen die Pfeiler vor dem futuristischen Gebäude ins Auge. Sie symbolisieren mit rostroten Schriftzügen die Prinzipien, auf denen das neue Südafrika aufbaut. Ausgerechnet der Pfeiler mit dem Wort »Demokratie« wird gerade renoviert. Eine Ironie, die zeigt, dass wir in einem Land unterwegs sind, in dem die Witze auf der Straße zu liegen scheinen.

Erst 1994 ist die Apartheid, ein System der Rassentrennung, zu Ende gegangen. 1991 wurden die Gesetze, welche Rassentrennung für alle Bereiche des Lebens vorgeschrieben hatten, nach jahrzehntelangen Protesten abgeschafft. 1994 fanden die ersten demokratischen Wahlen statt, und Nelson Mandela vom African National Congress (ANC) wurde zum ersten Präsidenten gewählt. Seitdem sucht die junge Demokratie nach einem Weg in die Zukunft. Wenig hilfreich sind dabei große Ungleichheiten in der Gesellschaft, ein Präsident, der sich skandalgebeutelt an die Macht klammert, Jacob Zuma vom African National Congress (ANC) sieht sich aufgrund von Korruptionsvorwürfen und verletzten Wahlversprechen landesweiten Protesten ausgesetzt. und ein weiterhin tief verankerter Rassismus. Wer nicht daran verzweifeln will, muss darüber lachen.

Komik ist in Südafrika allgegenwärtig. Comedians und Manager der Szene vermuten, dass Comedy die am schnellsten wachsende Unterhaltungsindustrie des Landes ist. Egal ob in einer Studentenbar in Johannesburg, auf einem öffentlichen Marktplatz in Durban oder am Kapstädter Hafen, schnell wird klar, dass Südafrikaner einen besonderen Sinn für Humor haben. Unangestrengt lachen sie über sich selbst und furchtlos über alles andere.

Während meiner Spurensuche durchs Land habe ich entdeckt, wie sich Südafrika auf humoristische Weise selbst therapiert und was wir im kühlen Norden davon lernen können.

Titelbild: Edward Morgan - CC BY-SA

von Susanne Veil 

Susanne Veil lebt in Wien. Sie hat Germanistik und Sprachwissenschaft studiert, um Sprache von der Literatur bis zur Grammatik in ihre Bestandteile zu zerlegen. So interessiert sie sich für Kunst und das, was sie mit uns macht. Als freie Journalistin schreibt sie über Kultur und Kulturpolitik.

Themen:  Afrika   Politik  

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