Interview 

Was der Coronawortschatz über unsere Demokratie verrät

Wecken Begriffe wie »Maskenpflicht« oder »Kontaktsperre« bei dir inneren Widerstand? Diskursforscherin Ruth Wodak erklärt, woran das liegt.

13. Mai 2020  –  12 Minuten

Es ist schon erstaunlich, wie viel wir in den letzten Wochen gelernt haben. Dazu gehört allerlei Banales, wie das Ansetzen von Sauerteig, Praktisches, wie und potenziell Bahnbrechendes, wie die Erkenntnis, dass der Markt eben nicht alles regelt.

Zu all den Veränderungen gesellen sich ein komplett neues Vokabular und Repertoire an Fachbegriffen: Aktuell wird über die »Reproduktionszahl« diskutiert, wir fragen uns, wie lange »Social Distancing« noch nötig ist, ob die »Maskenpflicht« nützt, oder wie

über unseren Umgang mit der aktuellen Herausforderung? Über Konfliktlinien, die schon vorhanden sind oder gerade aufbrechen? Wie sickern neue Begriffe überhaupt in den Sprachgebrauch ein – und welche politischen Strategien stecken dahinter?

Mich interessiert, was Ruth Wodak dazu zu sagen hat. Sprache und Politik sind das Fachgebiet der emeritierten Professorin für Diskursforschung. Wodak ist das, was man »Public Intellectual« nennt, eine Wissenschaftlerin, Sie hat zu Identitäts- und Vergangenheitspolitik zu Migration und Vorurteilen. Einem breiteren Publikum ist sie durch ihr 2016 erschienenes Buch »Politik mit der Angst« bekannt, in dem sie durchleuchtet,