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Von diesen 5 Netzwerken kann Facebook etwas lernen

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Von diesen 5 Netzwerken kann Facebook etwas lernen

2. Februar 2018
Themen:

Und vielleicht ist eines davon die Plattform, die dir gefehlt hat.



Erinnerst du dich an dein erstes soziales Netzwerk?

Meines war studiVZ, eine Gemeinschaft für Studierende in Deutschland. Es sollte Fremde aus allen Himmelsrichtungen in der Universität näher zusammenbringen – und gleichzeitig dabei helfen, alte Schulfreunde nicht aus den Augen zu verlieren. Das war neu, nützlich und machte Spaß. Nebenher registrierten wir uns bei Online-Foren unserer Hobbygruppen sowie Sportvereine und nutzten viele Sofortnachrichten-Dienste, um überall in Kontakt zu bleiben.

Und dann kam Facebook.

Name: Facebook
Zielgruppe: wirklich alle
Start: 2004
Mitglieder: 2 Milliarden (groß)
Finanzierung: Werbeanzeigen
Fokus: keiner
Umgangston: angespannt

Quelle: flickr / Duncan Hull CC BY-SA

Heute ist studiVZ insolvent Der Eigentümer von studiVZ, Poolworks, meldete am 7. September 2017 Insolvenz an. und jeder Die Nutzerzahlen von Facebook Stand Ende 2017 dritte Deutsche nutzt den In diesem Text erkläre ich dir den Masterplan von Mark Zuckerberg blauen Marktriesen. Doch auf Facebook geht es längst nicht mehr um Urlaubsbilder und Spaß – sondern auch um

Werbung, Politik, Desinformation, Datenhunger und Hassrede. Eliot Schrange, Chef von Kommunikation sowie Marketing bei Facebook und zuständig für die Zusammenarbeit mit Regierungen weltweit, gab erst im Januar 2018 anlässlich der Innovationskonferenz DLD in München Fehler im Umgang mit Hassrede zu. Man habe bisher zu langsam reagiert und deshalb die wachsende Skepsis gegenüber Facebook selbst heraufbeschworen. Manche nennen es bereits ein Eine Analyse von Die Republik darüber, wie Facebook zu dem wurde, was es heute ist (2018) »Monster«. Nun bemüht sich sein Chef, Mark Zuckerberg, um Schadensbegrenzung und kündigte für 2018 an, Facebooks PR-Probleme und was die Presse damit zu tun hat, bei Motherboard (englisch, 2017) sein Netzwerk »reparieren« zu wollen:

Wir haben Facebook gemacht, um Menschen dabei zu helfen, miteinander in Kontakt zu bleiben, und um eine engere Verbindung zu den Menschen zu schaffen, die uns etwas bedeuten. – Mark Zuckerberg, Januar 2018 Mark Zuckerbergs Ankündigungs-Post (2018)

Der Rückgang der Beliebtheit von Facebook bei Jugendlichen im Alter von 14–19 Jahren in der aktuellen eMarketer-Studie (englisch, 2017) Die Jugendlichen tun es nicht und verlassen Facebook scharenweise. Doch sie nutzen dafür andere Produkte des Facebook-Konzerns wie den Messenger-Dienst Whatsapp oder die Foto-Plattform Instagram. Warum machen wir es ihnen nicht nach? Denn es gibt mittlerweile genügend alternative soziale Netzwerke, die schon heute vieles besser machen.

Bekämpfen von Fake News – Google+

Die Hintergründe der berühmten Fake News bei Buzzfeed (2017) Hat der Papst wirklich Donald Trump als Präsident unterstützt? Musste ein indisches Restaurant in London wirklich schließen, weil es Menschenfleisch verkaufte? Die Nachricht vom Mai 2017 brachte ein alteingesessenes indisches Restaurant in London an den Rand des Ruins. Dahinter stand die Falschmeldung (englisch) vom Fake-News-Portal channel23.news.com. Dort kann jeder Nutzer bequem Falschmeldungen schreiben und per sozialen Medien wie Facebook mit seinen Freunden teilen. Für den Nutzer war das nur ein Spaß, doch die Falschnachricht verbreitete sich und das Restaurant wurde von wütenden Rezipienten mit Hunderten Telefonanrufen terrorisiert. Nein, diese Geschichten sind erlogen – und verbreiteten sich trotzdem auf Facebook. Hier erkläre ich dir alles, was du über Fake News wissen musst Fake News heißt das Problem und betrifft vor allem den Marktführer, weil Nutzer dort die eigene Pinnwand unreflektiert als zentralen Nachrichtenkanal nutzen. Das Problem besteht vor allem darin, dass von Freunden geteilte Neuigkeiten glaubwürdiger sind. Facebook aber zeigt nicht an, ob eine Nachricht eine bekannte Falschmeldung ist. Das Teilen ist mit einem Klick denkbar einfach – das Widerlegen von Fake News eben nicht.

