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Wenn du zuschlägst, drücke ich den Auslöser

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Moritz Gräfrath

Wenn du zuschlägst, drücke ich den Auslöser

12. Juli 2017

Das habe ich von einer israelischen Organisation gelernt.

Am internationalen Flughafen O’Hare in Chicago gibt es ein Problem: Warum verkaufen Airlines überhaupt zu viele Tickets? Das erklärt dieses TED-Ed-Video (englisch) Eine United-Airlines-Maschine ist überbucht. Ein Passagier soll das Flugzeug verlassen, aber niemand meldet sich freiwillig. Also lost die Airline aus, wer gehen muss. Es trifft David Dao, einen Arzt, der in den 70er-Jahren aus Vietnam in die USA einwanderte. Er weigert sich – woraufhin ihn Polizisten mit Gewalt aus dem Flugzeug zerren. Die anderen Passagiere protestieren lautstark und rufen durcheinander: »Was tun Sie da? Das ist falsch!« Während Dao über den Boden geschleift wird, zücken viele Mitreisende ihre Handys und filmen den Vorfall. Dieses Video von Business Insider auf YouTube zeigt Originalaufnahmen des Vorfalls (englisch) Die Videos gehen um die Welt und erreichen binnen kurzer Zeit Millionen von Zuschauern auf YouTube.

Die Handyaufnahmen aus Chicago zählen zu den zahllosen Videobeweisen für Gewalt, wie wir alle sie meist nur aus den Nachrichten kennen: Polizisten gegen Demonstranten, Sicherheitskräfte gegen Zivilisten, schockierende Einzelvorfälle. Viele davon schaffen es in die Medien – aus gutem Grund. Bewegte Bilder ermöglichen es uns, die brisantesten Situationen nachzuempfinden, ohne selbst dabei gewesen zu sein. Doch was leicht in Vergessenheit gerät: Am 4. Mai 2016 versuchte ein Palästinenser zu filmen, wie israelische Siedler palästinensische Mädchen mithilfe eines Hundes drangsalierten. Einer der Siedler schlug den Filmenden nieder Hinter jedem Video steckt eine reale, gefährliche Situation – und eine Person, die mittendrin ist.

Setup: Die israelische NGO B’Tselem

Kaum jemand weiß das so gut wie die israelische Menschenrechtsorganisation B’Tselem B’Tselem (englisch) ist eine israelische Nichtregierungsorganisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Menschenrechtsverletzungen in den besetzten Gebieten nachzuweisen. Sie wurde im Jahr 1989 gegründet und wird hauptsächlich von ausländischen Regierungen finanziert, so beispielsweise von der EU, der Schweiz, Frankreich und den Niederlanden. – frei übersetzt: Ebenbild. Der Name ist Genesis 1:27 entnommen. Dort steht beispielsweise nach der Neuen evangelistischen Übersetzung: »Da schuf Gott den Menschen nach seinem Bild, als sein Ebenbild schuf er ihn.« Laut B’Tselem wird der Ausdruck ebenfalls als Synonym für menschliche Würde verwendet. In den deutschen Medien fiel ihr Namen in letzter Zeit vor allem deshalb vermehrt, weil sich Außenminister Gabriel bei seiner ersten Nahostreise mit den Verantwortlichen der Organisation getroffen hatte. Gabriel traf sich mit B’Tselem und Breaking the Silence (englisch). Letzteres ist eine von israelischen Veteranen gegründete Organisation, die es ehemaligen Soldaten ermöglichen will, offen und ehrlich über ihre Erlebnisse und Taten im Dienst des israelischen Militärs zu berichten. Das führte zu einem diplomatischen Eklat: Ein Bericht der Deutschen Welle über den Vorfall (englisch) Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte aus Empörung ein geplantes Treffen mit Gabriel ab.

Netanjahu versprach, B’Tselem vom nationalen Freiwilligendienst auszuschließen (englisch, 2016) Die israelische Demokratie fördert solch schäbige und verwirrte Organisationen wie B’Tselem, aber die Mehrheit der Öffentlichkeit kennt die Wahrheit. – Benjamin Netanjahu

Seine Ablehnung rührt daher, dass sich Organisationen wie B’Tselem offen gegen seine Regierung und das israelische Militär stellen – und zwar wegen der schlechten Behandlung der Palästinenser.

