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Wie ich für meine Tochter ein Vermögen aufbaue (und gleichzeitig die Welt verbessere)

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Wie ich für meine Tochter ein Vermögen aufbaue (und gleichzeitig die Welt verbessere)

23. April 2019
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Ich habe nach einer unkomplizierten und nachhaltigen Geldanlage gesucht. So habe ich sie gefunden.



»Sind Sie damit einverstanden, dass wir ihr Geld an Unternehmen weiterverleihen, die mit Kinderarbeit ihr Geld verdienen, Öl und Kohle in sensiblen Ökosystemen fördern und Kriegswaffen produzieren? Dann unterschreiben Sie bitte hier, hier und hier!«

Ein Bankberater, der seinen Kunden im Verkaufsgespräch eine derartige Frage stellt, wäre seinen Job wohl ziemlich schnell wieder los – wer würde das schon unterschreiben? Dabei ist es durchaus berechtigt, diese Frage zu stellen: Bei vielen modernen Finanzprodukten wird das investierte Geld so breit gestreut, dass fast immer das eine oder andere Unternehmen unter den Empfängern des Geldes ist, das solche fragwürdigen Geschäftspraktiken betreibt.

Wir wollen Monat für Monat einen kleinen Betrag für unsere Tochter beiseitelegen. Seit einigen Jahren gibt es deshalb eine Handvoll Banken und Anbieter von Finanzprodukten, die anders arbeiten. Sie versprechen ihren Kunden explizit, ihr Geld ausschließlich in ökologisch und ethisch korrekte Bahnen zu lenken.

Und damit sprechen sie auch mich persönlich und meine Freundin an. Und offenbar auch viele von euch Lesern: Bei einer Umfrage am Ende eines Textes über Geldanlagen aus dem vergangenen Jahr gaben über die Hälfte der Teilnehmer an, gern einmal etwas über nachhaltige Geldanlagen zu lesen. Vor Kurzem sind wir Eltern geworden. Gemeinsam mit den Großeltern unserer Tochter wollen wir Monat für Monat einen bestimmten Betrag beiseitelegen, damit ihr in 18 Jahren eine passable Summe den Weg in ihr eigenes Leben erleichtern kann. Weil ich mich aber bisher wenig mit Finanzmarktprodukten beschäftigt habe, verschaffe ich mir erst mal einen Überblick.

Wenn es dir ähnlich geht, klicke am besten hier und mache dich einmal kurz mit den wichtigsten Begriffen vertraut, die ich im Text verwende.

  • Zinsanlage: Dazu gehören zum Beispiel Giro- oder Tagesgeldkonten und Festgeldanlagen. Das Prinzip hinter diesen Zinsanlagen ist immer: Man stellt sein Geld der Bank zu festen Konditionen zur Verfügung und erhält im Gegenzug die vereinbarten Zinsen. Das Geld ist sicher, doch die Rendite ziemlich niedrig. Manche Zinsanlagen haben eine flexible Laufzeit, andere sind auf mehrere Monate oder Jahre festgelegt.

  • Fonds und ETFs: Ein Fonds ist ein großer Korb, in dem viele unterschiedliche Geldanlagen liegen, zum Beispiel Aktien oder Staatsanleihen. Sie können thematisch sortiert sein, sodass der Fonds etwa nur Aktien aus der Automobilbranche oder von großen Tech-Unternehmen umfasst. Manche Fonds kombinieren auch Aktien, Staatsanleihen und weitere Anlageformen. Mit Fonds lassen sich höhere Gewinne machen als mit Zinsanlagen, weil sie über längere Zeiträume in der Regel mit der Wirtschaft wachsen. Fonds sind aber auch riskanter als Zinsanlagen, weil die Kurse fallen können, wenn sich die Wirtschaft entsprechend entwickelt. Dann gibt es Verluste. Durch die Streuung auf viele verschieden Aktien oder Anleihen sind sie weniger riskant als einzelne Aktien.

