Interview 

Dürfen wir jetzt nicht mehr protestieren?

Weil Demonstrationen in vielen Bundesländern verboten sind, ist Protest jetzt eine Kunst für sich. Zeit, kreativ zu werden, sagt Protestforscher Swen Hutter

9. April 2020  7 Minuten

Ein zerknittertes Zelt steht am Mittwochnachmittag auf dem Rasen am Platz der Republik in Berlin. Der Reichstag dahinter wirkt im grellen Sonnenlicht unbelebt wie eine Kulisse. Am Zelt lehnt ein Pappkarton mit der Aufschrift: »Schluss mit der Quarantäne des Gewissens, Europa!« 4 Frauen mit Mundschutz und in funkelnden Kleidern posieren daneben abwechselnd mit einem Bund Spargel, einer Sektflasche und Plakaten, auf denen steht: #LeaveNoOneBehind. Der Aufruf »Lasst niemanden zurück« richtet sich an die europäischen Regierungen, die zugestimmt hatten, Menschen aus den überfüllten Flüchtlingslagern in der Ägäis zu evakuieren. Aktivist:innen fordern, dass das passieren müsse, solange das Coronavirus noch nicht ausgebrochen sei. Dabei achten sie auf genügend Abstand. Ihre Aktion soll eine der starken Kontraste sein: Dekadenz und Privilegien des guten Lebens treffen auf dünne Zeltwände, mit denen sich zurzeit Zehntausende Geflüchtete in griechischen Flüchtlingslagern vor dem Virus schützen müssen.

Seit Wochen rufen Europäer:innen dazu auf, Juliane Metzker schreibt über die Notlage in den Lagern die überfüllten und schlecht ausgestatteten Lager, in denen es kaum fließend Wasser gibt, zu evakuieren. Doch den großen Protest hat das Coronavirus von den Straßen gefegt.

Mit Illustrationen von Mirella Kahnert für Perspective Daily

von Juliane Metzker 

Juliane schlägt den journalistischen Bogen zu Südwestasien und Nordafrika. Sie studierte Islamwissenschaften und arbeitete als freie Journalistin im Libanon. Durch die Konfrontation mit außereuropäischen Perspektiven ist ihr zurück in Deutschland klar geworden: Zwischen Berlin und Beirut liegen gerade einmal 4.000 Kilometer. Das ist weniger Distanz als gedacht.


von Benjamin Fuchs 

Jeder weiß: Unsere Arbeitswelt verändert sich radikal und rasend schnell. Nicht nur bei uns vor der Haustür, sondern auch anderorts. Wie können wir diese Veränderungen positiv gestalten und welche Anreize braucht es dafür? Genau darum geht es Benjamin, der erst Philosophie und Politikwissenschaft studiert hat, dann mehr als 5 Jahre als Journalist in Brasilien lebte und 2018 zurück nach Deutschland gekommen ist. Es gibt viel zu tun – also: An die Arbeit!

Themen:  Aktivismus   Demokratie   Deutschland  

Die Diskussionen sind leider nur für Mitglieder verfügbar.

Weitere Artikel für dich