Das konkrete Ziel der NGO ist es, über das Geschehen in den palästinensischen Gebieten Ich habe mich dafür entschieden, in diesem Artikel von den palästinensischen Gebieten zu reden, um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass Palästina aktuell – wie vor allem die Besatzung durch das israelische Militär zeigt – kein souveräner Staat ist. Im Jahr 2012 machte die UN Palästina offiziell zum beobachtenden Nicht-Mitglied. 137 der 193 UN-Mitgliedsstaaten (englisch) erkennen den Staat Palästina offiziell als souverän an. aufzuklären. Das Mittel dazu sind Videos, die möglichst viele Menschen in Israel und darüber hinaus zu sehen bekommen sollen. Die hier vorgestellte Arbeit ist im sogenannten »Camera Distribution Project« organisiert. Das Projekt feiert dieses Jahr sein 10-jähriges Jubiläum. Es wurde international mehrfach ausgezeichnet. Hier schreibt Dirk Walbrühl über Bürgerjournalisten und wie du selbst einer werden kannst Das erinnert an Bürgerjournalismus – hier eben als Mittel zum gewaltfreien Widerstand. Doch nicht nur das: Die Aufnahmen können sogar dabei helfen, Menschenleben zu schützen.

Dass Bildmaterial besonderes gut darin ist, Aufmerksamkeit für ein Problem zu erregen, wurde mehrfach wissenschaftlich untersucht und bestätigt: Zum Profil von Paul Slovic auf der Seite der Universität (englisch) Der Psychologe Paul Slovic von der University of Oregon in Eugene Die erwähnte Studie von Slovic et al. (englisch, 2016) zeigte beispielsweise, dass das Foto des syrischen Jungens Aylan Kurdi, wie er leblos mit dem Gesicht nach unten an einem türkischen Strand liegt, stärkere Reaktionen bei Unbeteiligten hervorrief als vorherige schriftliche Berichte über Hunderttausende Opfer in Syrien. Unter anderem äußerte sich dies in deutlich gestiegenen Spenden für Syrien in der Woche nach der Veröffentlichung des Bildes.

Damit B’Tselem nicht auf zufällig eingesendetes Material angewiesen ist, hat die Organisation Struktur in die Sache gebracht und rund 200 Kameras an Bewohner des Westjordanlands Geografisch erstreckt sich das Gebiet auf rund 5.800 Quadratkilometern, die zwischen Israel und Jordanien liegen. Das Westjordanland, Ostjerusalem und der Gazastreifen sind jene palästinensischen Gebiete, die im Sechstagekrieg im Juni 1967 von Israel besetzt wurden. Das Westjordanland ist seit dem Osloer Abkommen aus dem Jahr 1993 in verschiedene Zonen unterteilt. Zone A und B machen jeweils einen Anteil von rund 20% aus, während Zone C ca. 60% umfasst. Dabei steht Zone A komplett unter Kontrolle der palästinensischen Autonomiebehörde; in B teilen sich beide Mächte die Befugnisse. Zone C wird von der israelischen Militärbehörde verwaltet und gehört nach israelischem Verständnis zum israelischen Staatsgebiet. In verschiedenen völkerrechtlich bindenden Resolutionen hat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ein Ende dieser Besatzung gefordert. und Ostjerusalems Ostjerusalem umfasst die Altstadt von Jerusalem mit den heiligen Stätten der Juden und des Islams sowie die Gebiete östlich von Jerusalem. Im Jahr 1967 von Israel annektiert, ist der Status von Ostjerusalem bis heute umstritten. Die internationale Staatengemeinschaft erkennt die Annexion Jerusalems durch Israel bis heute nicht an. Das ist auch der Grund dafür, dass die meisten internationalen Botschaften und auch zahlreiche Medienkorrespondenten in Tel Aviv sitzen. Auch US-Präsident Donald Trump ist mittlerweile von seinem Plan abgerückt, die US-Botschaft nach Jerusalem zu verlegen. Kurz nach seiner Wahl zum Präsidenten hatte er als neuen Botschafter den Netanjahu-freundlichen Rechtsanwalt David Friedman vorgestellt. verteilt. Diese ausgewählten Freiwilligen nutzen die Kameras dazu, ihren Alltag und bestimmte Ereignisse festzuhalten. Ein Ort, an dem besonders viel Material entsteht, ist die Stadt Hebron.

Die im Folgenden eingebundenen Bilder sind von der palästinensischen Künstlerin/Fotografin Ahlam Shibli. Untertitel und Beschreibungen stammen von ihr, wurden auf ihren Wunsch hin unbearbeitet übernommen und spiegeln nicht zwingend die Meinung des Autors wider. Die Bilder sind Teil ihres Werks »Occupation (Al-Khalil, Palestine 2016–17)«, das sie dieses Jahr erstmalig auf der documenta 14 in Athen präsentiert hat.

Quelle: Ahlam Shibli copyright

Ahlam Shibli, Ohne Titel (Occupation no. 1), al-Khalil, Palästina, 2016–17, Chromogener Abzug, 100 x 150 cm. © Ahlam Shibli Islamischer Friedhof, al-Shuhada Street, Hay al-Yahud/Avraham Avinu Siedlung, Altstadt, nördlicher Teil der Stadt, al-Khalil, 25. Dezember 2016.