    Ein ETF ist ebenfalls ein Fonds; nur wird er nicht aktiv von Managern mit Inhalten bestückt, sondern automatisch nach einer bestimmten Formel. Diese Formel bastelt einen Index nach, wie zum Beispiel den Deutschen Aktien Index (DAX). In einem DAX-ETF sind dann alle DAX-Unternehmen enthalten, und zwar im selben Größenverhältnis wie im DAX selbst. Das bedeutet: Steigt der DAX in einem Jahr um 8%, steigt auch mein ETF um 8%. Weil nur der Index nachgebildet wird, fallen für ETFs oft nur geringe Gebühren an.
  • Sparplan: Egal ob Zinsanlagen, Fonds oder ETF: Man kann seine Anlage auch Monat für Monat kaufen und muss keine große Summe auf einmal investieren. Das senkt das Risiko weiter ab, aber auch die Chance auf Gewinn. Denn über die Zeit verteilt kauft man mal zu besseren, mal zu schlechteren Preisen ein und landet so bei einem Mittelwert.

Auch dieser Text meines Kollegen David Ehl gibt einen guten Überblick:

Nach vielen Stunden, die ich mich durch Finanzratgeber und Podcasts ackere, steht Unser Plan orientiert sich am sogenannten Pantoffel-Portfolio der Stiftung Warentest unser Plan fest: Wir wollen die eine Hälfte der monatlichen Sparrate in einen Zins-Sparvertrag stecken. Die Zinsen sind zurzeit zwar überall mickrig, dafür ist dieser Teil komplett sicher. Die andere Hälfte soll in einen Fonds-Sparplan wandern, in der Hoffnung, dass das Vermögen etwas flotter wächst. Dabei gibt es natürlich das Risiko, dass sich der Fonds schlecht oder sogar negativ entwickelt. Die sehr lange Anlagezeit Lange Anlagezeiten von über 10 Jahren haben in der Vergangenheit fast immer ein Plus beschert, weil die Wirtschaft über solche Zeiträume fast immer gewachsen ist. Selbst Verluste durch eine Finanzkrise, wie sie beispielsweise vor gut 10 Jahren eingetreten ist, waren nach einigen Jahren wieder wettgemacht. von 18 Jahren macht es allerdings sehr unwahrscheinlich, dass wir am Ende mit einem Minus dastehen.

Illustration: Mirella Kahnert

Nun soll das Ganze eben auch möglichst nachhaltig sein, schließlich wollen wir unserer Tochter mit dem Geld helfen und ihr nicht auch noch ihre Zukunft auf diesem Planeten damit erschweren. Und da gehen die Fragen erst richtig los:

  • Was hat Geldanlegen mit Nachhaltigkeit zu tun?
  • Woher weiß ich, wie nachhaltig eine Geldanlage ist?
  • Sind nachhaltige Geldanlagen sicher und rentabel?
  • Warum habe ich da bisher noch nichts von gehört?
  • Gibt es in Deutschland klare Labels oder Siegel, an denen ich mich orientieren kann?

Bei welchen Antworten ich schließlich gelandet bin – und wie wir das mit der Geldanlage nun konkret angehen wollen –, erfährst du in diesem Text.

Was hat Geldanlegen mit Nachhaltigkeit zu tun?

Zurück zum Einstieg: Kaum jemand wird mit seinem Geld Unternehmen dabei unterstützen wollen, Soll Deutschland Waffen an Kriegsparteien liefern, fragt Juliane Metzker in einem Kommentar Kriegswaffen herzustellen, mit denen Zivilisten und Unschuldige getötet werden. Das ist aber kaum auszuschließen, wenn man sein Geld einer herkömmlichen Bank blind anvertraut. Und mit Waffen ist es nicht getan: Die meisten Banken investieren ebenfalls in Was ist die bessere Brückentechnologie: Erdgas oder Atomkraft? Atomkraft, Kohle- und Ölförderung, Pornografie und Tabak- sowie Alkoholkonzerne. Die Liste geht weiter mit Agrarfirmen, die von der Dieser Mann belebt den Regenwald wieder Rodung der Regenwälder profitieren, Chemieriesen, die mit dem Verkauf von Pestiziden ein Vermögen und gleichzeitig den Insekten, Bienen und Feldarbeitern das Leben schwer machen, und Automobilkonzernen, die mit illegalen Abgastricks die Luft in den Städten verpesten.

