Kommentar 

Thüringen ist ein Warnschuss für die Demokratie. Was sich jetzt ändern muss

Die AfD hat zum ersten Mal einem Ministerpräsidenten an die Macht verholfen. Überraschen sollte das niemanden mehr.

7. Februar 2020  3 Minuten

Es hat einen ganzen Tag zu lange gedauert, bis sich bei Thomas Kemmerich die Erkenntnis durchgesetzt hat: Das waren Christian Lindners Abschiedsworte, als die FDP die Jamaika-Koalition platzen ließ Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren. Mit seiner Wahl zum thüringischen Ministerpräsidenten hatte die AfD zum ersten Mal direkt Einfluss genommen, wer in einem Bundesland an die Macht kommt. Kemmerich wäre sozusagen der erste Ministerpräsident von Höckes Gnaden gewesen.

Es war ein Intrigenspiel Der bisherige Ministerpräsident Bodo Ramelow sollte eigentlich zum Vorsitzenden einer Minderheitsregierung gewählt werden – dass er die absolute Mehrheit in den ersten beiden Wahlgängen verfehlen würde, war von vorneherein klar. Genauso war allen Beteiligten klar, dass im dritten Wahlgang, in dem der Kandidat mit den meisten Stimmen siegen würde, andere Regeln gelten. Kemmerich trat überhaupt erst im dritten Wahlgang an. Und so muss auch FDP und CDU klar gewesen sein, wie reizvoll die Vorstellung für die AfD war, ihren eigenen Zählkandidaten Christoph Kindervater fallen zu lassen und mit den Stimmen für Kemmerich eine Bombe platzen zu lassen. der Fraktionen von CDU und FDP, die sich wohl im Vorfeld darüber abgestimmt hatten, der rot-rot-grünen Konkurrenz schaden zu wollen. Dass sie der AfD, ausgerechnet noch dem Landesverband

Titelbild: dpa/ Bodo Schackow - copyright

von David Ehl 

Wenn Zugvögel im Schwarm fliegen, beeinflusst jedes einzelne Tier die Richtung aller - das hat David bei einer Recherche gelernt. Sonst berichtet er eher über Menschen, stellt sich dabei aber eine ganz ähnliche Frage: Welche Rolle spielt der einzelne Wähler und Verbraucher, welchen Einfluss hat jeder von uns auf die Gesellschaft? David recherchiert gerne unterwegs, studiert hat er Musikmanagement, Englisch und Journalismus.

Themen:  Extremismus   Deutschland   Demokratie  

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