Blick vom al-Rahma Hügel. Juden haben freien Zugang zur al-Shuhada Street; für Palästinenser ist der Zugang nur möglich, wenn sie Anwohner sind, die von der israelischen Armee (IDF) am Checkpoint registriert sind – und nur zu Fuß. Sie müssen ihre Registrierung jedes Jahr erneuern. Alle palästinensischen Läden auf der al-Shuhada Street und in der Hay al-Yahud/Avraham Avinu Siedlung sind per israelischer Militärorder geschlossen. Infolge ständiger Schikane durch israelisches Militär und Siedler sind die meisten palästinensischen Häuser verlassen.

Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin, © Ahlam Shibli

Hebron Der arabische Name der Stadt ist al-Khalil. Viele Städte in den palästinensischen Gebieten haben einen arabischen und einen hebräischen Namen: Sie werden von israelischer Seite umbenannt, die arabische Bevölkerung benutzt jedoch weiterhin den ursprünglichen arabischen Namen. Im Englischen und Deutschen wird der Name Hebron verwendet. ist die zweitgrößte Stadt in den palästinensischen Gebieten – nach Gaza-Stadt – und liegt im südlichen Teil des Westjordanlands, etwa 30 Kilometer von Jerusalem entfernt. ZEIT Online berichtete über die Entscheidung der UNESCO und die darauf folgende Kritik aus israelischen Reihen (2017) Seit Anfang Juli ist die Altstadt von Hebron UNESCO Weltkulturerbe. Nirgendwo sonst ist der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern Traurige Höhepunkte der Auseinandersetzungen waren die Erste (1987–1993) und Zweite Intifada (2000–2005) sowie 3 Gazakriege (2008–2009, 2012, 2014) und der Sechstagekrieg (1967). Die Hoffnungen in den 1990er-Jahren nach dem Osloer Abkommen 1993 gelten mittlerweile als verflogen – die aktuelle israelische Regierung unter Benjamin Netanjahu rühmt sich als »Siedler-freundlichste Regierung« der Geschichte und schafft mit völkerrechtlich illegalem Siedlungsbau weiter Fakten. Dieser Beitrag aus der Serie »Direct from Dena« des Online-Senders AJ+ zeigt Bilder von einem Zusammenstoß zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten in Hebron (englisch, 2015) auf derart engem Raum zu beobachten.

Die Stadt ist zweigeteilt. Im Jahr 1997 wurde mit dem »Hebron-Protokoll« eine Teilung der Stadt in 2 verschiedene Zonen unterschrieben. Hebron ist die einzige Stadt in den palästinensischen Gebieten, in der eine solche Regelung eingeführt wurde. Nur hier grenzen – nach internationalem Recht illegale – israelische Siedlungen unmittelbar an von Palästinensern bewohnte Häuser. Üblicherweise befinden sich diese Siedlungen an den Stadträndern oder zwischen Ortschaften in der West Bank, jedoch nie mitten im Stadtzentrum. Die Gebäude stehen jedoch nicht nur nebeneinander, sondern sogar aufeinander: In der Altstadt wurden israelische Neubauten teils einfach auf bestehende Strukturen gesetzt.

Der Spiegel berichtete im Zuge des Streits zwischen Gabriel und Netanjahu auch über Gabriels Besuch in Hebron (2017) Ich war gerade in Hebron. Das ist ein Apartheid-Regime, für das es keinerlei Rechtfertigung gibt. – Sigmar Gabriel, SPD-Vorsitzender (2012)

Israelische Soldaten kontrollieren die Straßen Hebrons, oft auch auf palästinensischer Seite. Manche Straßen dürfen Palästinenser nicht betreten. B’Tselem-Video über die Trennung einer Straße in Hebron (englische Untertitel, 2015) Auf anderen gibt es eine Seite für Israelis und eine für Palästinenser. Zusätzlich werden wichtige Zugangswege von sogenannten »Checkpoints« unterbrochen. Diese Kontrollstationen schränken die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung noch stärker ein, als es die Mauer um das Westjordanland bereits tut. In diesem Artikel beschreibt Tatjana Mischke das Problem. Die palästinensischen Bewohner haben kaum rechtliche Mittel, sich zur Wehr zu setzen gegen Übergriffe durch israelische Siedler Dies zeigt sich zum Beispiel in einem Bericht der israelischen Menschenrechtsgruppe Yesh Din zum Thema Strafverfolgung im Westjordanland. Der Bericht analysiert unter anderem, wie die israelischen Autoritäten mit potenziellen Fällen von ideologisch motivierten Verbrechen umgehen, die von israelischen Bürgern verübt wurden. In den Jahren 2013–2016 wurde nur in 8,2% der Fälle, die Yesh Din überwacht hat, tatsächlich Anklage erhoben (englisch). Beitrag bei Haaretz über die Behandlung palästinensischer Kinder durch das israelische Militär (englisch, hinter Paywall) oder widerrechtliche Behandlung durch das Militär.