Beispiele gefällig? Wer etwa in einen ETF investiert, der den DAX nachbaut, stellt sein Geld auch dem Die Übernahme wird bereits zum Problem, berichtet ZEIT ONLINE Chemieriesen Bayer zur Verfügung, der kürzlich Monsanto geschluckt hat und nun ordentlich das Pestizid Glyphosat verkaufen möchte. Auch Erst jüngst attestierte der EU-Ermittlungsbericht allen 3 Konzernen illegale Absprachen, berichtet T-Online Daimler, BMW und VW, allesamt tief in den Dieselskandal verstrickt, freuen sich über die Geldspritze. Die meisten Banken investieren unter anderem in Atomkraft, Kohle- und Ölförderung, Pornografie und Tabak- sowie Alkoholkonzerne. Wem das noch nicht genügt, der findet auch RWE in der Liste: den Energieriesen, der Außer Großkonzernen wie RWE braucht sich niemand vor dem Kohleausstieg zu fürchten mit einigen der schmutzigsten Kohlekraftwerken Europas Milliarden verdient. Die Kunden bekommen davon meistens nichts mit – sie werden in erster Linie mit niedrigen Kontoführungskosten, hohen Zinsen und hoher Rendite gelockt.

Die meisten »normalen« Geldanlagen erfüllen also weder ökologisch noch sozial besonders hohe ethische Standards – sie sind daher nicht das, was man gemeinhin unter »nachhaltig« versteht.

Diese Gründe sind Nachhaltigkeitsanlegern am wichtigsten

So antworten Anleger auf die Frage, welche Themen für sie bei der Auswahl einer nachhaltigen Geldanlage besonders wichtig sind, in Prozent der Befragten, mehrere Antworten möglich

Quelle: NKI-Research

Meiner Freundin und mir ist vor allem wichtig, dass unser Geld nicht in fossile Brennstoffe fließt; Kann ich trotz Klimawandel noch Kinder in die Welt setzen? wir wünschen unserer Tochter schließlich, nicht allzu sehr unter den Folgen des Klimawandels leiden zu müssen. Aber auch Kinderarbeit und die Zerstörung von Ökosystemen sind für uns ein No-Go.

Woher weiß ich, wie nachhaltig eine Geldanlage ist?

»Nachhaltig« ist ein ziemlich überstrapazierter Begriff – da macht das Finanzwesen keine Ausnahme. Vom Schurken-ETF mit blassgrünem Anstrich bis hin zum tief idealistischen Fonds für den Vollblut-Öko kann sich hinter diesem Schlagwort erst einmal alles verbergen.

Wichtig ist deshalb zunächst, die verschiedenen Bewertungsmethoden zu kennen:

  • Ausschlusskriterien: Vor allem bei Fonds, ETFs und weiteren Finanzmarktprodukten werden problematische Geschäftsfelder ausgeschlossen. Ein Fondsanbieter garantiert dann zum Beispiel, dass Firmen, die mit fossilen Brennstoffen, Kinderarbeit oder Glücksspiel ihr Geld verdienen, kategorisch ausgeschlossen werden.
  • Best-in-Class-Prinzip: Dabei wird keine Branche kategorisch ausgeschlossen, stattdessen bekommen diejenigen Unternehmen den Zuschlag, die die höchsten Umwelt- oder Sozialstandards innerhalb der Branche haben. Hat Renault zum Beispiel einen niedrigeren durchschnittlichen CO2-Ausstoß in seiner Produktpalette als Audi, BMW und Co, gilt das Unternehmen als Klassenbestes.
  • Impact-Investment: Dabei investieren Geldgeber gezielt in Firmen oder Projekte, deren Sinn und Zweck sie unterstützen wollen. Das machen nicht nur die Löwen in der »Höhle der Löwen« Die »Höhle der Löwen« ist eine Sendung des Fernsehsenders Vox, in der junge Unternehmer ihre Geschäftsideen vor einer Handvoll vermögender Investoren präsentieren. Wer überzeugt, handelt direkt aus, welche Unternehmensanteile der Impact-Investor für welche Summe kauft. auf Vox, das kann jedermann: In lokale Windparks, Mehrgenerationenhäuser oder ein neues Blockheizkraftwerk Wie ein nachhaltiges Krankenhaus dann aussieht, zeigt Chris Vielhaus in dieser Reportage über eins der nachhaltigsten Krankenhäuser Deutschlands für das örtliche Krankenhaus investieren.

