»Weniger schlecht sein reicht nicht. Wir müssen gut sein!«

Konsumieren und damit die Welt verbessern? Das verspricht der Cradle-to-Cradle-Ansatz. 8.000 Produkte gibt es schon.

Interview - 16. November 2018  9 Minuten

Wir alle wollen ein gutes Leben führen, also müssen wir zwangsläufig produzieren und konsumieren. Aber müssen dafür Kinder schuften? Ozeane und Länder zugemüllt werden? Böden unfruchtbar gemacht werden? Gewässer kippen? Und die Atmosphäre glühen?

Nein!, sagt die Cradle-to-Cradle-Bewegung: Wir können auch so wirtschaften, dass wir dabei nicht nur möglichst wenig Schaden anrichten, sondern die Welt sogar noch besser machen. Bei welchen Produkten das in der Praxis längst funktioniert, weiß Tim Janßen, der seit dem Jahr 2012 den Hier geht’s zur Homepage des C2C e. V. Cradle-to-Cradle-Verein in Berlin leitet.

Bio und Tech: 2 Kreisläufe für eine heile Umwelt

Felix Austen: Wie funktioniert denn das Cradle-to-Cradle-Designkonzept konkret?

Tim Janßen: Beim Cradle-to-Cradle-Designkonzept geht es um die Frage, wie sich Cradle to Cradle in die Praxis umsetzen lässt. Eines unserer Prinzipien lautet »Nährstoff bleibt Nährstoff«. Das bedeutet, dass alle Materialien fortwährend in Kreisläufen zirkulieren. Wir sprechen von 2 Kreisläufen: dem biologischen und dem technischen Kreislauf. Neben der Kreislaufführung ist ganz wichtig, welche Materialien benutzt werden, um Dinge herzustellen, nämlich genau definierte, gesunde Materialien. Außerdem werden eine Vielfalt von Konzepten und Ideen in die Produktion mit einbezogen, zum Beispiel, dass nur mit Erneuerbaren Energien produziert wird.

Felix Austen: Also im Kern eine Kreislaufwirtschaft?

Tim Janßen: »Circular Economy« ist so ein trendiges Stichwort, das gerade ein bisschen den Begriff »Nachhaltigkeit« ablöst. Die wahren Weltmeister im Recycling sind nicht die Deutschen, weiß Felix Franz Das Recycling, das wir heute machen, hat mit Cradle to Cradle aber nichts zu tun: Bis zu 70% des gelben Sacks werden einfach verbrannt.

Wir leben in einer Welt voller Materialien, die überhaupt nicht kreislauffähig oder gesund sind. Du gehst etwa ins Krankenhaus, weil du gesund werden willst, und auf dem Schreibtisch des Arztes steht ein Laserdrucker, der emittiert ohne Ende Feinstäube. Gratulation! Du wirst bei der Diagnose noch vergiftet.

Bei Cradle to Cradle geht es nicht darum, vom Ende aus zu denken, sondern vom Anfang: Denn wenn ich weiß, was in meinem Produkt ist, weiß ich am Ende der Nutzung auch noch, was ich mit meinem Produkt tun kann.

Mit Illustrationen von Adrian Szymanski für Perspective Daily

von Felix Austen 

Dem Physiker Felix geht es ums Klima, um Landwirtschaft, Energie und Umwelt. Was können Wissenschaft, Politik und Gesellschaft tun, damit alle auf der Welt, mit der Welt und von der Welt gut leben können? Genau: Der heilige Gral der Nachhaltigkeit!

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