Ein Bericht bei Haaretz über die Kfir-Brigade (englisch, 2008) Hebron ist wie der Wilde Westen, und die Armee ist das Gesetz – israelischer Soldat in der sogenannten Kfir-Brigade

Quelle: Ahlam Shibli copyright

Ahlam Shibli, Ohne Titel (Occupation no. 30), al-Khalil, Palästina, 2016–17, Chromogener Abzug, 100 x 150 cm. © Ahlam Shibli Al-Sahleh Street, al-Qaitoun Viertel, Altstadt, al-Khalil, 27. Januar 2017.

Der Abu al-Rish Checkpoint auf der al-Sahleh Street, südlich von al-Haram al-Ibrahimi (Abrahamsmoschee/Grab der Partriarchen) ist nach der Abu al-Rish Moschee und dem Schrein daneben benannt. Der Checkpoint trennt die beiden Viertel Abu Sunaina und al-Qaitoun von den Vierteln der Altstadt. Außerdem trennt er das Viertel von der ältesten Schule in al-Khalil, der al-Ibrahimeyeh Schule, und der al-Hajariya Mädchenschule. Palästinenser dürfen den Checkpoint nur zu Fuß passieren. Die Infrastruktur des Checkpoints wurde im Juli 2016 weiter ausgebaut. Seit der Wiedereröffnung hindert das israelische Militär Palästinenser zwischen sechzehn und vierunddreißig am Passieren.

Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin, © Ahlam Shibli

Play: Gewalt vor der Kamera

Schnitt. Hebron am 24. März 2016. 2 Palästinenser attackieren einen israelischen Soldaten mit Messern. Sie verletzen ihn. Seine Kameraden eröffnen das Feuer. Einer der Palästinenser stirbt durch die Schüsse. Der andere liegt gekrümmt am Boden. Soldaten und Sanitäter eilen heran. Plötzlich fällt erneut ein Schuss.

Der israelische Sanitätssoldat Elor Azaria tötet Abed al-Fatah a-Sharif mit einer Kugel in den Kopf – Das UN Human Rights Office of the High Commissioner veröffentlichte dieses Statement und stützte darin die Ansicht, dass es sich um eine illegale Hinrichtung gehandelt hat (englisch) eine illegale Hinrichtung. Ein Anwohner hält den Vorfall auf Video fest. Er sendet die Aufnahme an Mitarbeiter von B’Tselem, welche diese über ihre Kanäle verbreitet. Auch dieses Video geht um die Welt.

Warnung: Das folgende Video enthält gewalttätige Darstellungen. Daher ist es auch nur für volljährige Nutzer mit einem YouTube-Account einsehbar.

Elor Azaria erschießt den außer Gefecht gesetzten Abed al-Fatah a-Sharif, nachdem dieser einen Messerangriff auf einen israelischen Soldaten verübt hat.

Settings: Neue Perspektiven durch die Linse

Ohne die Videoaufnahme wäre der Vorfall in Vergessenheit geraten. Das Bildmaterial sorgte für einen großen Aufschrei, sowohl in Israel als auch in anderen Teilen der Welt. Zum einen luden viele Menschen das Video auf Online-Plattformen wie YouTube oder LiveLeak ist eine britische Video-Plattform, welche auch besonders brutale Bilder zeigt, die auf YouTube nicht hochgeladen werden dürfen (englisch) LiveLeak hoch, zum anderen griffen viele Nachrichtenredaktionen darauf zurück. Doch nicht nur der Inhalt des Videos wurde breit diskutiert und rezipiert. Auch das Video selbst wurde zum Gegenstand der Berichterstattung. Es »ging viral«, wie man im Internet sagen würde. Und das mit Folgen.

Das Video diente als wichtiges Beweismittel gegen Elor Azaria. Nicht nur im Prozess spielte das Video eine große Rolle: Ihm ist es mutmaßlich ebenfalls zu verdanken, dass der Vorfall überhaupt von offizieller Seite untersucht wurde. Der Prozess gegen ihn erregte gerade auch deshalb großes Aufsehen, Üblicherweise werden israelische Soldaten in einem solchen Falle für deutlich harmlosere Delikte verurteilt, wie zum Beispiel das illegale Abfeuern einer Waffe (englisch, 2016, hinter Paywall) weil es extrem selten ist, dass ein Gericht einen israelischen Soldaten überhaupt verurteilt – auch nicht für Totschlag.

Innerhalb Israels gibt es eine ausgeprägte Kultur der Verleugnung, was die Besatzung angeht. Jedes Mal, wenn wir ein Video rausbringen können, das so stark und daher nicht zu verleugnen ist, ist das ein großer Sieg für uns und das Projekt. – Amit Gilutz, Pressesprecher B’Tselem

Quelle: Ahlam Shibli copyright

Ahlam Shibli, Ohne Titel (Occupation no. 24), al-Khalil, Palästina, 2016–17, Chromogener Abzug, 40 x 60 cm. © Ahlam Shibli Alte al-Shallalah Street, Altstadt, al-Khalil, 25. November 2016.