Diese Bewertungsmethoden werden einerseits von nachhaltigen Finanzmarktprodukten wie Fonds oder Staatsanleihen benutzt, um die Nachhaltigkeit der eigenen Produkte zu untermauern. Es gibt aber auch Banken, die sich diesen Idealen verpflichten und garantieren, alles Geld, das die Kunden ihnen anvertrauen, nur entlang dieser Prinzipien zu verleihen.

Angela McClellan, Geschäftsführerin des Forums Nachhaltige Geldanlagen – Quelle: FNG

Wer also sichergehen möchte, dass sein Geld auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto nicht für fragwürdige Zwecke weitergegeben wird, dem bleibt keine andere Option, als zu einer nachhaltigen Bank zu wechseln. Weitere Nachhaltigkeitsbanken stellt die Verbraucherzentrale vor Zu den in Deutschland bekanntesten gehören die GLS-Bank, die Triodos-Bank und die UmweltBank. »Gerade diese Nachhaltigkeitsbanken haben enormen Zulauf erhalten in den letzten Jahren«, sagt Angela McClellan. Sie hat Politik und Business Administration studiert und setzt sich heute als Geschäftsführerin des Hier geht es zur Homepage des Forums Nachhaltige Geldanlagen Forums Nachhaltige Geldanlagen mit ihrer Organisation für die Verbreitung, Transparenz und Qualitätssicherung nachhaltiger Geldanlagen ein.

Mit diesem Wissen im Gepäck entscheiden wir uns dafür, den Zins-Sparvertrag direkt mit einer der Nachhaltigkeitsbanken zu vereinbaren. So wissen wir, dass die sichere Hälfte des Geldes nur an ethisch einwandfreie Unternehmen weiterverliehen wird. Für die wachstumsorientierte Hälfte, die wir in Aktienfonds anlegen wollen, bleiben wir bei unserer sehr benutzerfreundlichen Direktbank. Sie ist zwar keine explizite Nachhaltigkeitsbank, bietet aber ein sehr günstiges und einfach zu verwaltendes Online-Depot an, über das wir wiederum streng nachhaltige Fonds kaufen können.

Sind nachhaltige Geldanlagen sicher und rentabel?

»Es ist ganz klar empirisch nachgewiesen, dass nachhaltige Geldanlagen keine schlechteren Renditen erzielen als herkömmliche Geldanlagen«, erklärt McClellan. »Teilweise sogar bessere, und das ist auch einleuchtend: Nachhaltigkeitsbewusste Unternehmen sind langfristiger orientiert und deshalb finanztechnisch meistens besser aufgestellt.«

Es ist ganz klar empirisch nachgewiesen, dass nachhaltige Geldanlagen keine schlechteren Renditen erzielen als herkömmliche Geldanlagen. Eine Hier geht es zur groß angelegten Metastudie (englisch, 2015) Metastudie von Alexander Bassen, Professor für Kapitalmärkte und Unternehmensführung an der Universität Hamburg, hat im Jahr 2015 über 2.000 Einzelstudien zu dieser Frage untersucht – und kommt zum selben Ergebnis: Nachhaltige Investments übertreffen nicht-nachhaltige tendenziell sogar.