Du willst wissen, was Facebook dagegen tut? Dann klicke hier.

Um Fake News zu bekämpfen, sucht Facebook nach den schwarzen Schafen, die die falschen Nachrichten in Umlauf bringen. Die Arbeit wälzt das Netzwerk auf die Nutzer ab. Sie sollen demnächst die Die Nachricht zu Facebooks Fake-News-Offensive bei »Spiegel Online« (2018) »Vertrauenswürdigkeit« von Nachrichtenseiten bewerten. Doch damit schafft Facebook nur eine neue Möglichkeit, politische Grabenkämpfe auszutragen: Per Negativ-Bewertung wird der Konkurrent angeschwärzt und seine Nachrichten weniger häufig angezeigt.

Google macht es besser.

Willst du wissen, was Facebook dagegen tut? Dann klicke hier.

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Vorreiter im Kampf gegen Fake News ist eine Firma, deren soziales Netzwerk den Kampf gegen Facebook eigentlich schon verloren hatte und Warum Google+ keine Chance hatte, eine Analyse (englisch, 2015) für »tot« erklärt wurde.

Name: Google+
Zielgruppe: Google-Nutzer
Start: 2011
Mitglieder: 3,4 Milliarden, davon 111 Millionen aktive Nutzer (groß)
Finanzierung: Werbeanzeigen
Fokus: Interessengruppen
Umgangston: höflich

Google+ ist automatisch in Google-Accounts integriert. Damit hat jeder, der Google-Produkte wie Gmail nutzt, auch einen Zugang zum sozialen Netzwerk des Internetkonzerns. Das sieht zwar leicht anders aus als Facebook, bietet aber fast denselben Funktionsumfang – man kann posten, liken, teilen, Gruppen beitreten, kommentieren.

Quelle: plus.google.com copyright

Was das Netzwerk in Bezug auf den Kampf gegen Fake News von Facebook unterscheidet, ist das Vertrauen in die eigene Technologie, die das Problem beheben soll. Google setzt seit der US-Präsidentenwahl 2016 verstärkt auf Wie funktioniert ein intelligenter Algorithmus eigentlich genau? David Hofmann erklärt es in diesem Artikel intelligente Algorithmen, Ein Algorithmus ist ein Begriff aus der Informatik für ein programmiertes Lösungsschema. Dahinter verbirgt sich eine Folge von Anweisungen, mit denen ein bestimmtes Problem gelöst werden soll – vergleichbar mit einem Kuchenrezept, bei dem nacheinander bestimmte Dinge getan werden müssen, damit der Kuchen gelingt. Es gibt sehr komplexe Algorithmen, die wir täglich nutzen, etwa den PageRank-Algorithmus von Google oder Algorithmen von Navigationsgeräten. um »minderwertige Inhalte« zu erkennen Googles Fact-Checking-Tool im Einsatz als Nachricht bei CNBC (englisch, 2017) und diese den Nutzern nicht mehr oder nur verbunden mit einer Richtigstellung anzuzeigen. Nach Angaben von Google schalteten diese im Jahr Googles eigene Erfolgsstatistiken zum Kampf gegen schlechte Werbebotschaften (englisch, 2016) 2016 über 5 Millionen Werbeanzeigen ab, die gegen die verschärften Richtlinien verstießen.

Upwork stellt Googles Project Owl vor (englisch, 2017) Zusätzlich gründete das Unternehmen 2017 die Sonderabteilung »Project Owl«. Darin bringen ausgewählte menschliche Testnutzer In Deutschland sind dazu über 600 Testpersonen im Einsatz. Sie werden von Google mit entsprechender Eignung ausgewählt. dem Algorithmus bei, Fake News und Verschwörungstheorien besser zu erkennen.