Um die Beit Romano Siedlung zu schützen, hat die israelische Armee (IDF) diesen Beobachtungsposten auf dem Dach des Hauses der al-Haddad Familie errichtet.

Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin, © Ahlam Shibli

Doch wie genau geht B’Tselem die Sache an? Im Gespräch erklärt Pressesprecher Amit Gilutz, wie der Prozess im Detail abläuft:

  1. Ein Freiwilliger mit Kamera In den meisten Fällen kommt ein Freiwilliger auf eine Kamera. Manche Familien teilen sich jedoch auch ein Gerät. Wer immer es gerade benötigt, greift dann darauf zurück. bemerkt einen Vorfall und beginnt zu filmen.

  2. Über WhatsApp meldet er sich beim »Field Researcher« Die Field Researcher sind Palästinenser, die in den ihren zugeteilten Gebieten leben und arbeiten. Sie befinden sich im Westjordanland, in Ost-Jerusalem und dem Gazastreifen. Sie sind B’Tselems Quelle für das unbearbeitete Material. B’Tselems in der jeweiligen Region oder direkt bei der Videoabteilung der Organisation.

  3. Der »Field Researcher« sammelt Aufnahmen, Zeugenberichte und andere relevante Daten zum jeweiligen Vorfall und sendet diese gebündelt an das Büro in Jerusalem.

  4. B’Tselem schätzt ein, wie dringend eine schnelle Veröffentlichung des Videos ist. Außerdem wird eine »hard copy« des Materials Dies könnte zum Beispiel ein USB-Stick mit der originalen Videodatei sein. angefordert.

  5. Das Material wird verifiziert. Dafür werden die Aufnahmen unter anderem mit Zeugenaussagen und anderen verfügbaren Daten verglichen. Ein Beispiel, wie solch eine Prüfung und Verknüpfung verschiedener Quellen durchgeführt werden kann, zeigt diese Analyse der New York Times (englisch).

  6. Eventuell wird das Video geschnitten. Um Fälschungsvorwürfen vorzubeugen und den eigenen Transparenzansprüchen gerecht zu werden, wird aber auch immer all das Material, das vorliegt, unbearbeitet zur Verfügung gestellt.

  7. Das Video wird veröffentlicht. Dies geschieht vor allem über Hier geht es zur Homepage von B’Tselem (englisch) die Homepage und Der YouTube-Account von B’Tselem (englisch) den YouTube-Account von B’Tselem. Außerdem sendet die Organisation ausgewählte Videos an Nachrichtenredaktionen.

  8. Alles nicht auf diese Weise publizierte Material wird in den riesigen Videoarchiven der Organisation in Westjerusalem gespeichert und öffentlich zugängig gemacht.

Quelle: Ahlam Shibli copyright

Ahlam Shibli, Ohne Titel (Occupation no. 29), al-Khalil, Palästina, 2016–17, Chromogener Abzug, 40 x 60 cm. © Ahlam Shibli Bani Salim Street, al-Salaimeh Viertel, Altstadt, al-Khalil, 27. Januar 2017.

In der Nähe des Checkpoints an der Ecke Bani Salim Street und al-Mahawer Street, der das al-Salaimeh Viertel von der Altstadt trennt. Die Familien haben mehrere Metallgitter installiert, um sich vor Steinen und anderen Gegenständen zu schützen, die Siedler auf dem Weg zum Me'arat Ha-Makhpela (Grab der Patriarchen) auf sie werfen. Palästinenser dürfen diese Straße nicht mit Autos befahren.

Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin, © Ahlam Shibli

B’Tselem bietet neben den Kameras auch halbtägige Workshops an, Mindestens 2 davon sind Pflicht für jeden Freiwilligen. in denen sich die Freiwilligen auf ihren Einsatz vorbereiten. Dort lernen sie die rechtlichen Grundlagen ihrer Arbeit »Eigentlich gibt es keine rechtlichen Einschränkungen, was das Filmen von Soldaten im Dienst angeht.«, erläutert Amit Gilutz. Trotzdem gibt es Ausnahmen: Die Freiwilligen dürfen nichts filmen, was Geheiminformationen enthält. Militärgebäude und -komplexe, Geheimdienstagenten und Gerichtsverhandlungen sind tabu. In diesen Fällen gäbe es dann eine rechtliche Grundlage, gegen den Filmenden vorzugehen. Was aber mit der täglichen Umgebung der Menschen zu tun hat, stellt kein Problem dar. und den richtigen Umgang mit der Kamera: von der technischen Bedienung über Speicherung bis zur Archivierung der Dateien.

Record: Das perfekte Beweisvideo

Ein gutes Beweisvideo dreht sich jedoch nicht einfach so. Die folgenden Tipps gelten nicht nur für die Arbeit in den palästinensischen Gebieten, sondern können auch hierzulande hilfreich sein:

  1. Mach Bill Gentile von der American University in Washington, D.C., hat hier eine Auswahl an Tipps für Rucksackjournalisten zusammengetragen (englisch) deinen Körper zum Stativ!

