von  David Ehl

Hast du Angst, über dunkle Plätze zu laufen?

Seitdem in Köln nachts ein 22-Jähriger erstochen wurde, heißt es: mehr Polizei! Mehr Überwachung! Das ist aber nur ein kleiner Teil der Lösung, wie gefährliche Orte wirklich sicherer werden können.

27. Oktober 2017  –  8 Minuten

Der Ebertplatz in Köln ist einer dieser Orte, wo man die Hände tiefer in die Manteltaschen drückt. Wo man zielstrebigere, größere Schritte macht und erst auf der anderen Seite den Blick wieder schweifen lässt. Solche Straßen und Plätze – die Soziologie spricht von »Angsträumen« – gibt es in nahezu jeder Stadt.

Wie schnell die Stimmung kippen kann, erlebt Köln gerade am Ebertplatz, im Norden der Innenstadt.

Als war er schon länger bekannt. Auch, dass die wird, ist nichts Neues. Aber seitdem ein paar Nächte später 2 Männer verletzt wurden und werden mussten, sind die Gemüter erhitzt. Die Welt nennt den Ebertplatz bereits »No-Go-Zone im Herzen von Köln«.

Der Begriff erinnert verdächtig an »No-Go-Area«, einen Kampfbegriff, den die und gern verwenden. Fakt ist aber, dass es in Deutschland gar keine solchen Orte gibt: Es geht nämlich um anarchische Orte, die von der Polizei nicht mehr betreten werden. In Deutschland traut sich die Polizei überall hin und spricht deshalb lediglich von Dabei ist es ein Irrtum, zu glauben, mehr Polizeipräsenz wird die Kriminalität schon in den Griff kriegen. Dieser Text ergründet, wie Angsträume langfristig sicher(er) werden können.

So hat sich die Straßenkriminalität in Deutschland entwickelt

Entwicklung der Straßenkriminalität von 1987 bis 2016. Die Berechnung der Häufigkeitsziffer hat sich im Jahr 2013 geändert, weil neue Zensus-Daten vorlagen.

Quelle: BKA / Polizeiliche Kriminalstatistik 2016

Vorzeige-Beispiel Fürth: Die sicherste deutsche Großstadt

Straßenkriminalität machte 2016 mit 1,3 Millionen registrierten Fällen etwa jeden fünften Eintrag in der aus. Besonders wild geht es in zu, mit teils deutlich über 4.000 Fällen von Straßenkriminalität pro 100.000 Einwohner.

Fürth führt: In keiner deutschen Großstadt gibt es so wenig Straßenkriminalität. – Quelle: Wikimedia Commons / Magnus Gertkemper

Mit landet das fränkische Fürth auf dem erfreulichen letzten Platz. Auch in der Gesamtwertung aller Deliktgruppen Woran das liegt, frage ich den SPD-Oberbürgermeister Thomas Jung am Telefon.

Nürnberg hat eine ausgesprochene Diskotheken- und Nachtklubszene oder Prostituiertenviertel. Das sind Bezirke, in denen erfahrungsgemäß eher mal Kriminalität auftaucht. Solche Szenerie gibt es in Fürth überhaupt nicht.Thomas Jung

Ein weiterer wichtiger Faktor seien die Bewohner selbst, die in stabilen sozialen Strukturen lebten: »Wir sind keine Universitätsstadt mit schnell wechselnder Bevölkerung.« Fast wie im Dorf falle Ungewöhnliches schnell auf.

Nun hat nicht jede Stadt das Glück, direkt neben einer größeren zu liegen, die einen Teil der Verbrechen wie ein Magnet fortzieht. Wie sehen Lösungen aus, die auch in Leipzig, Berlin, Köln oder Hamburg funktionieren?