Was die Studie außerdem zeigt: Der Markt scheint das nur langsam zu kapieren. Mangelnde Rentabilität sei nach wie vor eines der größten Vorurteile gegenüber nachhaltigen Geldanlagen, bestätigt Angela McClellan: »Viele glauben, das ist Gutmenschentum, nur was für Weltverbesserer – was manche Leute ja als etwas Naives und Negatives sehen. Dabei übersehen sie, dass es auch aus wirtschaftlicher Sicht einfach geboten ist, mit Nachhaltigkeitsstandards die Risiken zu mindern, denn nachhaltig orientierte Unternehmen performen langfristig besser. Das hat dann gar nichts mehr mit Dieser Text ist für alle Gutmenschen und die, die es gern wären Gutmenschentum zu tun, sondern ist rational gesehen einfach die sicherere Anlage. Wer nach dem Beschluss über den Kohleausstieg in Deutschland und dem Alle Zahlen zum Klimawandel im kurzen Überblick Klimaabkommen von Paris noch viel Kohle im Portfolio hat, zeigt eigentlich, dass er der Politik nicht vertraut, dass sie das auch durchzieht.«

Illustration: Mirella Kahnert

Was Nachhaltigkeitsbanken angeht, so sind diese – wie alle Banken in der EU – gesetzlich dazu verpflichtet, alle Einlagen bis 100.000 Euro über die Einlagensicherung zu schützen. Das heißt: Wenn die Bank bankrottgeht, sind Vermögen bis 100.000 Euro sicher.

Komplette Sicherheit gibt es bei Finanzmarktprodukten dennoch nicht, das ist uns klar. Doch die gängigen Risiken sind bei nachhaltigen Geldanlagen nicht höher als bei herkömmlichen. Geht unsere Bank bankrott, sind wir durch die Einlagensicherung geschützt. (Und welche Banken in Krisenzeiten am ehesten ins Wanken geraten, haben wir in der letzten Finanzkrise gesehen – die kleinen, die nicht nur auf das schnelle Geld aus sind, waren es jedenfalls nicht.)

Was die Kursschwankungen der Aktienfonds angeht, scheint das Risiko ebenfalls niedriger zu sein, denn politisch ist aus meiner Sicht in Zukunft mehr Klimaschutz alternativlos. Zudem investieren wir nicht auf einmal, sondern Monat für Monat. Dadurch profitieren wir vom sogenannten Durchschnittskosteneffekt. Das bedeutet, dass wir durch die zeitliche Streuung automatisch mal günstig und mal teuer einkaufen und so insgesamt bei einem mittleren Preis landen.

Warum habe ich da bisher noch nichts von gehört?

»Die Verbindung von Nachhaltigkeit und Geld ist einfach noch sehr neu«, sagt Angela McClellan. »Die wenigsten Leute denken daran, dass sie mit ihrem Bankkonto Unternehmen und deren Aktivitäten finanzieren und sich auch dagegen entscheiden könnten, beispielsweise Kinderarbeit und Umweltzerstörung zu unterstützen.«

Warum sich Anleger gegen nachhaltige Geldanlage entscheiden

So antworteten Anleger auf die Frage, warum sie ihr Geld nicht nachhaltig anlegen, in Prozent der Befragten, mehrere Antworten möglich

Quelle: NKI-Research

Doch die Mauern der Unwissenheit bröckeln: Immer mehr Anleger fangen an nachzufragen, was mit ihrem Vermögen passiert. Wenn sie ihr Geld schon für sich arbeiten lassen, dann immer häufiger zumindest an einer »guten« Sache: Beliebt sind Wind- und Solarparks, ökologische Landwirtschaftsprojekte, Medizintechnik, E-Mobilität oder soziale Wohnprojekte, um nur einige zu nennen.