    Richte die linke Hüfte zum Objekt aus. An alle Linkshänder: Einmal alles spiegelverkehrt denken!

    Drück beide Ellenbogen eng an deinen Körper. Die Arme hältst du rechtwinklig.

    Mit der linken Hand hältst du die Kamera von unten – wie auf einem Sockel. Mit der rechten Hand greifst du nun ebenfalls nach der Kamera und bedienst sie.

  2. Film Hinweise auf Zeit und Ort! Solche Hinweise sind vor allem wichtig, wenn es darum geht, Videos zu verifizieren und verschiedene Quellen zusammenzuführen. Ein Beispiel: Eliot Higgins vom Recherchenetzwerk Bellingcat, der frei verfügbare Daten nutzt, um bestimmte Zusammenhänge aufzudecken.

    Gibt es Sehenswürdigkeiten oder andere auffällige Ort, die es in der Form wohl nur an diesem Ort gibt?

    Film die Straße, auf der du stehst, und die Straßen, die von ihr abgehen. Wenn du dich bewegst: Sorg dafür, dass man sieht, wohin du abbiegst. Wie dies aussehen kann, zeigt Bellingcat hier (englisch) Das kann später dabei helfen, den Ort der Aufnahme zu verifizieren.

    Findet ein bekanntes Event in der Nähe statt, was dabei helfen kann, Datum und Uhrzeit zu bestätigen?

    Film auch das Wetter, denn Wetterdaten für jeden Ort auf der Welt sind frei zugänglich und können ein weiterer Hinweis auf die Echtheit eines Videos sein.

  3. Benutz im besten Fall eine Kamera anstelle deines Handys!

    »Es ist einmal die Bildqualität, aber auch der Sound«, erläutert Gilutz. Beides sei bei den verwendeten Camcordern einfach immer noch deutlich besser. Der Unterschied werde vor allem beim Ton der Videos deutlich: »Wenn eine Kamera in das Bild zoomt und wirklich die Worte aufnehmen kann, die gesprochen werden, ist das etwas, wovon die Mikrophone von Smartphones noch weit entfernt sind.«

  4. Misch dich nicht ein, bleib stiller Beobachter!

    Die Idee dahinter: »Das Material ist voraussichtlich von höherer Qualität und Wert, wenn der Filmer sich auf die Dokumentation konzentriert.«

    Natürlich gilt diese Empfehlung nicht immer: In bestimmten Momenten sollte man unbedingt helfen und nicht nur zusehen und filmen. Die Gefahrensituation muss aber jeder selbst einschätzen.

Auch wenn diese Tipps von jedem und überall angewandt werden können, ist Vorsicht geboten: Ohne einen professionellen Überprüfungsprozess, wie ihn B’Tselem anwendet, hat Bürgerjournalismus schnell ein Glaubwürdigkeitsproblem. Woher soll man schließlich sonst sicher wissen, wie man das nächste strittige Video im eigenen Facebookstream interpretieren soll? Einfach auf die Straße zu gehen und zu filmen ist also allerhöchstens die halbe Miete.

Save: Die Wirkung der bewegten Bilder

Das B’Tselem-Projekt aber ist ein Erfolg – mit konkreten positiven Auswirkungen auf das Leben der Palästinenser. So wurden bereits einige zu Unrecht verhaftete Palästinenser wieder freigelassen – Auch die palästinensische Medienagentur Alray berichtete (englisch) dank eines Freiwilligen von B’Tselem, der ihre Unschuld mit einer Aufnahme beweisen konnte. So geschehen im Fall der Familie Zaro aus Hebron (englisch): Die Familie hatte Siedler dabei beobachtet, wie sie unbefugt ihr Grundstück betraten. Sie riefen die Polizei an, um den Vorfall zu melden. Als die Soldaten eintrafen, ignorierten sie das Vergehen der Siedler und nahmen stattdessen die Palästinenser fest. Sh'hab a-Din, ein Freiwilliger von B’Tselem, hielt die Ereignisse mit der Kamera fest. Bei der folgenden Anhörung diente das Videomaterial als Beweis und wurde von der Richterin in ihrer Urteilsbegründung konkret als einer der Gründe für ihre Entscheidung erwähnt. Und auch auf die Beteiligten selbst wirkt das Projekt:

Das Projekt hat mir Selbstvertrauen gegeben. Früher lief ich die Hauptstraße entlang und hatte Angst, aber heute fühle ich mich sicherer … Bevor wir die Kameras bekommen haben, kamen die Siedler fast jeden Tag, jetzt kommt das nur noch selten vor. – Mahmoud Dana, Hebron