»Wir arbeiten ständig daran, unsere Algorithmen zu verbessern.« – Andrea Faville, Google-Sprecherin Andrea Faville sagte dies gegenüber der New York Times (2016)

Aber kann man Algorithmen mehr vertrauen als Facebooks Nutzerbefragung? Googles Project Owl in der Analyse im Searchengineland-Blog (englisch, 2017) Noch machen die Maschinen im Test Fehler. Ein Algorithmus des Massachusetts Institute of Technology bewies jedoch erst kürzlich, Dieser Algorithmus erkennt Sarkasmus, Nachricht im MIT Technology Review (englisch, 2017) dass er Sarkasmus in Posts besser erkennt als menschliche Nutzer.

Natürlich ist Google genau wie Facebook eine In diesem Text erkläre ich dir, wie Unternehmen mit Daten an dir Geld verdienen Datenkrake und sammelt fleißig alle Nutzerdaten für Werbezwecke. Doch unabhängige und trainierte Algorithmen scheinen derzeit die effektivste Waffe im Kampf gegen gezielte Desinformation zu sein.

Um die Algorithmen zu unterstützen, ging Google Googles Partnerschaft mit dem IFCN als Nachricht bei endadget (englisch, 2017) 2017 eine Partnerschaft mit dem International Fact-Checking Network ein, um mehr Faktenchecker auszubilden und neue Überprüfungstools für die eigenen Plattformen zu entwickeln. Das alles macht Google+ nicht zum Fake-News-freien Ort, aber den Konzern dahinter zumindest zum Vorreiter im Kampf gegen das Problem.

Hassrede verhindern – Pinterest

Der Umgangston auf Facebook ist »rauer« geworden. Wer unter Nachrichten-Beiträgen seine Meinung tippt, stößt rasch auf verhärtete politische Fronten und braucht ein dickes Fell. Denn zu häufig bleibt es nicht bei Argumenten: Hassrede heißt das Problem und reicht von Verunglimpfungen über Drohungen bis hin zu menschenfeindlichem Gedankengut. Auf Facebook gedeiht Hassrede auch deshalb so gut, weil menschliche Bearbeiter anhand von Ist das Hatespeech laut Facebook? Ein Quiz der New York Times (englisch, 2017) lückenhaften Richtlinien und nach eigenem Ermessen die Hassposts einzeln löschen müssen – und dabei regelmäßig Fehler machen. Facebook beschäftigt weltweit über 100.000 menschliche »content reviewer«, die gemeldete Beiträge sichten und entweder löschen oder eben nicht. Doch die NGO Propublica fand in einer Stichprobe im Jahr 2017 heraus, dass die Moderatoren von 900 gemeldeten Posts wahrscheinlich 49 Posts falsch einsortierten – eine Fehlerquote von immerhin knapp 6%.

Moment mal, macht das Netzwerkdurchsetzungsgesetz in Deutschland jetzt nicht alles besser? Klicke hier, um es herauszufinden.

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Das umstrittene NetzDG gilt seit Januar 2018 und war dafür gedacht, Hassrede in sozialen Netzwerken mit mehr als 2 Millionen Mitgliedern in Deutschland zu bekämpfen. Meldet ein Nutzer einen Beitrag als »offensichtlich rechtswidrig«, muss dieser 24 Stunden nach Meldung gelöscht werden. Doch das deckt eben nicht die gesamte Hassrede ab – ein Großteil bleibt weiterhin stehen. Ein Stichprobentest des bayerischen Rundfunks (2018) Sogar bei rechtswidrigen Inhalten überlebten in Tests 40% den Löschantrag. Dazu darf man sich fragen, wie ernst Facebook es überhaupt damit meint: Rechtsanwalt Christian Solmecke erklärt im Video, wo man die NetzDG-Option findet (2018) Die neue Meldeoption ist umständlich tief im System versteckt.

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Ein Netzwerk, auf dem Hassrede so gut wie nicht vorkommt, ist Pinterest – das wahrscheinlich »freundlichste soziale Netzwerk der Welt«. Pinterest-Mitgründer Ben Silbermanns Keynote über seine Firmengründung auf dem Alt Summit (englisch, 2012) Dabei bestreitet Mitgründer Ben Silbermann häufig, überhaupt ein solches zu betreiben:

»Soziale Netzwerke drehen sich um die Kommunikation mit anderen Leuten. Pinterest dreht sich darum, gute Ideen für das eigene Leben zu finden.« – Ben Silbermann, Pinterest-Mitbegründer

Während Facebook auf Text und Kommentare setzt, dreht sich bei Pinterest alles um die Optik. Nutzer können Bilder, Videos und GIFs als sogenannte »Pins« hochladen, speichern und sortieren. Der Nutzer wird dabei zum Kurator seiner eigenen Sammlung aus »guten Ideen«. Und diese haben häufig einen konkreten Nutzen wie Kochrezepte, Wohnideen oder Anleitungen zur Gartenarbeit. Auch Tipps zur Kindererziehung oder zur perfekten Hochzeit fehlen nicht – das wirkt etwas spießig, bietet dabei aber kaum Anlass, sich zu empören.

