Kommentar 

Für den Klimaschutz soll alles teurer werden. Ist das nicht total ungerecht?

Den CO2-Ausstoß zu verteuern ist vielleicht die eleganteste Art, das Klima zu schützen. Zumindest für die, die es sich leisten können.

6. August 2019  3 Minuten

Fliegen? Muss teurer werden! Fleisch? Natürlich auch! Und Benzin? Sowieso!

Es scheint fast, als wäre Deutschland fest entschlossen, jetzt endlich Ernst zu machen beim Klimaschutz. Und egal, ob CO2-Steuer, Ist der Emissionshandel die beste Lösung? Emissionshandel oder klimafreundliche Diese klimaschädlichen Subventionen gibt es in Deutschland Subventionen: Alle sind sich einig, dass es über den Preis gehen muss.

Ich sehe das genauso: CO2 auszustoßen muss teurer werden, und die Ideen, die dafür auf dem Tisch liegen, sind gut. Am Ende kann jede Einzelne von ihnen ein wichtiges Teil im großen Klimaschutz-Puzzle sein. Doch sie haben auch einen gemeinsamen Makel: Wenn alles teurer wird, vertieft das die Ungleichheit.

Wenn alles teurer wird, wird es für einige zu teuer

Darauf hat mich vor Kurzem die »Spiegel«-Kolumnistin Margarete Stokowski in einem Hier geht es zu Stokowskis Beitrag »Muss man sich leisten können«, erschienen im »Spiegel« lesenswerten Beitrag aufmerksam gemacht. Sie nennt das »Klassismus«.

Stokowskis Argumentation: CO2-Steuer und Co. wirken alle über den Geldbeutel und treffen so vor allem die, die ohnehin auf finanziell eher wackligen Beinen stehen. Es sind die Reichen dieser Welt, die auf zu breitem CO2-Fuß leben.Die Maßnahmen erfüllen zwar ihren Zweck, indem sie Flüge, Fleisch und fetten Konsum verteuern und so eindämmen. Aber die »Last« des Klimaschutzes verteilt sich vor allem auf den Schultern der unteren Klassen – Klassismus!

Und sie hat Recht: Wenn Klimaschutz bedeutet, dass die Reichen 150 Euro mehr bezahlen, um nach Bali zu jetten (was sie wahrscheinlich verkraften können), aber die Armen nicht mehr ihre Familie im Ausland oder auch nur am anderen Ende der Republik besuchen können – dann ist Klimaschutz ungerecht. Dann wird Klimaschutz nicht akzeptiert werden. Und dann ist die Angst begründet, auch in Deutschland könnte es Aufstände wie die der Gelbwesten in Frankreich geben. Im Herbst 2018 hob der französische Staat die Steuer auf fossile Brennstoffe an, was zu höheren Preisen an den Tankstellen führte. Daraufhin protestieren Hunderttausende gegen die Preiserhöhung – teilweise mit dem Hinweis darauf, dass die Last der Energiewende so zu ungleich zwischen Arm und Reich aufgeteilt werde.

Ineffektiv ist es allemal, die Verantwortung beim Klimaschutz nur den Ärmsten anzutragen, denn es sind die Reichen dieser Welt, Innerhalb Deutschlands sieht es nicht anders aus. Darauf deutet diese Auswertung des Umweltbundesamtes hin: Je höher das Einkommen eines Haushalts, desto höher sind die die Ausgaben für Wohnen, Energie und Verkehr. Und damit natürlich auch die Emissionen. die auf zu breitem CO2-Fuß leben.

Klimaschutz geht nur sozial

Zu Massenprotesten wie in Frankreich muss es aber nicht kommen. Vorausgesetzt, der Klimaschutz wird von einer sozialen Politik flankiert, die den Namen verdient. Wenn sich alle Menschen die Dinge leisten können, die ihnen wirklich wichtig sind, sind sie auch bereit, dort Einschnitte hinzunehmen, wo es sie weniger schmerzt. Auf den Kurztrip nach Mallorca verzichten? Wenn das den Sommerurlaub bei der Familie in Griechenland ermöglicht, akzeptabel.

Das fordert zum Beispiel FDP-Chef Christian Lindner im Interview mit dem »Tagesspiegel« Eine Klimadividende, wie sie von verschiedenen Parteien ins Rennen gebracht wird, wäre ein guter Anfang. Bei dieser Idee würden die Einnahmen aus einer CO2-Steuer gleichmäßig an alle Bürger zurückgezahlt. So wandert Geld von oben, wo viel konsumiert wird, nach unten.

Das reicht aber nicht: Auch Ideen wie das Was macht Gratis-Geld mit der Arbeitswelt, fragt Han Langesalg Grundeinkommen, eine So könnte eine Mindestrente in Deutschland aussehen Basisrente oder ein Wer tatsächlich von niedrigen Steuern profitiert höherer Höchststeuersatz würden das Land gerechter machen und Argumente wie »Bio und faire Mode kann sich nicht jeder leisten!« im Keim ersticken.

Manche Probleme lassen sich nicht einfach weg-innovieren.Ganz auf die Preisschraube zu verzichten ist nicht sinnvoll, denn das Argument aus der Wirtschaft, der Preisdruck fördere klimafreundliche Innovationen, stimmt. E-Autos, private Solaranlagen und stromsparende Fernseher dürften stark von einer CO2-Steuer profitieren.

Doch manche Probleme lassen sich nicht einfach weg-innovieren. Flugzeuge und Autos werden nicht so schnell klimafreundlich werden, wie sich das manche Menschen wünschen. Deshalb müssen auch Klimaschutzmaßnahmen auf den Tisch, die schnell wirken, gerade weil sie für alle gelten: Autofreie Innenstädte, fleischfreie Kantinen in öffentlichen Einrichtungen oder ein Tempolimit auf der Autobahn zum Beispiel.

Ob man das jetzt »Verbot« nennen mag, sei jedem selbst überlassen. Nur gelten sollten diese Regeln bitte für alle – egal, ob arm und reich.

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Titelbild: Pau Casals - CC0

von Felix Austen 

Der Physiker Felix mag Hafermilch und fährt gern Rad. Er weiß aber auch, dass noch etwas mehr dazugehört, um die Welt vor der Klimakatastrophe und dem Ökokollaps zu bewahren. Deshalb schreibt er über Menschen, Ideen und Technik, die uns und der Umwelt eine Zukunft sichern können. Davon gibt es zum Glück jede Menge!

Themen:  Politik   Klima  

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