Ob die Filme von B’Tselem dazu führen, dass auch das israelische Militär weniger rücksichtslos und aggressiv vorgeht? Das wäre zu wünschen. Doch ein Abschreckeffekt lässt sich schwer nachweisen. Manche der Videos zeigen aber, dass die Präsenz einer Kamera durchaus als Kontrollmechanismus funktionieren kann – wie in diesem Fall: Am 9. Juli 2013 verhaften israelische Soldaten einen 5-jährigen Jungen, nachdem dieser einen Stein geworfen hat. Laut Gesetz kann er sich in diesem Alter aber noch gar nicht strafbar machen. Selbst die neue Regelung aus dem Jahr 2016, die das strafmündige Alter auf 12 gesenkt hat, hätte daran nichts geändert. Das Videomaterial eines anwesenden B’Tselem-Mitarbeiters zeigt, wie die Soldaten den Jungen und seinen Vater mitnehmen und für etwa 2 Stunden an einem Checkpoint festhalten. Hier findet sich eine Beschreibung des Vorfalls und eine Sammlung der aufgezeichneten Videos (hebräisch, 2013) An diesem Punkt tritt ein Offizier an die Soldaten heran und erklärt, wie in der veröffentlichten Aufnahme zu hören ist:

»All das schadet unserem Image. […] Neben ihm mit seiner Kamera sind vielleicht noch andere da, nicht nur B’Tselem. Es ist immer irgendein Scheißkerl mit einer Kamera da, dessen Job es ist, euch dabei zu erwischen, wie ihr einen unnötigen Fehler begeht.«

Vater und Sohn kommen frei.

Stopp: Die Kamera ist keine Wunderwaffe

Wenn wir hier in Deutschland an Kameraüberwachung denken, David Ehl und Nikola Schmidt diskutieren: Haben wir die Stasi geerbt? haben wir häufig ein ungutes Gefühl: Was ist mit der Privatsphäre der gefilmten Personen? Was ist mit ihren Persönlichkeitsrechten? Auch das Kameraprojekt könnten ähnliche Vorwürfe treffen. Wird damit nicht ein dezentraler Überwachungsstaat geschaffen? David Ehl hat in einem unserer Teamtexte das Leben mit dem Terror in Israel thematisiert Diese Einsprüche lässt Gilutz für die Situation im Westjordanland jedoch nicht gelten:

Quelle: Ahlam Shibli copyright

Ahlam Shibli, Ohne Titel (Occupation no. 15), al-Khalil, Palästina, 2016–17, Chromogener Abzug, 40 x 60 cm. © Ahlam Shibli 'Ain al-Qurneh Viertel, Altstadt, al-Khalil, 20. Dezember 2016.

Familien benutzen Metallfässer und andere mit Steinen, Schutt und Beton gefüllte Behälter, um ihre eigenen von den Nachbargrundstücken zu trennen.

Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin, © Ahlam Shibli

Ich denke, es kommt wirklich darauf an, wer die Kamera hält. Ist es der Staat und seine Sicherheitskräfte? Oder sind es Menschen, die diese Kameras als eine der wenigen Möglichkeiten nutzen, sich gegen schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen zur Wehr zu setzen? Von der Form her scheint beides ähnlich zu sein, aber weil die Machtstruktur asymmetrisch ist, ist die Funktion gegensätzlich. – Amit Gilutz, B’Tselem

Die obigen Argumente halten einer genaueren Betrachtung nicht stand. Denn alles Material, was B’Tselem veröffentlicht, wird vorher verifiziert und überprüft. Überhaupt wird nur eine Auswahl des Materials gezielt veröffentlicht. Und auch der Kritik, dass jede Aufnahme nicht mehr als eine subjektive Perspektive auf das Geschehen sein kann, wird durch das Vergleichen mit anderen Zeugenaussagen und Dokumenten vorgebeugt.

Prekäre Situationen zu filmen kann gefährlich werden. Viele Kameraleute werden angegriffen und am Filmen gehindert oder sie werden gezwungen, ihre Aufnahmen zu löschen. Gilutz macht klar: »Auch mit einer Kamera bleibt das Machtverhältnis zwischen Besatzer und Besetztem dasselbe.« Auch der Aktivist, welcher den »Hebron Shooting Incident« mit seiner Kamera festhielt, bekam dies zu spüren: Pressebericht über den Aktivisten und die persönlichen Folgen seiner Videoaufnahme (englisch) In sein Haus wurde eingebrochen, sein Eigentum wurde beschädigt und er bekam Hunderte Todesdrohungen.

Eine Kamera ist eben nicht nur eine Waffe im positiven Sinne, sondern auch eine Gefahr für die Person, die sie in der Hand hält. David Ehl erklärt, warum die Pressefreiheit auch für Breitbart gilt Nicht einmal professionelle Journalisten schützt die Pressefreiheit. Obwohl die Pressfreiheit in Israel »durch die Rechtsprechung als Grundrecht anerkannt« ist, merken Reporter ohne Grenzen in ihrer Übersicht zur Situation in Israel an: »Übergriffe der Armee gegen palästinensische und ausländische Journalisten in den Palästinensergebieten sind häufig und bleiben fast immer straflos. Reisebeschränkungen behindern die Arbeit vor allem palästinensischer, aber auch israelischer Journalisten.« Im Oktober 2016 befanden sich 26 palästinensische Journalisten in Gefangenschaft. Al-Jazeera-Bericht darüber, wie gefährlich der Beruf des Journalisten für Palästinenser ist (englisch, 2016) Fast alle von ihnen wurden ohne Anklage festgehalten.