Pinterest.com
Zielgruppe: Hobbyistinnen (hoher Frauenanteil)
Start: 2009
Mitglieder: über 200 Millionen (mittel)
Fokus: Freundlichkeit, Nutzen
Finanzierung: Werbung, Investoren
Umgangston: schweigsam-hilfsbereit

Quelle: pinterest.de copyright

Auch Unternehmen können Seiten auf Pinterest erstellen und über eine eigene Pin-Sammlung Waren und Dienstleistungen anbieten. Dabei funktioniert das soziale Netzwerk dann wie ein Online-Katalog – und der wirkt: Pinterest-Statistiken bei der eCommerce-Plattform Shopify (2015) 2015 nutzten 93% der Pinterest-Mitglieder das Netzwerk, um Einkäufe zu planen.

Kommunikation auf Pinterest ist meist ein hilfreicher Austausch bei Nachfragen. Hassrede fehlt auffallend, selbst bei politischen Pins wie zu Selbst provokante Pins bleiben häufig unkommentiert, wie hier über Donald Trump Donald Trump oder der Wie die USA die Bahn freimachten für die 2-Klassen-Gesellschaft im Netz, liest du hier Netzneutralität. Das Rezept: Organisationen und Gruppen, Pinterest sperrt Jihadwatch, die Website des umstrittenen US-amerikanischen Schriftstellers Robert Spencer (englisch, 2017) die für Hassrede bekannt sind, werden einfach vom Netzwerk ausgeschlossen. Dieses Vorgehen Eine Untersuchung der Reddit-Bans zeigt ihre Wirksamkeit gegen Hassrede (englisch, 2017) zeigte bereits beim größten Internetforum, Reddit, Wirkung. Zusätzlich nimmt der Fokus auf Ratgeber und Konsum aggressiven Nutzern den Wind aus den Segeln. Dass dabei kontroverse Meinungen von Pinterest fernbleiben, ist offenbar gewollt.

Datenschutz der Nutzer – Ello.co

Es ist kein Geheimnis: Facebook schnüffelt mit und wertet das Verhalten der Nutzer umfassend aus. Das Bundeskartellamt stellte in einer vorläufigen Einschätzung zum aktuell laufenden Verwaltungsverfahren fest, dass das soziale Netzwerk seine marktbeherrschende Stellung missbraucht. Mit einem Urteil wird im Laufe des Jahres 2018 gerechnet. Facebook muss nun auf die Vorwürfe reagieren, sonst könnte die Behörde dem sozialen Netzwerk das Sammeln der Daten in Deutschland ganz verbieten. Das Netzwerk verdient gut daran – denn die Analyse hilft den eigenen Werbekunden, ihre Produkte besser zu platzieren. Facebook verkauft die Daten nicht direkt an Dritte, doch das Unternehmen nutzt die Daten aktiv, um Werbetreibenden über Likes und Bewegungsdaten das direkte Bewerben einfacher zu machen – das ist schließlich Facebooks Geschäftsmodell. Dazu gibt Facebook private Daten auf Anfrage an Regierungsstellen weiter und liest sogar die private Interaktion mit Freunden mit. Für Facebook ist das auch kein Problem – sondern der Kern von Mark Zuckerbergs Geschäftskonzept. Der Nutzer selbst wird zur Ware, die Facebook an Werbekunden verkauft.

Doch ein kleines Netzwerk demonstriert, dass es anders geht.

Name: Ello.co
Zielgruppe: Künstler
Start: 2014
Mitglieder: über eine Million (klein)
Fokus: Datensicherheit, Promotion
Finanzierung: Investoren, Merchandising, Online-Shop
Umgangston: schweigsam-euphorisch

Ellos Motto klingt wie eine Kampfansage an Facebooks Datenpolitik: »Du bist kein Produkt.« Werbung gibt es bei Ello genauso wenig wie einen Klarnamenzwang. Alles, was die Nutzer an Daten hergeben, ist freiwillig. Detaillierte Einstellungen ermöglichen, genau festzulegen, wie andere Nutzer mit dem eigenen Profil interagieren dürfen: Beiträge liken, kommentieren oder teilen – alles lässt sich abstellen. Eine Übersicht zeigt die gesamten Daten an, die vom Nutzer auf dem Netzwerk gespeichert sind, und ein einfacher Klick verbietet dem Netzwerk, Nutzerdaten zu speichern und für die eigenen Statistiken auszuwerten.