Trotzdem liegt der Marktanteil für nachhaltige Geldanlagen in Deutschland aktuell bei nur etwa 3%. Doch das wird sich ändern: »Es gibt viele Hier zum Beispiel eine Untersuchung des Instituts für nachhaltige Geldanlagen (2017) Studien, die zeigen, dass die Mehrheit der Privatanleger ihr Geld lieber nachhaltig anlegen würde, wenn sie im Beratungsgespräch danach gefragt werden würde«, betont Angela McClellan. »Das werden sie aber bisher zum Großteil nicht. Es scheitert daran, dass der Kunde den Zusammenhang nicht kennt und der Finanzberater es nicht anspricht, weil er sich auf diesem Gebiet nicht gut auskennt, da es nicht Gegenstand seiner Ausbildung ist.«

Zudem seien bereits neue Stellungnahme des FNG zur EU-Richtlinie EU-Richtlinien beschlossen, die Finanzberater und Anbieter von Finanzprodukten in Zukunft dazu verpflichteten, ihre Kunden besser über die Nachhaltigkeit ihrer Produkte aufzuklären und sie nach ihren persönlichen Präferenzen zu fragen. Das stimmt Angela McClellan optimistisch: »Wir erwarten Wachstumsraten für nachhaltige Geldanlagen von 15–30% pro Jahr. Da ist eine unheimliche Dynamik drin.«

Gibt es in Deutschland klare Labels oder Siegel, an denen ich mich orientieren kann?

Die EU arbeitet derzeit daran, ihr EU-Ecolabel auch auf Finanzprodukte zu erweitern. Dies kommt im Moment für Konsumgüter aller Art zum Einsatz (zum Beispiel Waschpulver oder Leuchtmittel). »Die Ausweitung des EU-Ecolabels bezieht sich aber rein auf ökologische Kriterien. Hier geht es nur um die Umweltdimension. Im Gegensatz dazu berücksichtigt das FNG-Siegel auch Soziales und Unternehmensführung.«

Mit dem FNG-Siegel bietet das Forum Nachhaltige Geldanlage, für das Angela McClellan arbeitet, ein eigenes Siegel an, das sehr genau hinsieht. Wenn die Mindeststandards eingehalten werden – dazu zählen unter anderem der Ausschluss von Waffen, Kernkraft, Kohle, Fracking, Menschenrechtsverstößen und Korruption –, können Fondsanbieter das Logo erhalten. Durch besonders transparente und glaubwürdige Unternehmensführung lassen sich zudem 3 Bonussterne sammeln, mit denen die Anbieter ihre Fonds schmücken dürfen. Eine Hier geht es zur Liste mit den derzeit FNG-zertifizierten Fonds Liste mit aktuell 66 zertifizierten Fonds steht auf der Homepage des Logos, zu jedem einzelnen gibt es detaillierte Informationen. Auch die Hier geht es zur Datenbank der Stiftung Warentest Stiftung Warentest hat eine große Datenbank an Fonds, in denen einige Nachhaltigkeitskriterien mit aufgeführt sind.

Am Ende haben wir für unsere Tochter einen Fonds aus der Datenbank des FNG-Siegels gewählt, der die uns wichtigsten Ausschlusskriterien erfüllt: Also weder in fossile Brennstoffe noch in Kinderarbeit oder die Zerstörung von Ökosystemen investiert. Gleichzeitig sollen die Gebühren nicht allzu hoch sein, außerdem muss unsere Bank den Fonds auch als Sparplan anbieten. Mit diesen Einschränkungen ist die Auswahl begrenzt, sodass uns die Wahl nicht mehr schwerfällt.

Mit dieser Kombination aus sicherem Zins-Sparvertrag bei der von uns gewählten Nachhaltigkeitsbank und dem wachstumsorientierten Fonds-Sparplan haben wir ein gutes Gefühl: In jedem Fall können wir unserer Tochter in 18 Jahren etwas mit auf den Weg geben. Wenn wir Glück haben und sich der Fonds gut entwickelt, sogar eine ganz stattliche Summe – und in jedem Fall können wir ihre Fragen, woher das Geld stammt, später mit gutem Gewissen beantworten.

Mit Illustrationen von Mirella Kahnert für Perspective Daily

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