Kein palästinensischer Journalist hat irgendeine Art Schutz, egal wo sie arbeiten, wenn es um Israel geht. – Aqeel Awadi, Journalist beim Radio FM 24 aus Ramallah

Und doch zeigt das Projekt, was geht – nicht nur in den palästinensischen Gebieten, sondern auch anderswo auf der Welt. Gilutz glaubt an die internationale Übertragbarkeit: »Technologie ist so allgegenwärtig geworden: Heutzutage hat fast jeder ein Smartphone, und jeder ist ein potenzieller Bürgerjournalist. Wir sehen ja auf der ganzen Welt, in so vielen verschiedenen sozialen und politischen Kämpfen, dass diese Formen der Dokumentation äußerst relevant und effektiv sind.«

In gewissem Sinne trägt folglich auch jeder Einzelne von uns die Verantwortung, über Geschehnisse und Situationen aufzuklären, wenn Informationen darüber Mangelware sind.

Woher stammt nur der Aberglaube, dass die Wahrheit sich selber Bahn breche? – Ernst Bloch, dt. Philosoph (1885–1977)

Prominente Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit zeigen, welchen Effekt die Gegenwart einer Kamera haben kann: So etwa auch in Chicago. Als sich die Videos aus der United-Airlines-Maschine weit verbreitet hatten, CNN bietet eine Übersicht über die Ereignisse rund um den United-Airlines-Eklat (englisch) folgte der internationale Aufschrei. Das Video verhinderte nicht die Tat, Bericht beim NPR über die Folgen des Vorfalls (englisch) doch am Ende musste sich die Fluggesellschaft entschuldigen und der Betroffene erhielt zumindest eine finanzielle Entschädigung. Außerdem löste der Vorfall eine Ein Beispiel für einen Artikel, der die wirtschaftliche Praxis von Fluggesellschaften diskutiert (englisch, 2017) Debatte über die wirtschaftliche Praxis von Fluggesellschaften im Allgemeinen aus.

Ob ein Projekt wie das von B’Tselem in einem Land funktionieren kann, hängt aber letztlich zum Teil auch von rechtlichen Regelungen ab: Ist das Filmen von Polizisten im Dienst erlaubt? Dürfen die Aufnahmen verbreitet werden? Für Deutschland sind diese Fragen gar nicht so leicht zu beantworten, wie zum Beispiel dieser Beitrag der Polizeigewerkschaft zeigt. Doch nicht nur das Filmen, auch das Anschauen solcher Videos – und das Teilen und Sprechen darüber – ist schon ein Teil der Lösung.

Informiert euch! […] Ich denke es ist wichtig, dass man Teil einer politischen Community wird. Das ist eine große Aufgabe für jeden von uns und etwas, nach dem wir stets streben sollten. Je erfolgreicher wir dabei sind, desto effektiver können wir jedwede Art von politischem Wandel in der Welt herbeiführen. – Amit Gilutz, B’Tselem

Quelle: Ahlam Shibli copyright

Ahlam Shibli, Ohne Titel (Occupation no. 13), al-Khalil, Palästina, 2016–17, Chromogener Abzug, 40 x 60 cm. © Ahlam Shibli Mini-Markt al-Badr, Bab al-Zawyeh Square, al-Shuhada Street, Altstadt, al-Khalil, 26. Januar 2017.

Die al-Shuhada Street, eineinhalb Kilometer lang, führt zur al-Haram al-Ibrahimi (Abrahamsmoschee/Grab der Patriarchen), dem zentralen Gemüsegroßmarkt der Region, der zentralen Bushaltestelle und der Polizeistation. Im Jahr 1994, nach dem al-Haram al-Ibrahimi Massaker, verbot Israel Palästinensern den Zugang zur Straße und achtzig Läden wurden per Militärorder geschlossen. Letztlich führte der Ausschluss von Palästinensern von der Straße zur Schließung aller 400 Läden und privaten Büros in der Gegend, der palästinensischen Kommunalverwaltungs- und Regierungsbüros und des zentralen Busbahnhofs, der zu einer Armee-Basis gemacht wurde.

Mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin, © Ahlam Shibli

Moritz Gräfrath hat »Philosophy and Economics« an der Universität Bayreuth studiert und beginnt im Herbst sein Promotionsstudium an der University of Notre Dame, USA. Von April bis Juni hat er ein Praktikum bei Perspective Daily gemacht.

Titelbild: Redd Angelo - CC0

 

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