Quelle: ello.co copyright

Anders als Facebook hat Ello eine klare Zielgruppe: Künstler, Alternative und Kunstfans. Diese Einstellung muss jeder Nutzer sogar zum Start des Profils angeben. Sie lässt sich jedoch nachträglich leicht ändern. Nach einem kurzen Hype im Jahr 2014 ist das die Nische, die das Netzwerk für sich entdeckt hat. Entsprechend fallen Ellos Themen aus: Skating, Cannabis, Architektur, Fashion, Schreiben oder Minimalismus – und vor allem viele hübsche Bilder. Unternehmen finden sich auf Ello nicht, dafür viele Freischaffende, die fleißig ihre eigenen Webshops verlinken. Ein »Hire me«-Knopf unter Profilen kann Künstler für Projekte anfragen oder Kooperationen vorschlagen.

»Wunderschön! Welchen Pinsel hast du benutzt?« – Ein typischer Ellos-Nutzer

Eine kleine und elitäre Gemeinschaft – das ist das Gefühl, das Ello vermitteln möchte. Deshalb zeigt das Netzwerk über eine Hauptwebsite ausgewählte Künstler der Woche und kauft regelmäßig Kunst der Mitglieder auf, Nach eigenen Angaben im Jahr 2017 insgesamt für 71.000 US-Dollar. um sie an ausgewählte Fans zu verteilen. In dem thematisch gebundenen Interessen-Netzwerk bleibt die öffentliche Kommunikation dabei eher still – alle wollen vor allem promoten. Außerhalb privater Chats beschränkt sich die Kommunikation deshalb auf oberflächliche Komplimente.

Echokammern aufbrechen – Human Connection

Eine »engere Verbindung zu Menschen zu schaffen« ist zwar ein gut klingender Slogan, aber für Facebook ein Problem. In diesem Text erkläre ich dir alles, was du über Echokammern wissen musst Denn Facebooks Algorithmus liefert Nutzern eher das, was ihnen bereits gefällt. Das Wall Street Journal bewies zur US-Wahl: Im Extremfall unterscheiden sich die Pinnwände von 2 Nutzern gegensätzlicher politischer Ansichten in Gesprächsthemen und Perspektiven so stark, Blue-Feed, Red-Feed, eine Studie des Wall Street Journals (englisch, 2015) dass man sie für 2 komplett unterschiedliche Welten halten könnte. Dieses Phänomen nennt sich »Echokammer« und Facebooks Algorithmus hilft sogar aktiv dabei, Eine Untersuchung von Facebooks Algorithmus zeigt, dass kontroverse Inhalte unterdrückt werden (englisch, 2015) dass in diese weniger anderslautende Beiträge durchdringen.

Statt eine soziale Plattform zum Austausch zu sein, trennt Facebook Nutzer also aktiv und verstärkt die Grüppchenbildung. Eine Plattform, die die digitale Welt wieder zusammenführen und aktivieren möchte, stammt aus Deutschland.

Name: Human Connection
Zielgruppe: Querdenker, Weltverbesserer
Start: 2018
Mitglieder: (noch keine offiziellen Zahlen)
Fokus: Anti-Zensur, ausdiskutieren, Mitglieder aktivieren
Finanzierung: Crowdfunding, Spenden
Umgangston: kämpferisch, skeptisch

Human Connection soll »allen Menschen dienen« und nicht weniger als das Zusammenleben im Internet revolutionieren. Dazu will das deutsche Start-up nicht nur Facebook Konkurrenz machen, sondern gleich noch eine Wissensplattform (wie Wikipedia) und Online-Spendenwebsite (wie Betterplace.org) sein. 2018 soll die All-in-one-Plattform starten – falls bis zum Jahresende die Finanzierung gesichert ist. Anfang 2018 soll Human Connection in einer geschlossenen Alpha-Version für frühe Unterstützer erscheinen. Noch sammelt der Initiator Dennis Hack Geld, um nach der Alpha-Phase weiterzumachen – über eine wenig erfolgreiche Crowdfunding-Phase und über monatliche Spender. Der angepeilte öffentliche Start ist August 2018. Als Minimum-Finanzierungsziel gibt das Netzwerk dafür mindestens 350.000 Euro pro Jahr an.

