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Warum Objektivität eine Fata Morgana ist

Wenn wir anerkennen, dass objektiver Journalismus nicht möglich ist, sind wir besser informiert. Dafür brauchen wir Journalisten, die sich aus der Deckung wagen.

Kommentar - 6. März 2018  6 Minuten

  • objektiv
  • neutral
  • rational

Oder:

  • subjektiv
  • voreingenommen
  • emotional

Wie sollen Medien berichten? Natürlich genau so, wie in der ersten Liste beschrieben!

Schließlich sollten sich Journalisten nicht von ihrer eigenen Wahrnehmung und irgendeiner Gefühlsduselei ablenken lassen. Emotionen haben in den Nachrichten nichts zu suchen, sie sind bestenfalls ein Zeichen von Schwäche und vernebeln die Sicht. Die Menschen haben ein Recht darauf, objektiv und neutral über den Zustand der Welt informiert zu werden.

Das ist sogar staatsvertraglich so festgehalten: Sehr ähnliche Formulierungen finden sich auch in den anderen Staatsverträgen, zum Beispiel beim NDR, beim SWR und beim MDR.

In den Angeboten des ZDF soll ein objektiver Überblick über das Weltgeschehen, insbesondere ein umfassendes Bild der deutschen Wirklichkeit vermittelt werden. Hier geht es zum vollständigen ZDF-Staatsvertrag (2016) ZDF-Staatsvertrag

Und das weiß auch ARD-Chefredakteur Kai Gniffke, der jeden Abend das letzte Wort über die Nachrichten für 10 Millionen Zuschauer hat: 2017 schauten so viele Menschen, wie nie zuvor Deutschlands erfolgreichste Fernseh-Nachrichtensendung: 10,19 Millionen Menschen waren es jeden Abend durchschnittlich. Damit ist die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 360.000 angestiegen.

[D]ie neutrale und objektive Berichterstattung der Tagesschau könnte angesichts politisch unruhiger Zeiten wichtiger sein denn je. Das sagte er bei einer Vorlesung an der Universität Hamburg (2016) Kai Gniffke, ARD-Chefredakteur

Mit Illustrationen von Karolin Ohrnberger für Perspective Daily

von Maren Urner 

Maren hat in Neurowissenschaften promoviert, weil sie unser Denkapparat so fasziniert. Die schlechte Nachricht: Wir sind weit davon entfernt, unser Gehirn zu verstehen. Die gute Nachricht: Unser Gehirn ist veränderbar, und zwar ein Leben lang. Wahrnehmungen, Gewohnheiten und Entscheidungen sind also offen für unsere (Lern)-Erfahrungen. Und damit auch für die Erkenntnis: Ich habe mich getäuscht!


von Han Langeslag 

Han geht es um Verantwortung, denn unser Handeln hat heute mehr Einfluss auf das globale Geschehen als je zuvor. Sind wir darauf vorbereitet? Wie können wir überhaupt noch eine Übersicht über die komplexen Zusammenhänge bekommen? Fachlich reicht seine Perspektive als Wirtschaftswissenschaftler, Psychologe und Neurowissenschaftler vom Individuum bis hin zum globalen Handelssystem.

Themen:  Psychologie   Journalismus   Demokratie  

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