Reportage — 9 Minuten

Auch deine Stadt braucht so einen Fahrrad-Bürgermeister!

14. Juni 2018
Themen:

Denn der regelt, dass du mit dem Fahrrad besser ans Ziel kommst als mit dem Auto – und hat mich auf eine wilde Tour mitgenommen.



Ein bisschen fühle ich mich wie eine Robbe in einem Haifischbecken. Die Gefahr lauert hinter und vor mir, manchmal auch unter mir. Ich will ihr ausweichen, aber sie ist überall. Mit knallrotem Kopf steuere ich auf das rettende Ufer zu und als ich mich endlich in Sicherheit wiege, passiert es doch: Ich rutsche ab und stürze.

Ich rutsche ab und stürze.

»Sorry, die Bürgersteige in Beirut sind nicht für Fahrräder und schon gar nicht für Auch in Deutschland werden behinderte Menschen immer noch durch fehlende Infrastruktur diskriminiert. Lies hier Maren Urners Interview mit dem bekannten Aktivisten Raúl Krauthausen Rollstuhlfahrer gemacht«, ruft Philippe Dagher mir zu, während ich mich und mein Fahrrad wieder aufrappele. Er kennt die Fallen, die die libanesische Hauptstadt für Radler stellt: rasende Autofahrer, zu breite Straßenrinnen und eben rutschige Bürgersteig-Aufgänge. Er muss sie kennen, als erster Fahrrad-Bürgermeister von Beirut.

Natürlich ist das kein offizielles Amt, sondern eher ein Versuch, fahrradfeindliche Felix Austen hat dir einen Fahrplan zusammengestellt, wie auch in deiner Stadt paradiesische Zustände herrschen könnten Städte zu Radlerparadiesen umzugestalten, Grüne Alternativen hat Beirut bitter nötig – in diesem Artikel erkläre ich, wie der Libanon in einer Müllkrise versinkt um den Klimaschutz voranzutreiben. Das Amt ist Teil eines größeren Programms, das eine niederländische Organisation ins Leben gerufen hat. Philippe Dagher, der seit 18 Jahren durch Beirut radelt, war der perfekte Kandidat dafür. Er ist ein gut vernetzter Geschäftsmann mit Kontakten nach ganz »oben« und seine Begeisterung für das Fahrradfahren steckt an. Um zu erfahren, wie Beirut und andere Städte die Fahrradwende einleiten können, habe ich mich getraut, eine Kamikaze-Radtour durch die libanesische Hauptstadt zu machen.


Philippe Dagher am ersten Weltfahrradtag im Jahr 2018

Auf Kamikaze-Fahrradtour

Mit seinem schicken grauen City-Bike gleitet er durch den Straßenverkehr. Ich strampele ihm auf einem Kindermountainbike etwas unbeholfen hinterher. An Kreuzungen fährt er langsamer, um abbiegende Autos zu stoppen, bis wir an ihnen vorbeigefahren sind. »Tawwel belak!«, ruft er dann den hupenden Fahrern zu, was so viel heißt wie: »Entspanne dich!« Kommunikation mit anderen Verkehrsteilnehmern ist absolut notwendig. Denn nur wer auf sich als Fahrradfahrer aufmerksam macht, hat eine gute Chance, unbeschadet ans Ziel zu kommen. Ansonsten gilt das Recht des Stärkeren.

Titelbild: BYCS - copyright

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