Videos demonstrieren aber jetzt schon, wie die Plattform einmal aussehen wird.

Quelle: human-connection.org copyright

Statt durch Online-Freunde und einen verborgenen Algorithmus wie bei Facebook legt jeder Nutzer von Human Connection selbst anhand von Kategorien fest, was er sehen will. Trotzdem hat jeder Nutzer die Möglichkeit, Posts nur an Freunde zu verschicken oder die Kommentarfunktion bei sensiblen Themen zu deaktivieren. Auf einer Übersichtswebsite findet er dann passende Themen und Posts – zu denen er in eine sachliche Diskussion einsteigen kann. Bei kontroversen Meinungen lässt sich per »Versus«-Knopf Maren Urner und Han Langeslag erklären hier, warum uns unser Ego oft wichtiger ist als die Wahrheit eine Gegenposition formulieren, die dann zufällig ausgewählten Mitgliedern zur Bewertung angezeigt wird. In diesem Text erklären Maren Urner und Han Langeslag, warum alternative Fakten so hartnäckig und schwer zu widerlegen sind Das soll gute von schlechten Argumenten trennen und Endlosdiskussionen vorbeugen. In der Übersicht erscheint eine Zusammenfassung der Diskussion als Pro-Kontra-Schema. Das suggeriert eine »Wahrheit« eines Argumentes, die jedoch auf einer Mehrheitsabstimmung beruht. Es ist dasselbe Problem wie mit Facebooks Nutzerbefragung zur Glaubwürdigkeit von Nachrichten – nur eben für Argumente. Doch unsere Welt basiert auf Daten und Fakten, nicht nur auf Meinungen. Im schlimmsten Fall könnten zufällig genau die Personen befragt werden, die dieselbe (unwissenschaftliche) Position vertreten und dann ein fragwürdiges Argument per Abstimmung aufwerten. Je homogener die Mitglieder des Netzwerks sind, desto größer ist diese Gefahr. Zumindest in der Theorie, denn damit das klappt, müssen viele Kommentatoren mit Fachkenntnis und Selbstdisziplin dabeibleiben.

»Zwar kann man damit die Wahrheit nicht ermitteln, aber die Abwägungen von 100 Leuten sehen« – Dennis Hack, Gründer von Human Connection

Dennis Hack, Dennis Hack kommt aus einem schwäbischen Familienunternehmen, das Trampoline für den Sportunterricht und internationale Wettkämpfe baut. Mit der internationalen Techblase oder dem Silicon Valley hat er wenig am Hut. Gründer von Human Connection, will seine Mitglieder auch aktivieren. Ein »Action-Button« unter Beiträgen führt zu Non-Profit-Organisationen und Projekten der Mitglieder, die etwas bewegen wollen. Das wird anscheinend nicht eingeschränkt. Damit könnte Human Connection leicht als Werbeplattform für fragwürdige Projekte ohne echten Gemeinnutzen missbraucht werden. Hack betont, damit sei das Netzwerk im Kern »gemeinnützig«, Damit würde Human Connection nicht unter das Netzwerkdurchsetzungsgesetz fallen. und er verstehe es als Teil einer »sozialen Bewegung«. So will Hack sogar den Quellcode als Open Source Als Open Source wird Software bezeichnet, deren Programmcode öffentlich ist und von Dritten eingesehen, geändert und genutzt werden kann. Open-Source-Software kann meistens kostenlos genutzt werden. veröffentlichen, Bis zum heutigen Tag ist das aber noch nicht geschehen. Andere Open-Source-Projekte sind von Beginn an darauf ausgelegt. damit jeder das Gemeinschaftsprojekt weiterentwickeln kann. Die Themenvorschau von Human Connection und Hack lässt zumindest einen ökologisch-weltverbesserischen Schwerpunkt erahnen: von Bienensterben bis zu den Gefahren von Glyphosat.

Die Technik hinter Human Connection ist interessant und könnte eine Lösung sein, kontroverse Themen mit mehr gegenseitigem Respekt zu diskutieren. Doch die Liste der prominenten Fans des Projektes lässt aufhorchen: Darunter finden sich etwa der umstrittene Journalist und Querfrontler Im historischen Wortgebrauch bezeichnet Querfront antidemokratische Strategien, die Anfang des 20. Jahrhunderte gegensätzlichen Ideologien des Nationalismus und des Sozialismus verbanden. Heute wird der Begriff etwas weiter verwendet. Nach Jebsens eigener Definition sei Querfront »wenn Rechte linke Positionen annehmen und Linke rechte [Positionen].«. Als verbindendes Element wirkt dabei das Misstrauen gegenüber dem Staat und der herrschenden Regierung. Die Rolle von Ken Jebsen als Teil der Medien der neuen Rechten bei Correctiv (2016) Ken Jebsen oder das Esoterik-Verschwörungs-Portal NuoViso. Das Gespräch mit Dennis Hack erschien unter dem Titel »zensiert wird anderswo!«. Das macht klar: Verschwörungstheoretiker betrachten Human Connection als Plattform, wo sie ihre Ansichten ohne Moderation verbreiten und Geld für ihre Projekte sammeln können.

Damit besteht die ernste Gefahr, dass Human Connection trotz aufgeräumter Optik und innovativer Ideen zu einer Echokammer für In diesem Interview mit Alexander Waschkau von Hoaxilla beleuchte ich, was passiert, wenn alternative Fakten die Welt erklären Verschwörungsdenken und alternative Fakten wird.

Was sagt denn der Gründer dazu?

Was sagt denn der Gründer dazu?

Was sagt denn der Gründer dazu?

»[Wir wollen] möglichst unbeeinflusst eine Community, in der wir das gesamte Meinungsspektrum innerhalb des gesetzlichen Rahmens zulassen möchten.« – Dennis Hack

Ich habe Dennis Hack Anfang Januar zur Unterstützung aus der Verschwörungsszene um eine Antwort gebeten. Er war jedoch nach eigener Aussage mit der Alpha-Version zu beschäftigt und verwies stattdessen auf die offizielle Website. Aus anderen Interviews wird die Motivation des Human-Connection-Gründers klarer: Das Interview von Dennis Hack mit dem Verschwörungs-Kanal Kultur Studio (2017) Hack sieht sich als Rebell gegen ein oppressives Staatsystem, das angeblich mit sanfter Zensur in sozialen Netzwerken die Meinungsfreiheit einschränken will. Genau dagegen soll seine Plattform eine Lösung sein.

Mehrwert für das Leben – Nebenan.de

Auch wenn Mark Zuckerberg etwas anderes behauptet, hat das Unternehmen Facebook vor allem ein Ziel: dass Menschen mehr auf Facebook aktiv sind. »Engagement« nennt sich das in Marketing-Sprache, also die Verbindung des Nutzers mit den Inhalten. Ob er die Inhalte dabei aktiv nutzt oder welchen Stellenwert sie für sein Leben haben, ist nebensächlich. Denn so erhöht sich die Chance, dass sie Werbeinhalte sehen, an denen das Unternehmen verdient. Es geht um mehr Verbindungen, mehr Länder mit Facebook und mehr Interaktion – In diesem Text schlüssele ich Facebooks Masterplan auf das Netzwerk will sich unersetzbar machen und damit den weltweiten Markt beherrschen. Ein Mehrwert für die Nutzer? Nebensache.

Ein soziales Netzwerk aus Deutschland stellt dies nun auf den Kopf und fragt: »Warum müssen soziale Netzwerke eigentlich die ganze Welt umspannen?« Müssen sie gar nicht.

Name: Nebenan.de
Zielgruppe: Stadtbewohner
Start: 2015
Mitglieder: über 500.000 (winzig)
Fokus: Nachbarschaftskontakte, Gemeinschaftsgefühl
Finanzierung: Investoren
Umgangston: kontaktfreudig, hilfsbereit

Nebenan.de Das Netzwerk ist dabei nicht allein. Nachbarschaft.net oder wirnachbarn.com machen dem sozialen Netzwerk mit derselben Idee und anderem Anstrich Konkurrenz. In Österreich hat fragnebenan.com Erfolg. Das Konzept stammt aber, wie so oft, aus den USA. Dort wurde bereits 2010 das Netzwerk Nextdoor gegründet. ist ein soziales Netzwerk für das eigene Stadtviertel. Mitmachen dürfen nur echte Nachbarn – denn das Registrieren erfordert einen Nachweis der eigenen Identität, etwa per Personalausweis. Das ist schwierig, wenn man seinen Hauptwohnsitz woanders angegeben hat oder Teil einer Studenten-WG ist. Hier hilft die Registrierung per Postkarte. Diese wird zur angegebenen Adresse geschickt. Das ist nicht 100%ig sicher, aber gut genug. Das soll ein »vertrauensvolles, nachbarschaftliches Miteinander« und Privatsphäre garantieren. Außenstehende können private Inhalte gar nicht einsehen – nur öffentliche Events sind per Suchmaschine auffindbar.

Und tatsächlich fördert Nebenan.de als virtuelles schwarzes Brett das städtische Zusammenleben: etwa mit Stammtischen zum Kennenlernen, Flohmärkten oder dem Teilen von Lebensmitteln. Auf einem digitalen Marktplatz wird lokal gehandelt, geliehen und verliehen – alles auf Vertrauensbasis. Auch Spieleabende, gemeinsame Ausflüge, Sportaktivitäten oder spontane Events lassen sich in den virtuellen Nachbarschaften organisieren.

»Heute Abend wer am Start für Disco oder Party?« – Ein Nebenan-Post

Gerade für frisch Zugezogene kann das lokale soziale Netzwerk eine Bereicherung sein und dabei helfen, Bekanntschaften zu schließen. Aber auch für Alteingesessene erhöht es die Identifikation mit dem eigenen Kiez. Das funktioniert aber nur, Juliane Metzker, Katharina Wiegmann und David Ehl loten in diesem Text aus, was das Wort »Heimat« bedeuten kann und wo seine Grenzen liegen wenn es in der eigenen Heimat bereits Teilnehmer gibt: in Städten wie Köln, Berlin oder Münster kein Problem. Doch gerade Kleinstädte oder Dörfer sind noch gähnend leer – wie eine Postleitzahl-Suche auf der Website verrät.

Quelle: nebenan.de copyright

Niedersachsens Verbraucherzentrale und Kommunalpolitiker äußern ihre Bedenken zur Datenpolitik von Nebenan.de (2017) Ein anderes Problem bei all dem Mehrwert bleibt die Datensicherheit. Denn gerade Wissen um Klarnamen und lokale Aktivitäten ist hochsensibel – und bietet wertvolle Hinweise für Einbrecher. Andererseits kann die Information über einen Einbruch auch Nachbarn warnen oder bei der Ermittlung helfen.

Auch die Langzeitfinanzierung von Nebenan.de ist noch offen – Im Jahr 2016 investierte der Münchner Verlag Burda in das Netzwerk von Christian Vollmann und Till Behnke; die Nachricht bei Gründerszene das Netzwerk wird derzeit von Investoren getragen. Für Privatpersonen soll es auch in Zukunft kostenlos bleiben, dafür könnten Anzeigen von Läden oder lokalen Firmen die Nachbarschaftsidylle stören – wie im echten Leben.

Selbst wenn sie scheitern, erreichen sie etwas

Die Ideen der 5 Netzwerke sind gut, doch keines von ihnen bietet das, was Facebook so verlockend macht: ein vertrautes Interface, Einbindung in zahllose Internetdienste und 2 Milliarden Nutzer. Facebook erfüllt trotz all seiner Probleme ein tiefes menschliches Bedürfnis: mit vielen Menschen verbunden zu bleiben – bequem, weltweit und über alle Themengrenzen hinweg. Der »große Wurf«, das nächste Facebook, das alles richtig macht, wird es vielleicht nie geben. Lohnt es sich also überhaupt, umzusteigen?

»Es ist halt bequem. Alle meine Kontakte sind dort.« – Nutzer Jannik K. auf die Frage, warum er Facebook nutzt

Es lohnt sich. Denn jedes neue soziale Netzwerk legt den Finger auf Facebooks Schwächen und übt damit Druck auf den Platzhirsch aus, seine Probleme zu lösen und auch in anderen Bereichen einzulenken. So lockerte Facebook etwa 2014 seinen Klarnamenzwang, So änderte Facebook seine Klarnamenpolitik, durch Druck und das Netzwerk Ello (englisch, 2014) nachdem US-Accounts aus Protest zum Netzwerk Ello abwanderten.

Das zeigt, was Mark Zuckerberg und seine Konkurrenz genau wissen: Facebook ist kein unschlagbarer Riese. Das Netzwerk reagiert auf öffentlichen Druck und vor allem Nutzerbewegungen.

Damit Facebook einen Denkzettel bekommt, reicht eins: Wenn mehr Nutzer die eigenen Gewohnheiten brechen und neue soziale Netzwerke ausprobieren.

Quelle: Pixabay CC0

Titelbild: flickr / Brian Solis verändert - CC BY-SA

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